Alles über Fühler

 

Inhaltsverzeichnis dieser Seite (zum Anklicken)

Merkmale Fühler
Tipps zur Persönlichkeitsentwicklung für Fühler
Fühler-Wörter
Fühler-Metaphertiere
Fühler-Sprichwörter
Fühler-Berufe
Tipps für den Umgang mit Fühler-Kindern
Beispiel für ein Fühler-Kind
Textbeispiele von Fühlern

 

Merkmale Fühler

kann sehr genau zuhören oder wahrnehmen, was geschieht

liest gerne, hört viel Musik oder sieht lange fern

leidet häufig unter schwer zu verarbeitenden Wahrnehmungen, z.B. beim (Mit-)Leiden (auch mit Tieren, der Umwelt oder dem eigenen Körper)

verarbeitet große Mengen an Reizen schwer (z.B. bei einem langen Film, drei aufeinander folgenden Vorträgen); hilfreich ist dann das "darüber schlafen"

wechselt häufig zu rasch von "wahrnehmen" zu "machen" (z.B. etwas hören und gleich etwas dazu sagen) und überspringt dabei das Nachdenken und Überlegen

hat einen Hang zu allem, was die Sinne anspricht (Musik, Bilder, Düfte etc.) und erinnert sich dadurch rasch an Eindrücke, die damit gespeichert sind

neigt dazu, innere Wahrnehmungen zu zeigen (z.B. weinen oder lachen)

verwendet häufig Formulierungen, in denen die Begriffe "fühlen", "wahrnehmen" oder "spüren" vorkommen, z.B. "das fühlt sich für mich gut an", "nimmst du das nicht wahr?" oder "ich spüre hier ..."

 

Tipps zur Persönlichkeitsentwicklung für Fühler

erlauben Sie sich, selbst nachzudenken und Ihre eigenen Schlüsse zu ziehen, Wahrgenommenes intensiv zu verarbeiten/zu sortieren

versuchen Sie, sich vom vielen Lesen, Musik hören oder Essen abzulenken (falls das ein Problem für Sie ist)

sehen Sie sich nach, dass Sie viel Schlaf und Ruhe brauchen, um Wahrgenommenes zu verarbeiten

geben Sie sich Gelegenheit, Ihre Reizaufnahme zeitweise so weit es geht einzuschränken; schaffen Sie sich eine reizarme Rückzugsmöglichkeit

sollte etwas, das Sie machen, nicht wie gewohnt funktionieren, bedenken Sie es lieber noch einmal ausführlich ("Kontrolleur")

 

Fühler-Wörter

Fühlen (hören, riechen, sehen), empfinden, Reize aufnehmen, erbeben, schwingen, hinspüren, hinhorchen, in-mich-hineinspüren, wahrnehmen, aufnehmen, einsaugen, ranschnuppern, hinfühlen, rezeptiv, empfänglich, beeinflussbar

 

Fühler-Metaphertier

Reh

 

Fühler-Sprichwörter

Wer Schmetterlinge lachen hört, weiß wie Wolken riechen. (Novalis)

Der Herbstwind bläst - wir können einander sehen, du und ich. (Haiku von Shiki)

Der Maler vermag mit dem Pinsel und der Farbe etwas zu schaffen, was dem Auge so wohltut wie die Musik dem Ohr. (Leonardo da Vinci)

Die Blumen machen den Garten, nicht der Zaun. (Sprichwort)

Die Natur hat zehntausend Farben, und wir haben uns in den Kopf gesetzt, die Skala auf zwanzig zu reduzieren. (Hermann Hesse)

Farben sind das Lächeln der Natur. (Hunt)

Hören ist schöner als alles, was es gibt. (Ptahhotep, Pharao um 2650 v. Chr.)

Ich und die Farbe sind eins. Ich bin Maler. (August Macke)

Lass die Grammatik den Leuten - ich studier' den Geliebten, und eine einzige Letter les' ich und les' immer wieder! (Qadi Qadan, islam. Mystiker)

Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar. (Antoine de Saint-Exupéry)

Ohne die Musik wäre ich verrückt geworden. (Matilde Capuis)

 

 

Fühler-Berufe

Atemtherapeutin, Drogistin, Filmemacher, Florist, Fotograf, Friseur, Grenzschutz, Hörgeräteakkustiker, Inneneinrichter, Instrumentenbauer, Kameramann, Klavierstimmer, Koch, Kosmetikerin, Kunstmaler, Orthopäde, Pyrotechniker, Tänzer, Textilkauffrau, Weinverkäufer, Winzer

 

 

Tipps für den Umgang mit Fühler-Kindern

Unterstützung können Sie Ihrem Kind also überall dort zukommen lassen, wo es diese vernachlässigte Seite, das Überdenken, Verarbeiten und die Einschränkung seines Reizkonsums von sich aus wichtig nimmt. Kaufen Sie ihm nicht noch mehr Hörkassetten oder Bücher, wenn seine Regale schon voll davon sind, sondern nehmen Sie es stattdessen mit auf einen Ausflug in eine eher reizarme Gegend (etwa in die Berge oder zum Rudern auf einen See) oder ermuntern Sie es zu einer Sportart, bei der genug Zeit zum Nachdenken bleibt und es Ruhe vor äußeren Eindrücken hat (etwa Laufen, Radfahren oder Minigolf). Überall, wo es abschalten und seinen Gedanken nachhängen kann, gewinnt der "Verarbeitungsmuskel" an Kraft und gleicht so seine Überbetonung etwas aus.

(Text aus "Warum sind Kinder so verschieden", VAK-Verlag 2006)

 

Beispiel für ein Fühler-Kind:

Franzi war ein stilles, aber sehr aufmerksames Kind - wenn sie Musik hörte oder vor dem Aquarium saß, leuchteten ihre Augen. Als Baby schlief sie bei Mozart oder Sade stets ruhig ein. Früh fing sie an, wunderschöne Bilder zu malen. Aus bunten Klecksen wurden bald farbenprächtige Blumen. Franzis Lieblingsbeschäftigungen waren allerdings "Kassetten hören" oder "Tierfilme anschauen".

In der Schule konnte Franzi auch mit den anderen Mitschülerinnen oder Schülern mitleiden oder sich freuen, wenn diese schlechte bzw. gute Noten hatten. Einmal saß sie im Urlaub im Sand und schaute den Wellen zu. Plötzlich fing sie fürchterlich an zu schreien und zu weinen, weil eine Biene im Meer zu ertrinken drohte. Ihr Vater musste das Tier sofort retten, sonst hätte er keine ruhige Minute mehr gehabt. Eine Stunde später lachte Franzi laut los, als sie eine Geschichte vorgelesen bekam, in der ein Riese trotz seiner Größe fast ertrank. Solche Gefühlsausbrüche und -schwankungen kannte ihre Familie schon von ihr. Franzi merkte auch gleich, wenn es jemandem in ihrer Nähe schlecht ging, sie fragte dann jedes Mal: "Was hast du?", und litt manchmal mehr als der Betreffende selbst. Ihre Mutter sagte oft zu ihr: "Handle doch nicht immer aus dem Bauch heraus und überdenke die Sache zuvor", aber das Verarbeiten von vielen Eindrücken fällt ihr noch heute, als Erwachsene, so schwer wie damals als Kind.

(Text von Christa Roller aus "Warum sind Kinder so verschieden", VAK-Verlag 2006)

 

Textbeispiele von Fühlern:

"Insgesamt verbrachte ich nach unserer Ankunft ungefähr zehn Wochen in Beijing. Den Großteil der Zeit wurde ich von politischen Begegnungen und Konferenzen in Anspruch genommen, ganz zu schweigen von den zahllosen Banketten. Das Essen bei diesen gewaltigen Anlässen war im allgemeinen recht gut, auch wenn mich bei dem Gedanken an die hundert Jahre alten Eier, die angeblich eine Delikatesse sein sollten, noch immer schaudert. Ihr Geruch war überwältigend. Er hing noch lange Zeit in der Luft, so daß man nicht wußte, ob es der Geschmack war, den man noch spürte, oder einfach der Geruch. Die Sinne waren schlicht überfordert. Einige europäische Käsesorten haben, wie ich feststellen konnte, dieselbe Wirkung."
(Dalai Lama: Das Buch der Freiheit)

"Wir näherten uns dem Haus: Ich sah Mutter in weißen Kleidern in der Türe stehen. Sie sah aus, als würde sie gleich losfliegen, mir entgegen. Diesmal täuschte ich mich nicht. Sie machte einen Satz und kam, als sei sie nicht Mutter, sondern ein junges ruthenisches Mädchen, auf mich zugerannt. Keine Sekunde verging, und sie hielt mich in den Armen. Einen Moment lang waren wir vereint, mitten im hohen Gras.
Nachmittags saßen wir im Hof, Großmutter brachte uns längliche Brötchen und Erdbeeren mit Sahne. Mutter war schön. Das Haar fiel offen über ihre Schultern, Licht tanzte auf ihrem langen Popelinekleid, und ich sagte mir: So wird es immer bleiben.
Während ich noch in dieser heimlichen Freude verweilte, zog sich etwas in meinem Herzen zu einem Schmerz zusammen, so leicht, dass ich ihn kaum spürte, doch langsam, beinah unbemerkt breitete er sich aus und verschanzte sich in meiner Brust. Ich brach in Tränen aus, und Mutter, die guter Laune war, umfarmte mich. Aber Angst und Trauer hatten mich schon fest im Griff, und ich ließ mich nicht trösten. Das Weinen begann in mir zu fiebern. Ich wusste, dies war der letzte Sommer im Dorf. Ab jetzt würde das Licht immer weniger werden, und Dunkel würde die Fenster verstopfen."

(Aahron Appelfeld: Geschichte eines Lebens)

 

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