Alles über das Beziehungstyp-Naturell im 123-Modell

(auch gelbes Naturell, Relationiker, typus relationis genannt)


Vorbemerkung: Was verstehen wir unter einem Menschen mit „Beziehungstyp-Naturell“?



Abb.: Grafische Darstellungen zum Beziehungstyp-Naturell (BTN)


Ein Mensch mit Beziehungstyp-Naturell zeigt - erkennbar entweder verdachtsweise im Alltag oder fachlich abgesichert durch eine konsensuelle Naturellanalyse - dass bei ihm der „gelbe“ Anteil am Naturell (den wir fachlich auch „Beziehungstyp-Anteil“ nennen) stärker und der „blaue“ Anteil (den wir fachlich auch „Sachtyp-Anteil“ nennen) schwächer ausgeprägt ist. Es ist also eine Gewichtung zu Gunsten des „gelben“ Naturellanteils erkennbar.

Ich habe mich hier häufig für den Begriff „Beziehungstyp-Naturell“ oder die Kurzform „BTN“ als bevorzugten Fachbegriff entschieden, verwende jedoch synonym immer wieder auch
    „Beziehungstyp“,
    „Relationiker“ oder
    „gelbes Naturell“ bzw.
    „Gelbe“, oder ab und zu die Metapherbilder
    „Schimpansen“ und „Delfinen“,
wenn ich von dieser Kategorie spreche. Die Vielzahl der Begriffe ist auch dadurch bedingt, dass seit 1990 verschiedene Verwendung fanden und je nach Leser- oder Zuhörergruppe unterschiedlich gut angenommen wurden. Ich persönlich finde es manchmal einfacher, im geschäftlichen Kontext schlicht von „den Gelben“ zu sprechen, weil solche Farbnamen dort häufig bekannt und akzeptiert sind. Wenn ich mehr Zeit habe, z.B. in Coachinggesprächen, und das Phänomen „Naturell“ erklären kann, bietet sich hingegen „gelbes Naturell“ an; in Gesprächen mit Paaren und Familien finde ich wiederum die Metapherbilder hilfreich und spreche dann vom „Schimpansen-Naturell“; habe ich mit evolutionskritischen Menschen zu tun oder mit solchen, die einen Vergleich mit Tieren als unangemessen finde, weiche ich auf die Meeresbewohner-Metapher aus und spreche vom „Delfin-Naturell“, was auch gut verstanden wird, wenn die Zusammenhänge einmal geklärt wurden. Im Gespräch mit Kolleginnen und Kollegen jedoch, die bei Friedmann oder aus seinen Büchern das Thema kennen gelernt haben, lässt sich der von ihm geprägte Ausdruck „Beziehungstyp“ verwenden, auch wenn es da hinsichtlich der genauen Beschreibung dieses „Typs“ immer wieder Unterschiede zum 123-Modell gibt.
 
 


Bevorzugter Lebensbereich des BTN nach der Landkarte: Verbundenheit
Vernachlässigter Lebensbereich des BTN nach der Landkarte: Zeitorientierung



Auf dieser Webseite habe ich versucht, alle Informationen über das Beziehungstyp-Naturell (BTN) zusammenzutragen.  Zum besseren Überblick hier die Inhalte:

a) Die BTN-Items des „Langtests“
b) Typenbild BTN
c) Die aus den Triaden abgeleiteten Bevorzugungen und Vernachlässigungen des BTN
d) „Gebrauchsanweisungen“ zum BTN
e) Metapher zum BTN
f) Sprichwörter mit Bezug zum BTN
g) Typische Berufe für das BTN
h) Tipps für den Umgang mit BTN-Kindern
i) Prominente mit BTN (Vermutungen)
k) Textbeispiele zum BTN
l) Typische BTN-Wörter und -Begriffe
m) Tipps zur Persönlichkeitsentwicklung und Problemlösung des BTN


a) Die BTN-Items des „Langtests“
 

(die Nummern sind die der Items, wie sie im „Langtest“, den bislang am intensivsten beratenen und überprüften textlichen Beschreibungen der drei Naturellgruppen verwendet werden):

A. Sehr typische Merkmale für das BTN

1. Kreativ, ständig neue Ideen; meistens fehlt das Durchhaltevermögen, diese anhaltend zu entwickeln oder zu pflegen

4. Zeigt durch vielfältige Mimik, was im Inneren vorgeht; rascher Wechsel von "überglücklich" zu "todtraurig" möglich, wenn entsprechende Impulse von außen kommen oder nicht kommen (wie erhofft/erträumt)

6. Eher oberflächliche und ungenaue Herangehensweise an neue Themen; jedoch dadurch fähig, sich rasch einen Überblick zu verschaffen und ein Themengebiet oder Beziehungsgeflecht auszuleuchten

12. Vielfältigkeit der Interessen, die sich auch in der Biografie niederschlägt und zu regelmäßigen "Neuanfängen" tendieren lässt; gleichzeitig starke Sehnsucht nach Normalität, Konstanz und Regelmäßigkeit

13. Fluchttendenz, z.B., wenn er/sie sich ungeliebt und hilflos erlebt


B. Alltagsbeobachtungen beim BTN

16. Zeitweise sehr freigiebig oder ausgabenfreudig, dann wieder fast extrem sparsam/geizig; spart aber eher nicht auf eine größere Ausgabe hin - Geld wird rasch wieder ausgegeben, wenn es in größerer Menge zur Verfügung steht

21. Hasst Langeweile und Eintönigkeit


C. Beobachtungen im geschäftlichen/beruflichen Umfeld für das BTN

28. Leicht zu begeistern, an Details nur selten interessiert

30. Freigiebig (z.B. mit Zeit, Geld, Wissen, Kontakten), z.T. bis an die Grenzen der eigenen Ressourcen

32. Zeit- und Geldprobleme, z.B. verursacht durch die Vielfältigkeit und den evtl. raschen Wechsel der Interessen

35. Realisiert Probleme nicht oder zu spät; leidet eher an der Gesamtsituation

36. Problemlösungsmuster (im Rückblick): Große/dramatische Probleme - einfache Lösung.

39. Freundlich, lieb im Erstkontakt; pflegt jedoch nur selten eine Bekanntschaft in vertiefter (zeitaufwändiger) Weise ausdauernd

41. Eher unvorsichtig - fällt durch Vertrauensseligkeit z.B. auf Geschäftemacher oder Werbung herein; danach von Kaufreue geplagt

43. Dramatisiert Situationen ohne Notwendigkeit (merkt es im Nachhinein meist selbst)


D. Beobachtungen aus psychologischer Sicht zum BTN

45. Wenn er/sie leidet, dann unter dem Gefühl der Sinnlosigkeit, der Hilflosigkeit oder wenn er/sie für dumm gehalten wird

46. Nimmt sich zu wenig Zeit, sich mit existenziellen Fragen zu beschäftigen, fühlt sich jedoch von Menschen oder Büchern angezogen, die sich damit ausführlich befassen

50. Muss das Zweifeln oder kritische Hinterfragen mühsam lernen; reizt es dann zuweilen übertrieben aus, wenn sich ein Gesprächspartner findet, der die Zweifel ernstnimmt

54. Sieht vor allem das Gute an anderen Menschen, solange es irgendwie geht (kann aber unvermutet in die Gegenreaktion wechseln und alles tiefschwarz sehen)


E. Lebensstil-Beobachtungen beim BTN

65. Kann gut mit Kindern umgehen, kindliche Seiten zeigen und neugierige Fragen
stellen

66. Behält lange eine kindliche Lebensfreude

68. Schauspielerisch begabt; passt sich rasch der Situation und den darin geforderten Eigenschaften an

72. Häufig von unnötiger Eile geprägt, gehetzt und unruhig wirkend, von einer Geschichte zur anderen springend (starke Assoziationsbildung - "da fällt mir eine Geschichte dazu ein")

73. Sieht verstärkt Zusammenhänge und vergleicht Dinge, die für andere nichts miteinander zu tun haben; setzt sich so unter Umständen deren Spott aus

76. Informiert sich ungenau und verlässt sich stattdessen auf spontane Eindrücke oder den Rat von Bekannten; in der Folge häufig verwirrt, besonders, wenn starke Reize,
dramatische Ereignisse, Verliebtheiten oder sexuelle Anziehungskraft eine Rolle spielt

77. Flirtet gerne und viel, lässt sich jedoch nur selten auf erwachsene Sexualität ein; genießt es, umschwärmt zu werden, zeigt kindlich-unverbindliche Zuneigungsbekundungen

79. Leicht ablenkbar, besonders durch Beziehungsreize und Neues, Aufregendes


F. Erst auf den zweiten Blick (in den Spiegel) zu beobachten beim BTN

87. Wägt die Alternativen nicht genau ab, bevor eine Wahl getroffen wird, dadurch häufige Fehlentscheidungen selbst bei weitreichenden Weichenstellungen (besonders in dramatischen Krisensituationen)

90. Kommt mit Kritik nach erstem Kränkungsgefühl gut zurecht, nutzt sie - vor allem, wenn sie von jemand kommt, von dem er/sie sich geliebt fühlt und wenn die Kritik von jemand kommt, dem höhere Kompetenz zugeschrieben wird

91. Selten unzufrieden, nimmt Hilfe oder Geschenke nur schwer an; selbst jedoch jederzeit bereit, die angebotene Retterrolle anzunehmen

93. Anfällig für oberflächliche Antworten auf tiefgehende Lebensfragen (z.B. für unseriöse Esoterik)

95. ‘Ja-Haltung’ der Normalfall, auch in der sprachlichen Äußerung; versucht, auch offenkundig unangenehmen Situationen noch eine positive Seite abzugewinnen

97. Ärgert sich darüber, wenn er/sie ausgelacht wird

An der Formulierung und Überprüfung dieser Items (Januar-April 2004) haben dankenswerterweise mitgewirkt: Ritva Abao, Michael Antrack, Martin Blankenhorn, Bärbel Diemer, Silke Dinter, Dr. Dietmar Friedmann, Dijana und Peter Gerber, Holger Hägele, Olaf Hartke, Andreas Horsch, Susanne Huber, Silvia Johannes, Ute Kunzmann, Sonja Maahs, Kerstin Mantey, Eckart Morat, Karin Rudolph, Gerd Rückert, Martina Schmidt, Tanja Schmitt, Dr. Wolfgang Schwarz, Marion Thaiss, Petra Vogel, Gaby Vogelsang, Claudia Padma Wagner-O'Mara, Ines Weber, Simeon Winkler, Gerhard Wisst, Jutta Woller.



b) Typenbild und Beschreibungen zum BTN

Typenbild BTN

Was für Menschen mit „rotem“ (Handlungstyp-)Naturell eine schwierige Angelegenheit ist, fällt den „Gelben“ eher leicht: private, persönliche, emotionale Beziehungen knüpfen. Dafür haben sie es mit dem bevorzugten Lebensbereich der „Blauen“ (Sachtyp-Naturell), der ‘Zeitorientierung’ schwer. Zum Bereich ‘Zeit’ gehören auch Themen wie Existenz, Dasein oder Geld. In diesen Dingen sind Beziehungstypen weniger daheim, sie müssen sich darin erst anhand von Lebenserfahrungen einrichten. Wenn man Beziehungstypen fragt, wie es ihnen geht, sagen sie oft “ich habe keine Probleme”; wenn sie leiden, dann an Zusammen-hängen bzw. an der Gesamtsituation, nicht an einem speziellen Problem/Thema.

Für Menschen mit Beziehungstyp-Naturell (BTN) ist es völlig normal, sich für alles Mögliche zu interessieren. Pro Jahr ein bis zwei neue Interessengebiete sind nichts Ungewöhnliches für sie. Dabei genügt ihnen meist eine oberflächliche Information; für die genauen Einzelheiten sind sie nur zu begeistern, wenn sie zum Thema irgendwie in besondere Beziehung kommen. Erst dann wird aus der eher kindlichen Neugier ein ernsthaftes Interesse, für das sie auch bereit sind, ihre Zeit und ihr Geld zu opfern. Oft hängt das Interesse dieser Menschen damit zusammen, dass eine zwischenmenschliche Komponente im Spiel ist.

Überhaupt lieben sie es bunt und vielfältig. Sie sprühen manchmal nur so vor Ideen, sie sind innovativ und fantasievoll, nur fehlt ihnen meist die Geduld, begonnene Projekte zu pflegen, um dann deren Früchte zu ernten. Gut für „Gelbe“ ist es, wenn in ihrem Team genug „Blaue“ dabei sind, die sich um Details, Konstanz und Finanzen kümmern. Vermutlich werden es aber „Rote“ sein, die für den Erfolg verantwortlich zeichnen, denn in deren Händen werden Projekte offensiv in die Tat umgesetzt.

Menschen mit einem Beziehungstyp-Naturell zeigen (besonders in Beziehungsdingen) schauspielerische Begabung. Sie können in den jeweiligen Rollen völlig aufgehen. Dabei sparen sie nicht an Dramatik; der Satz: “bei Beziehungstypen jeweils die Hälfte abziehen, dann kommt man der Wahrheit nahe” bestätigt sich immer wieder. Mit diesen Fähigkeiten sind die „Gelben“ aber genau die Richtigen, wenn es darum geht, andere für Ideen und Projekte zu begeistern oder schöne Dinge zu verkaufen. Sie lassen sich von Kritik, solange sie sich geliebt fühlen, nicht sofort bremsen. Im Gegenteil: sie nutzen Kritik umgehend und freuen sich darüber, dass man sich für sie Zeit nimmt.

Für Menschen mit Beziehungstyp-Naturell ist es wichtig, dass sie als attraktiv oder anziehend gelten. Unter Ignoranz oder Desinteresse leiden sie aber nicht so sehr wie andere; für sie ist es nur der Ansporn, noch mehr Intensität in ihre Bemühungen zu legen. Gerne setzen sie ihr weit gefächertes Beziehungsnetz ein, um eine Sache voranzubringen. So können die „Gelben“ etwa eine größere Veranstaltung innerhalb kurzer Zeit durch einige Telefonanrufe auf die Beine stellen.

Kennzeichnend für diese Gruppe ist, dass sie leiden, wenn sie sich ungeliebt oder hilflos erleben. Genauso schlimm ist es für sie, wenn man sie von fachlich kompetenter Seite als dumm darstellt. Die Wohnungen (Büros, Zimmer) der „Gelben“ lassen etwas von ihren vielfältigen Interessengebieten ahnen. Häufig findet sich darin (wie auch in ihrer Vorstellungswelt) eine Sammlung von allerlei ‘Schönem, Wahrem und Gutem’. Menschen mit gelbem Naturell mögen es auch in ihrer persönlichen Umgebung farbig, sie setzen die Gegenstände liebevoll in Beziehung zueinander, verbinden scheinbar nicht zusammengehörige Accessoires nur durch die Art der Dekoration. Dabei haben sie stets die Wirkung im Blick, manchmal geht dieses ‘Perfekt-Haben-Wollen’ über die Grenzen des (für andere) Erträglichen oder ihres Geldbeutels hinaus.

Typisch für sie - vor allem in jungen Jahren - ist ihre Gutgläubigkeit. Sie müssen das Zweifeln und das kritische Denken erst mühsam lernen. Dies kann zum Beispiel dazu führen, dass Menschen mit BTN drei sich widersprechende Ansichten für wahr halten. Meist wird dies als Fähigkeit zu positivem Denken oder Offenheit in Erscheinung treten und wenig Schaden anrichten. In existenzieller Hinsicht kann dieser Mangel an Sachlichkeit und Realitätssinn aber dazu führen, dass sich Beziehungstypen ungenau informieren und dadurch in Schulden oder Abhängigkeiten geraten. Die Folgen sind allzu oft geplatzte Träume oder Hilflosigkeit. Vergeblich halten sie dann nach einem ‘Retter aus allen Nöten’ Ausschau.   

Dabei übernehmen Menschen mit BTN liebend gerne selbst die Retterrolle für Dritte, auch auf Kosten des eigenen knappen Zeit- oder Geldkontos. Zu spät erkennen sie, dass sie das Opfer z.B. eines Aufmerksamkeit fordernden Menschen wurden (und dieser gar nicht ‘gerettet’ werden wollte). Dann bleibt nur noch die Flucht oder der Rückzug, was den darin geübten „Gelben“ meist gut gelingt. Doch daraus kann emotionale Auszehrung oder übersteigertes Misstrauen resultieren. Es dauert aber lange, bis „Gelbe“ in einer leidvollen Situation tatsächlich ein Problem sehen. Aus gewohnheitsmäßiger Zufriedenheit können sie nur schwer Hilfe annehmen.
 
Auf Angehörige anderer Naturellgruppen wirken Menschen mit Beziehungstyp-Naturell häufig unernst, verspielt oder kindlich. Gerne benutzen sie Adjektive, um ihre Erzählungen anzureichern. Auch an ihrer künstlerischen, experimentierfreudigen oder ausgeschmückten Handschrift lässt sich diese Gruppe manchmal erkennen. Generell kann man die Handschrift aber nur als einen Hinweis auf den Naturelltyp verwenden - besonders dann, wenn man von vielen Menschen sowohl Handschrift als auch den dazugehörigen Naturelltyp kennt.

Beschreibung eines Menschen mit BTN:
Bruno ist 32 Jahre alt und seit drei Jahren verheiratet. Davor hatte er viele oberflächliche Beziehungen, die aber nach kurzer Zeit wieder zerbrachen. Vor vier Jahren lernte er Heike kennen und bemerkte einen Unterschied zu seinen früheren Freundinnen. Sie sprach gezielt über Familiengründung und träumte davon, gemeinsam ein Haus zu bauen.
Bei ihr fand er auch Frieden in Beziehungsdingen - weil ihr Harmonie das Wichtigste war, schlug keine Auseinandersetzung Wurzeln. Sie schätzte an ihm seine Offenheit und seine Beziehungserfahrung. Zwar hatte sie schon mit manchem Mann eine Nacht verbracht, aber mit Bruno konnte sie sich wirklich so geben, wie sie war – zum ersten Mal empfand sie die Nähe eines Mannes als Bereicherung.
Früher sprang Bruno auch von Job zu Job. Sobald er etwas Neues angeboten bekam, schien ihm die bisherige Stelle reizlos und er wechselte, auch unter Verzicht auf Verdienstmöglichkeiten. Er nahm sogar weite Anfahrten oder Auslandsaufenthalte in Kauf, der Zeitfaktor schien ihm nicht der Rede wert. Was zählte waren der Reiz des Neuen und das Abenteuer. Unter dem Einfluss von Heike wählte er zum ersten Mal in seinem Berufsleben eine Stelle gezielt aus. Er belegte eine Fachfortbildung und nahm sich Zeit, sein Wissen zu vertiefen.
Manchen seiner Freunde schien dies ein Rückschritt - “du wirst langsam alt” meinten sie, weil er nicht mehr für jede spontane Aktion zu begeistern war. Ihm selbst aber gefiel es, sich in ruhigeren Wassern zu bewegen, auch wenn er nur langsame Fortschritte in der Karriere machte. Er nahm sich vor, mindestens zehn Jahre in der Firma zu bleiben und wurde nach sechs Jahren mit einem Abteilungsleiter-Posten belohnt. Der Umgang mit seinen Mitarbeitern fiel ihm leicht, er war bekannt dafür, einer der menschlichsten ‘da oben’ zu sein. Eine Bitte, sich im Betriebsrat zu engagieren, lehnte er ab.
Er wollte seine Zeit lieber der Familie widmen, dachte sogar an eine Reduzierung der Arbeitszeit, da sie inzwischen zwei Kinder bekommen hatten und Heike baldmöglichst zurück in den Job wollte.

Beschreibung eines Kindes mit BTN:
Bernd hat bei seiner Einschulung im Gegensatz zu vielen anderen Erstklässlern keinerlei Probleme. Er spricht sofort fremde Kinder an und knüpft neue Kontakte. Auch in seiner Klasse fühlt er sich wohl, findet schnell Freunde und spielt jeden Nachmittag mit jemand anderem. Es ist ihm offenbar nicht so wichtig, die Freundschaft mit einem Einzelnen zu vertiefen, lieber mag er viele verschiedene Freunde um sich haben. So lässt er auch hin und wieder einen Spielkameraden einfach stehen und geht stattdessen mit jemand anderem, der ihn ablenkt, in die Pause. Dass sich darüber jemand ärgert, kann er nicht verstehen.
Bei einer Lerntheke oder in der Freiarbeit hastet er von einem Angebot zum anderen und kann bei fast keiner Aufgabe verweilen, denn schließlich will er am Schluss alles gesehen und gemacht haben. Wie es dann aussieht - oder ob es richtig ist - interessiert ihn erst einmal nicht. Bei der Nachbesprechung bekommt Bernd allerdings häufig große Augen und schaut seine Lehrerin Hilfe suchend an, wenn er erkennt, dass er vieles falsch oder nur oberflächlich gemacht hat und es nicht so schön aussieht wie die Arbeiten seiner Mitschüler. Jetzt wartet er darauf, ob seine Lehrerin es ihn noch einmal machen lässt oder die ‘Schlamperei ‘ akzeptiert. Das wäre ihm natürlich am liebsten, denn dann könnte er sich gleich wieder neuen und spannenderen Aufgaben widmen.
Bei Rollenspielen zeigt sich Bernd von seiner besten Seite. Er kann problemlos in verschiedene Figuren schlüpfen, auch wenn er deren Meinung nicht vertritt. Er bringt die Texte mit den entsprechenden Bewegungen so natürlich und anschaulich vor, dass seine Klassenkameraden immer wieder von neuem begeistert sind. Auch bei Aufsätzen fehlt es ihm selten an Kreativität und Ideenreichtum. Es fällt ihm leicht, seine Sätze mit Adjektiven fantasievoll auszugestalten – jedoch schreibt er durch seine Ausschmückungen nicht selten am Thema vorbei. Wenn er genügend Zeit hat, fängt er nach dem Schluss noch einmal von vorne an und denkt sich einen neuen Höhepunkt aus, da er nicht genügend Möglichkeiten hatte, alle Ideen loszuwerden.

(Text über „Bernd“ aus Winkler/Hofmann/Vogelsang in “Psychographie für Pädagogen”, 2003)

 
c) Die aus den Triaden abgeleiteten Bevorzugungen und —> Vernachlässigungen des BTN (Auswahl)

Adjektive --> Substantive
anders --> weniger
genug --> minimal
Start --> Weg
Situation/Ist-Zustand --> Thema/Problem
Kompetenz --> Konzentration
Reaktion --> Passivität
reaktiv --> inaktiv
reagieren --> ignorieren
fragen --> lernen/studieren
fliehen --> verteidigen/standhalten
schön --> individuell
Zuwendung --> Zeitaufwand
retten/helfen --> aufopfern
Saat --> Pflege
kreativ --> genau
sensibel --> sachlich
Geborgenheit -->  Freiheit
Innovation --> Vernunft
Trauer --> Mitleid
Vielfalt --> Chaos/Selbstorganisation
kindlich/geschwisterlich --> väterlich
Traum --> Wunsch
sympathisch/freundlich --> verstehend
friedlich --> unzufrieden
Frieden/ Ruhe/Langeweile --> Unzufriedenheit
hin --> her
mitgerissen --> unabsichtlich
Retter --> Opfer
situationsorientiert --> themenorientiert
Ideen --> Wissen
Liebe --> Weisheit
Kommunikation --> Ökonomie
Spiel, Spaß --> Ernsthaftigkeit
Angenommensein/Dazugehörigkeit --> Aufmerksamkeit
geliebt --> beachtet
Relativieren --> Abwägen
perfekt haben --> perfekt sein
Neugier/Ausprobieren --> Eigensinn/Rebellion
platonische Liebe --> Leidenschaft/Erotik
Seele/Herz --> Geist
spielerisch/leicht --> vorsichtig
Emotionen/Ergriffenheit --> Worte
Art und Weise --> Frequenz
strebt nach Verständnis --> will Erfolge
wie herein, so heraus --> sparsam
unrealistisch --> unklar
geben --> fordern
Idee/Versuch --> Theorie
Haltung/Einstellung --> Motiv/Motivation
Verkauf/Marketing --> Forschung/Entwicklung
angefeindet --> missverstanden


d) „Gebrauchsanweisungen“ zum BTN

Womit Sie bei “Gelben” öfters rechnen sollten:
- nicht gehaltene Versprechen
- rasche Begeisterung, rasche Abkühlung des Interesses
- eher oberflächlich und unkritisch
- übersehen ökonomische Aspekte (Zeitaufwand, Geldbedarf)
- Hang zum “Perfekt-Haben-Wollen”

Was “Gelbe” eher nicht mögen:
- sie unfreundlich anschauen
- wenn ihre Hilflosigkeit noch von außen verstärkt wird
- wenn man sie für dumm erklärt
- kein Interesse an ihren Interessen

Was “Gelben” meist gefällt:
- wenn man sie ernst nimmt, aber nicht langfristig festnagelt
- aufrichtig-offene Kommunikation
- Gefühl der Dazugehörigkeit
- Zeit nehmen, wenn sie Zeit haben

 
e) Metapher zum BTN

Schimpansen, Delfine, flüssiges Wasser.

Manche sehen im Verhalten eines Schmetterlings oder Kolibris („von Blüte zu Blüte schwirren“) eine passende Metapher, für andere ist es passend, diese Menschen mit einem Licht zu vergleichen, das einen dunklen Raum erhellen (und ebenso rasch wieder verdunkeln) kann; auch habe ich schon den Ausdruck gehört, ein BTN-Mensch würde „wie eine überraschende Brandungswelle auf einen zukommen“ - wobei solche stark wertenden Metapher selbstverständlich viel mit demjenigen zu tun haben, der sein Erleben mit dem BTN in Worte fassen will.



f) Sprichwörter mit Bezug zum BTN

Der beste Weg, eine gute Idee zu haben, ist eine Menge Ideen zu haben. (Linus Pauling)

Lieber eine Fünf als gar keine persönliche Note. (Graffiti*)

Die Weisheit jagt mich, aber ich bin schneller. (Graffiti*)

Odografi is drifial. (Graffiti*)

Was mach ich bloß, wenn am Ende des Geldes noch soviel Monat übrig ist? (Graffiti*)

Versuchs doch mit einer anderen Welt. (Graffiti*)

Heute ist der erste Tag vom Rest deines Lebens - feire ihn also! (Graffiti*)

Wir haben keine Ahnung, was wir wollen, aber das mit ganzer Kraft. (Graffiti*)

Gott sei Dank, dass ich ein Atheist bin. (Graffiti*)

Ich habe einen überdurchschnittlichen Q.I. (Graffiti*)

Ich liebe das Leben - aber das ist unerwidert. (Graffiti*)

So eine Atombombe kann einem den ganzen Tag verderben. (Graffiti*)

Fantasie ist wichtiger als Wissen, denn Wissen ist begrenzt. (Albert Einstein)

Man muss die Tatsachen kennen, bevor man sie verdrehen kann. (Mark Twain)

Der verlorenste aller Tage ist der, an dem man nicht gelacht hat. (unbekannt)

Wende Dein Gesicht der Sonne zu - dann fallen die Schatten hinter Dich. (aus Afrika)

Die wahren Lebenskünstler sind bereits glücklich, wenn sie nicht unglücklich sind. (unbekannt)

Es gibt nur einen Weg zum Glück und der bedeutet aufzuhören mit der Sorge um Dinge, die jenseits der Grenzen unseres Einflussvermögens liegen. (unbekannt)

Wo wir uns der Sonne freuen, sind wir jede Sorge los. (Johann W. v. Goethe)

Auch aus Steine, die in den Weg gelegt werden, kann man etwas schönes bauen. (Johann W. v. Goethe)

Auf Regen folgt Sonnenschein. (Sprichwort)

Das Glück ist ein wie, kein was. (Hermann Hesse)

Das ist ja nur ein Übergang, sagte der Fuchs als man ihm das Fell über die Ohren zog. (Sprichwort)

Der Mensch kann noch so dämlich sein, er muss sich nur zu helfen wissen. (Sprichwort)

Die Liebe sieht die Rosen ohne Dornen. (Sprichwort)

Ich bin verliebt, man hält mich nicht für voll. (Goethe, Faust)

Ich hätte nie nur Hausfrau sein können. Ich hatte zu viel Fantasie. (Norma Jean Baker alias Marylin Monroe)

Im Grunde sind es doch die Verbindungen mit Menschen, welche dem Leben seinen Wert geben. (Humboldt)

Im Traum und in der Liebe ist nichts unmöglich. (Sprichwort)

Lass dir keine Grenzen setzen in deiner Liebe, nicht Maß, nicht Art, nicht Dauer! (Schleiermacher)

Lerne warten, denn entweder ändern sich die Dinge oder dein Herz. (J.M. Sailer)

Nicht jede große Liebe braucht ein Happy-End. (Reinhardt Mey)

Vergnügen an Veränderung ist dem Menschen bleibend eigen. (Lichtenberg)

Verliebe dich oft, verlobe dich selten, heirate nie! (Sprichwort)

Wage zu träumen und zu irren! Hoher Sinn liegt oft in kindlichem Spiel. (Schiller)

Was ich weiß, lerne ich, indem ich beobachte und liebe. (George W. Carver)

Welch Glück, geliebt zu werden! Und lieben, Götter, welch ein Glück! (Goethe)

Wer weiß, wozu das gut ist. (Sprichwort)

Du selbst bist das Kind, das du kennenlernen, großziehen und vor allem: aufklären musst. (Janusz Korczak)

Alles kann nicht auf einmal geschehen. (Lessing)

Zum Raube lächeln heit: den Dieb bestehlen. (Shakespeare).

Ich glaube an das Gute im Menschen. (Anne Frank)

Wage zu träumen und zu irren! Hoher Sinn liegt oft in kindlichem Spiel. (Schiller)

Was ich weiß, lerne ich, indem ich beobachte und liebe. (George W. Carver)

Welch Glück, geliebt zu werden! Und lieben, Götter, welch ein Glück! (Goethe)


g) Typische Berufe für Menschen mit BTN

Animateur, Barkeeper, Blumenhändler oder -züchter, Clown, Diakon, Designer, Drogistin, Empfangsdame, Erzieherin (Kindergarten), Fotomodell, Gesprächstherapeutin, Kinder- und Jugendpsychologin, Personalberater, Pharmareferentin, Reiseleiterin, Schauspielerin, Sozialpädagoge, Verkäuferin, Werbeberater
 

h) Tipps für den Umgang mit BTN-Kindern

- pflegen Sie die Beziehung zu Ihrem Kind, nehmen Sie sich Zeit, mit ihm zu spielen oder mit ihm interessanten Fragen nachzugehen
- kommen Sie seiner Wechselhaftigkeit dadurch entgegen, dass Sie nicht alles sofort ernst nehmen, was es will oder eine teure Ausrüstung für ein momentan reizvolles Hobby kaufen; gehen Sie mit ihm zur Bibliothek, wo es Bücher ohne großen Aufwand leihen oder anschauen kann
- helfen Sie ihm, ein Bewusstsein für den Wert von Zeit und Geld zu entwickeln
- fördern Sie seinen Wissensdrang und seine Konzentrationsfähigkeit durch entsprechende Medien (Bücher, Lernprogramme)
- schaffen Sie ihm eine möglichst ungestörte und reizarme Umgebung für seine Schulaufgaben
- wenn es sich etwas Schönes für sein Zimmer (oder zum Anziehen) wünscht, schenken Sie es ihm gelegentlich; schöne Kleidung ist ihm sehr wichtig, um sich wohlzufühlen
- Kritik wird von Beziehungstypen in der Regel gut verwertet - wichtig ist nur, dass Sie  es dabei nicht für ‘dumm’, ‘zu klein’ oder ‘unwissend’ erklären, sondern eher seinen Forscherdrang anstacheln; lassen Sie ihm Zeit, es neu zu machen
- eröffnen Sie Ihrem Kind möglichst oft Alternativen und geben Sie ihm Gelegenheit, sich eine sofortige Antwort offenzuhalten
- zeigen Sie ihm, dass es auch “Vielleicht” sagen kann und sich nicht sofort entscheiden muss
- erzählen Sie ihm zu Übungszwecken absichtlich eine Geschichte mit Unwahrheiten, um seine Fähigkeit zu Zweifeln wachzuhalten
- dramatisiert Ihr Kind eine Situation besonders stark, können Sie dies auch eine zeitlang ignorieren; gehen Sie wieder darauf ein, wenn es sich beruhigt hat oder versuchen Sie, es abzulenken
- wenn es ausschmückend erzählt, neigt es zum Fantasieren; werten Sie dies nicht als ‘Lügen’ - bringen Sie es doch zum Lachen, indem Sie ‘mitspielen’ und die Fantasie noch übertreiben
- erwarten Sie keinen Perfektionismus, wenn es ums Aufräumen oder um Hausarbeiten geht
- zeigen Sie Interesse an allem, was das Kind konzentriert und längerfristig beschäftigt

(nach einem Text von Christa Roller, Susanne Freier und Werner Winkler  aus "Warum Kinder so verschieden sind", VAK-Verlag 2006)


i) Prominente mit BTN (Vermutungen)

Bryan Adams            
Alf                
Amélie (Audrey Tautou)
Kofi Anan                
Rowan Atkinson        
Wieland Backes
Brigitte Bardot            
Rainer Barzel            
Kurt Beck
Franz Beckenbauer            
Iris Berben
Kurt Biedenkopf            
Jeanette Biedermann    
Juliette Binoche
Alfred Biolek                
Tony Blair            
Norbert Blüm
Karlheinz Böhm            
Willy Brandt            
Sandra Bullock
Rudi Carell                
Howard Carpendale    
Mariah Carey
Jim Carrey                
Jimmy Carter        
Hugo Chávez
Sabine Christiansen            
Bill Clinton            
Lady Diana
Gaby Dohm                
Donald Duck            
Heinz Erhardt            
Frank Elstner            
Anke Engelke            
Björn Engholm        
Ernie
Verona Feldbusch            
Kurt Felix            
Jürgen Fliege
Erich Fried                
Michel Friedman        
Jostein Gaarder
Richard Gere                        
Uschi Glas
Johann W. Goethe            
Michail Gorbatschow    
Karel Gott
Thomas Gottschalk            
Dieter Hallervorden        
Tom Hanks
Oliver Hardy                
Heinrich Heine        
Hermann Hesse
Whitney Houston            
Janet Jackson            
Michael Jackson

mehr in der Prominentenliste auf www.psychographie.de/prominente.htm


k) Typische BTN-Wörter und -Begriffe

A
Ablenkbar, abschweifend, abwechslungsreich, affirmativ, albern, alles klar, amüsant, anerkennend, anders, angenehm, anmutig, anregend, ansteckend, anziehend, anschmiegsam, arglos, attraktiv, aufbauend, auffallend, aufgeregt, aufregend, ausdiskutieren, ausgeben, ausgelassen, ausschmückend, ausschlaggebend, ausstrahlungskräftig, Aussehen

B
Barmherzig, bedauernd, beeindruckt, begeisternd, begeisterungsfähig, begehrlich, begnadet, beliebt, Bejahend, berauscht, bereit, beseelt, besprechen, betört, bewundernd, bezaubernd, Beziehungen, beziehungsweise, bezüglich, biegsam, blauäugig, blumig, buhlerisch, bunt

C
Charismatisch, charmant, chic

D
Dafür, davonlaufen, dazukommend, dem Herz entfließen, mit dem Herzen sehen, direkt, dramatisch, dekorieren, Dilemma, durcheinander, durchscheinend

E
Empfindsam, En Vogue sein, eilend, einfach, einfältig, einfallsreich, einfühlsam, einladend, einmischen, einmütig, einverstanden, einträchtig, eitel, erfinderisch, emotional, entflammt, entgegenkommend, entzückt, erneuernd, erpicht, erregt, erstrebenswert, erzählen

F
Fasziniert, fantasievoll, farbenfroh, farbig, Feuer und Flamme, flatterhaft, feinfühlig, fliehen, findig, flink, flott, flüchtig, formgewandt, fragend, freundschaftlich, frei, freigiebig, freimütig, Freude, freundlich, freundschaftlich, frisch, froh, Frohsinn,

G
Galant, geben, gefühlsbetont, gefühlvoll, gefällig, gefühlsduselig, gemütvoll, geliebt, gemeinsam, gereizt, gerne, geschmückt, geschwisterlich, gespannt, gewinnend, glitzernd, glanzvoll, gleisnerisch, glücklich, goldig, graziös, gutgläubig, gut gelaunt

H
Haben wollen, hastig, Heidi, hell, helfen, herzlich, heiter, hilfsbereit, höflich, humorvoll, hurtig, husch-husch, hübsch, hüpfend

I
Idealistisch, ideenreich, infantil, in Beziehung setzend, in Mode sein, ?in? sein, innig, innovativ, interessiert

J
Ja-sagend, jubelnd, jugendlich, juhu

K
Kaufen, kennen lernen, kichern, kinderleicht, kindlich, knuddeln, komisch, kommunizierend, kontaktfreudig, kreativ, kritiklos, kurz, kurzlebig, künstlerisch, küssen

L
Lachen, lebendig, lebhaft, leicht, leichtgläubig, leichtsinnig, leuchtend, lieb, liebenswürdig, liebevoll, lieblich, luftig, lustig, Lust haben

M
Maskerade, Mimik, mitfühlend, mitmachen, mitmischen, mitschwingend, mitreißend, mitspielen, mitteilsam, modisch, munter, mühelos, mannigfaltig

N
Naiv, natürlich, nett, neu, neugierig, niedlich

O
Oberflächlich, offen, offenherzig, optimistisch, originell

P
Phantasievoll, poetisch, positiv, possierlich, probierend, problemlos

Q
Quatsch machen, quengelig, quirlig

R
Rasch, retten, reibungslos, reichhaltig, reformerisch, romantisch

S
Schauspielerisch, schillernd, schnell, schmückend, scheinend, schlendernd, schmusend, schnell, schwärmend, schöpferisch, sehen, schön, Sensation, sich einmischen, sonnig, sorglos, spannend, spaßig, spendieren, spielen, spontan, strahlend, streicheln, super, süß

T
Teilend, teilnehmend, tänzelnd, theatralisch, transparent, tratschend, träumerisch, treuherzig

U
Unbeschwert, ungeduldig, ungenau, ungestüm, unkonventionell, unkonzentriert, unkritisch, unreif, unterbrechend, unentwickelt, unterentwickelt, unterhaltsam, unüberlegt, unversperrt, unvorsichtig, überschäumend, überschwänglich, übertreibend, ulkig

V
Variationsreich, verändernd, verbindend, verführerisch, vergesslich, vergleichend, Vergnügen, verkleiden, verlieben, verschenken, verschieden, versuchen, verspielt, versprechend, verträumt, vertrauensselig, verwandelnd, verzaubernd, verzeihend, verzierend, vielfältig, vielseitig, Vorrang haben, vorschnell

W
Warum, weglaufen, weich, weinend, willig, wissbegierig, wissen wollen, witzig, wohlgestaltet, wonnetrunken, wunderbar, wunderschön, wundervoll

X/Y/Z
Zauberhaft, zärtlich, Zeitnot, zugänglich, zugetan, Zuneigung, zustimmend, zuversichtlich, zusagend, zuvorkommend

(Redaktion: Gerhard Wißt)


l) Textbeispiele zum BTN
 
"Wenn ich des Abends im Bett liege und mein Gebet mit den Worten endige: 'Ich danke Dir für all das Gute und Liebe und Schöne', dann jubelt es in mir. Dann denke ich an das 'Gute': unser Verschwinden, meine Gesundheit, an das 'Liebe': Peter und das, was noch zart und empfindsam ist, so daß wir beide es noch nicht zu berühren wagen, an das, was einmal kommen soll: die Liebe, die Zukunft, das Glück. Das 'Schöne', das die Welt umfaßt: Natur, Kunst, Schönheit und alles Große, was damit verbunden ist. Dann denke ich nicht an all das Elend, sondern an das Herrliche, was übrigbleibt. Hier liegt auch größtenteils der Unterschied zwischen Mutter und mir. Wenn man schwermütig ist, gibt sie den Rat: 'Denke an alles Elend in der Welt und sei dankbar, daß Du es nicht erlebst.' Ich sage: 'Gehe hinaus in die Felder, die Natur und die Sonne, gehe hinaus, suche das Glück in Dir selbst und in Gott. Denke an das Schöne, das sich in Dir und um Dich immer wieder vollzieht, und sei glücklich!' (...) Und wer selbst glücklich ist, wird auch andere glücklich machen."
(Anne Frank: Tagebuch)

"Auf Wanderung, im verschneiten Feld, da schmeckte eine gedörrte Pflaume oder eine alte Brotrinde köstlicher als hier im Wohlleben ein ganzes Zunftessen. O Wanderung, o Freiheit, o mondbeschienene Heide und vorsichtig beäugte Tierspur im graufeuchten Morgengras! Hier in der Stadt, bei den Seßhaften, ging alles so leicht und kostete so wenig, sogar die Liebe. Er hatte genug davon, plötzlich, er spie darauf. Dies Leben hier hatte seinen Sinn verloren, es war ein Knochen ohne Mark. Es war schön gewesen und hatte Sinn gehabt, solang der Meister ein Vorbild, Lisbeth eine Prinzessin gewesen war ..."
(Hermann Hesse: Narziß und Goldmund)


m) Tipps zur Persönlichkeitsentwicklung und Problemlösung des BTN

Entwicklungswege bauen die Ressourcen aus
Wenn Beziehungstypen "erwachsen" werden, zeigen sie immer weniger kindliche und damit beziehungstypische Spontanreaktionen: Emotionale Übertreibungen dramatische Situationsschilderungen oder überschwänglich-kurzfristige Begeisterungsausbrüche. Sie mindern auch ihren Hang zum "Habenwollen", zum "Perfekt-Haben-Wollen" oder dazu, mit allen ihren Mitmenschen gut auskommen und alles, was sie sagen, auch gleich glauben zu müssen. Sie können die Beziehungsebene öfters ignorieren, entziehen sich absichtlich dem Vergleichenmüssen oder der Suche nach möglichen Zusammenhängen zwischen allem und jedem.

An Stelle dieser überreichlich vorhandenen Fähigkeiten treten nun zunehmend sachliches Abwägen, Offenlassen und Suche nach Alternativen, Zögern und Zweifeln, vorsichtiges Vertiefen in interessante Themen oder das langsame Herantasten an Unbekanntes. Sie nehmen sich vor allem mehr Zeit und reduzieren dazu ihre "Baustellen", wertvolle Beziehungen werden eher erkannt und ihnen Zeit eingeräumt. Dem Gehetztsein, dem Gefühl, etwas verpassen zu können steht nun häufiger die Stille des Daseins, das Bewusstsein der eigenen geistigen Potentiale oder die konzentrierte Leidenschaft für ein ganz bestimmtes Thema entgegen.

Auch der Schwester der Zeit, dem Geld, der "eingefrorenen Arbeitszeit" widmet der sich seinen unterentwickelten Seiten bewusster werdende Beziehungstyp mehr Aufmerksamkeit; Löcher im Geldbeutel werden gestopft, eine ausreichende Rücklage schenkt ihm Ruhe und ermöglicht auch einmal ein Opfer aus Mitleid für wirklich Bedürftige. Nicht mehr jedem neu erwachten Interesse folgen sofortige größere Ausgaben, die erste Suche gilt häufiger einem preiswerten oder kostenlosen Weg.


Tatsächlich vorhandene Probleme werden nicht mehr ständig schöngeredet, sondern entweder geduldig ertragen, wenn nichts dagegen getan werden kann oder mit Hilfe des eigenen oder fremden Verstandes konzentriert angegangen. Um Unterstützung wird gebeten, auch wenn es nicht unbedingt sein muss, Schwachstellen eingestanden und Dinge gelernt, die bisher nicht verstanden worden und von existenzieller Bedeutung sind.

Statt einem vorschnellen "Ja" hört man im Laufe der Zeit immer häufiger ein "Ich überlege mir das in Ruhe" oder "Darf ich mich dazu nochmal später melden". Und für sich selbst entdeckt der Beziehungstyp nach und nach, wie vertiefend und sinnstiftend es sein kann, sich auch spirituellen und geistigen Dingen ausdauernd, ernsthaft zuzuwenden - ebenso wie es für ihn auch einen Unterschied machen kann, sich nicht nur als "lieb" oder "freundlich", sondern auch als "leidenschaftlich-erotisch" oder "sachlich-interessant" zu erleben und derartige Aufmerksamkeit zuzulassen.

Entwicklungsförderer und -hemmnisse für BTN:
fördernd:
Vorsicht tut gut.
Eins nach dem anderen.
Nimm dir Zeit.
Beziehung ist nicht alles.
Ich darf um Hilfe bitten.
Die Realität ist oft besser als leicht platzende Träume.
Reserve gibt Ruh'.
Im Alltäglichen, Normalen liegt ebenso viel Glück wie im Außergewöhnlichen,
Neuen.

hemmend:
Ich muss immer lieb, nett und freundlich sein.
Ich muss schnell reagieren.
Ich muss stark sein und das alleine schaffen.
Ich habe keine Probleme.
Alles ist in Ordnung.
Geld ist nicht so wichtig.
Lieber nachgeben und Frieden halten.
Zuviel zweifeln schadet nur.

Fallen für BTN:
1. Ich muss lieb, nett und freundlich sein.
2. Beziehung ist alles.
3. Ich muss schnell reagieren.
4. Wenn ich nicht gleich "Ja" sage, werde ich nicht mehr geliebt
5. Ich muss stark sein und das alleine schaffen.
6. Ich habe keine Probleme.
7. Alles ist in Ordnung.
8. Geld ist nicht so wichtig.
9. Lieber nachgeben und Frieden halten.
10. Zuviel zweifeln schadet nur.
11. Es wird schon gut gehen.
12. Langeweile ist tödlich.

Ausstiegshilfen und Notfallkoffer:
1. Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste.
2. Morgen ist auch noch ein Tag.
3. Eins nach dem anderen.
4. Zeit ist manchmal so wertvoll wie Geld.
5. Nimm dir Zeit und nicht die Entscheidungsmöglichkeiten.
6. Beziehung ist nicht alles.
7. Ich darf andere um Hilfe bitten, die freuen sich darüber.
8. Probleme sind eine Herausforderung, sie zu lösen.
9. Die Realität ist oft besser als leicht platzende Träume.
10. Reserve gibt Ruh'.
11. Im Alltäglichen, Normalen liegt ebensoviel Glück wie im Außergewöhnlichen, Neuen.
12. Ich kann mir den Sinn meines Lebens selbst formulieren.

Entspannungstiere für BTN:
1. Schildkröte
2. Walfisch
3. Orang-Utan
4. Braunbär
5. Eisbär
6. Adler
7. Elefant
8. Murmeltier
9. Eule
10. Pinguin
11. Giraffe
12. Rentier

Wiederholungsfehler:
- sich zu wenig Zeit nehmen           
- unkritisch/unvorsichtig sein    
- zu gutgläubig sein                
- dramatisch reagieren    
- Beziehungsspielchen anfangen        
- zu schnell “Ja” sagen

Lösungsmuster:
- eher passiv abwartend
- Zeit lassen, vorsichtig sein, Risiken meiden
- Informationen sammeln
- dazulernen, Fachwissen erwerben; durchhalten
- Unterstützung suchen
- Realitäten ernst nehmen

Lösungshaltung:
(nach Friedmann) “Große Probleme - einfache Lösungen.”

Zu „Gelben“ passende Haltung für Coaches, Seelsorger, Therapeuten und Berater:
“Ich bin immer dann für dich da, wenn du mich brauchst.” (freundlich begleitend)

Vermeiden: die professionellen Grenzen (Zeit, Honorar) zu Gunsten einer privaten Beziehung verlassen; auf beschönigende oder verharmlosende Ausweichmanöver zur Umgehung des zu lösenden Problems hereinfallen (zu positiv, zu unkritisch denken).

Grundleiden der drei Grundtypen, die in der Beratung ernst genommen werden sollten:
Nach Friedmann sind die Grundleiden des Beziehungstyps:     
- ungeliebt fühlen
- sich hilflos erleben
- für dumm/inkompetent gehalten werden

Man könnte hier ergänzen (vom vernachlässigten Bereich her gesehen)
- nicht ernst genommen werden
- keine Zeit oder keinen Raum zugestanden bekommen
- er versteht nicht/wird nicht verstanden
    
Typgerechtes Pacing (zum Abholen) gegenüber dem BTN in der Beratung:
- sich die Situation anhören, die er schildert
- nachfragen, neugierig sein
- evtl. auch dramatisch oder begeistert reagieren
- alles nicht so ernst nehmen, das Positive sehen
- wenn der Gesprächspartner bildhafte Elemente verwendet, darauf einsteigen und versuchen, auf die eher abstrakt-sachliche Ebene zu kommen (BTN starten gerne auf der bildhaften Ebene, weshalb ihnen auch gut Vergleiche, Bilder und Metapher angeboten werden können):




Die praktische Erfahrung und Beobachtung zeigt, dass es von Gesprächspartnern als angenehm erlebt wird, sie zunächst auf „ihrer Ebene“ abzuholen und erst wenn sich dort keine Lösungsansätze oder Ideen finden (sofern gewünscht), auf eine andere, bisher vernachlässigte Ebene zu wechseln. Häufig ist es so, dass der bevorzugten Gesprächsebene eine eher vernachlässigte gegenübersteht -und dass eben diese vernachlässigte Ebene dann entscheidende Unterschiede bewirkt.


Startpunkt und Ablauf im „Leitdreieck“ für BTN
Bei der Problemlösung hilfreich kann es zudem sein, einem Muster zu folgen, das als ‘Leitdreieck’ seit vielen Jahren erfolgreich eingesetzt wird: Hier lassen sich Interventionen aus verschiedenen Methoden einfügen und so das Gespräch gemäß der jeweiligen Bevorzugung führen, z.B. mit lösungsorientierten Interventionen im Sinne von Steve de Shazer wie der ‘Wunderfrage’: Stellen Sie sich vor, Sie wachen morgen früh auf und Ihr derzeit dringendstes Problem ist gelöst oder hat sich um 10% gebessert - woran würden Sie das bemerken?



Problemlösungsverhalten des BTN
Wenn Menschen mit gelbem Naturell ausnahmsweise einmal dazu stehen, dass sie ein Problem haben, ist es bis zur Lösung meist nicht mehr weit. Da sie oft nur die Gesamtsituation als leidvoll oder undurchschaubar erleben, aber nicht verstehen, was der Kern des Problems ist, bleibt ihr Leiden eher auf der emotionalen Ebene. Gelangt es jedoch auf die sachliche und lässt sich in klare Worte fassen, ist der Sprung zur praktischen Konsequenz meist nicht mehr so schwer. Dies lässt sich nicht nur in den für diese Menschen typischen Problemfeldern Zeit und Geld beobachten, sondern durchaus auch auf der Beziehungsebene oder in beruflichen Dingen. Durch den Hang zum Dramatisieren, dem Wunsch, es ‘perfekt’ haben zu wollen oder unrealistischen Traumvorstellungen (nach perfekter Verbundenheit aller Menschen oder Dinge) machen sie häufig aus Fliegen Elefanten. Schwierigkeiten bei Beziehungstyp-Naturellen haben ihre Ursache oft auch in ihrer Unbeständigkeit, mangelnder Vorsicht oder zu geringer Detailkenntnis. Ihre Vertrauensseligkeit birgt die Gefahr, dass sie sich ausnehmen lassen. Nicht ernst genommene Geldprobleme und die Tendenz, alles durch eine rosarote Brille zu sehen, sind weitere Fallen, in die sie mit oft fatalen Folgen geraten können.
Daher ist die Konzentration auf ein einzelnes, lösbares Problem bzw. auf das vordringliche Thema für „Gelbe“ bereits die halbe Miete. Dazu kann es hilfreich sein, sich die Situation einmal probehalber so vorzustellen, als sei sie bereits gelöst. Vielleicht kristallisieren sich auf diese Weise ein oder zwei vordringliche Problemfelder heraus, die dann in Angriff genommen werden können. Und wenn es dann noch gelingt, weniger Dramatik und mehr Sachlichkeit in die Angelegenheit zu bringen, ist das Problem oft schon fast gelöst – nicht zuletzt auf Grund der bekannt positiven Lebenseinstellung dieser Menschen.
 

Drei weitere Problemlösungsmuster für BTN: Da die Ursache einer problematischen Situation bei ihnen häufig in mangelnder Sachkenntnis zu finden ist, hilft es ihnen, sich kundiger zu machen, Zugang zu Fachinformationen zu suchen oder sich mit Spezialisten zu beraten. Eine weitere Lösung liegt oft darin, dass die Schwierigkeit anders benannt wird (zum Beispiel weniger dramatisch und eher sachlich). Was für Menschen mit anderen Bevorzugungen von außen wie ein großes Problem wirkt, ist für „Gelbe“ häufig im Grunde nichts anderes als eine spannende Herausforderung, die sie gelegentlich auch selbst provozieren, weil es ihnen langweilig geworden ist. Und zuletzt zeigt sich als häufig erfolgreiches Lösungsmuster, dass Schwierigkeiten, solange sie nicht existenziell bedrohlich sind und man wenig gegen sie unternehmen kann, einfach gelassen eine zeitlang ignoriert werden (besonders, wenn sie im zwischenmenschlichen Bereich ihre Ursachen haben). Hier hilft das Heraushalten dazu, die Dinge ruhiger und mit etwas Abstand anzugehen und sie nicht durch zu viel emotionale Verbundenheit und hektische Einmischung noch zu verschlimmern.

Ein Beispiel, wie Menschen mit BTN ihre Probleme lösen:
Ralf hatte es schon als Kind mit anderen Menschen besonders leicht gehabt: Sein Lächeln und sein Charme öffneten ihm Herzen und Türen. Hatte er in der Schule etwas nicht richtig verstanden, konnte er sicher sein, dass eine seiner vielen ‘Freundinnen’ ihn großzügig abschreiben ließ.
Nachdem er zwei Ausbildungen angefangen und wieder abgebrochen hatte, ließ er sich von einem Bekannten dazu überreden, in dessen Ferienclub auf Bali als Animateur zu arbeiten. Dort fühlte er sich sofort wohl, er bekam genug Geld für eine Tätigkeit, die ihn nicht anstrengte und bei der seine sonnige Art bestens ankam. Sein Talent war zu auffällig, um verborgen zu bleiben, so dass er bald von einem Nachbarhotel abgeworben wurde. Er bekam dort zwar nicht mehr Geld, aber er hatte jede Woche drei volle Tage frei.
Mit knapp 30 verliebte er sich (wie schon öfters) in eine Urlauberin. Bisher waren seine Gefühle stets bei der Abreise oder spätestens nach einigen Mails oder durch eine neue Bekanntschaft wieder abgelenkt worden - diesmal schien es ihn aber richtig erwischt zu haben. Er flog zum ersten Mal seit fast zehn Jahren wieder nach Europa, ohne seine Eltern zu besuchen - stattdessen wollte er der geheimnisvollen Fremden, von der er nur den Namen und die Anschrift in der Schweiz wusste, seinen Zustand persönlich erklären. Als sie ihn brüsk abwies und damit drohte, die Polizei einzuschalten, fiel er “wie in ein großes schwarzes Nichts” - so sagte er es später zu seiner Schwester. Er war nach dieser ernüchternden Begegnung in seiner Verzweiflung mitten auf einer Autobahnbrücke ausgestiegen und glücklicherweise von einem aufmerksamen Fernfahrer am Springen gehindert worden. Die Schwester kam persönlich in die Schweiz, um ihn abzuholen.
Während er ihr auf der Heimfahrt die ganze Geschichte erzählte, wurde ihm mit einem Mal sein wirkliches Problem bewusst: Sein Leben war langweilig geworden und voller geplatzter Träume. Er konnte diesmal nicht einfach wieder davonlaufen und so tun, als hätte er keine Probleme. Der Urlaubsbekanntschaft schrieb er einen Brief und bat um Verzeihung; die nächsten drei Jahre vermied er Liebeleien und konzentrierte sich ganz auf seine Arbeit und das Erlernen der Landessprache. Seine Kontakte zu Freunden in der alten Heimat pflegte er von da an dafür umso konstanter.

Zuordnung von Lösungswerkzeugen zum BTN
Aus den im Buch „99 Lösungswerkzeuge“ vorgestellten Interventionen bzw. Universalschlüsseln könnten folgende als für Beziehungstyp-Naturelle besonders erfolgversprechend angesehen werden (Details bitte dort unter den angegebenen Kapitel-Nummern nachlesen; eine PDF-Version des Buches ist kostenlos im Downloadbereich auf www.naturellwissenschaft.org erhältlich, ein E-Book bei Amazon-Kindle):
 
1. Abwarten
6. Dahinterbleiben
8. Entdramatisieren
10. Etwas Sinnvolles machen
14. Forschen
18. Geheimhalten
33. Konstruieren von lösbaren Beschwerden
39. Malen (Ausmalen, Weitermalen)
41. Metaposition einnehmen
46. “Nächstes Problem bitte!”
49. Nichts tun
55. Problem/Thema eingrenzen
56. Professionellere Hilfe suchen
63. ‘Sherpa’-Begleitung anfordern/annehmen
64. Skalen, Skalentagebücher
68. Sprichwörter als Lösungsmittel
70. Swish
77. Trainieren von Schwachstellen
81. Umbenennen
83. Um Rat fragen
85. Ursachen suchen (nützliche)
91. Worte als Therapeutika
92. Wunderfrage
94. Zeitfaktor beachten und nutzen
98. Zweifel wecken (Dekonstruktion)


Gesprächsprotokoll zur Illustration des „gelben“ Interaktionsverhaltens (aus dem Buch „99 Lösungsgespräche“)

7. Frau Carlas böser Traum

Gesprächskoordinaten:
Name: Frau Carla
Gesprächspartner: Frau Cherbourg, Krankenschwester
Gesprächsebene (zu Beginn): bildhaft
Gesprächseinstieg: Bestandsaufnahme
Naturell Frau Carla: „gelb“ (Beziehungstyp-Naturell, Relationiker), Untertyp: Macher
Verwendete Lösungswerkzeuge: Gegenüber (17*), nützliche Fragen (50), Problem/Thema eingrenzen (55), so tun als ob (66), tätig werden (72), Träume beachten (76)
* die Ziffern sind die Nummern der „Lösungswerkzeuge“ auf dem Buch „99 Lösungswerkzeuge“

Ausgangslage:
Frau Carla ist knapp 60 und hat sich nach vielen Jahren Alkoholsucht zu einer Entziehungskur durchgerungen. Mit ihren Ärzten und Therapeuten hat sie noch ein eher distanziertes Verhältnis, aber mit Frau Cherbourg, einer der Krankenschwestern, hat sie sich sofort angefreundet.

Frau Cherbourg: Guten Morgen, Frau Carla. Haben Sie gut geschlafen?
Frau Carla: Guten Morgen. Wenn ich ehrlich sein soll: Nicht so.
Frau Cherbourg: Ich komme gleich noch einmal zu Ihnen, wenn ich meine Runde und die Übergabe fertig habe.
Frau Carla: Oh, das wäre nett. Sie müssen aber wegen mir jetzt keine Überstunden machen.
Frau Cherbourg: Kein Problem, ich habe sowieso ein bisschen Minusstunden und zu Hause wartet niemand auf mich.
(Kommt nach einer halben Stunde wieder)
Frau Carla: Sie sind echt ein Schatz!
Frau Cherbourg: Was ist los?
Frau Carla: Ich habe heute Nacht sehr schlimm geträumt und fühle mich immer noch, als hätte jemand auf meinen Knochen herum getrampelt.
Frau Cherbourg: Schon wieder?
Frau Carla: Ja, den dritten Tag in Folge. Ich verstehe das auch nicht. Früher habe ich nur sehr selten geträumt und höchstens als Kind so heftig.
Frau Cherbourg (blättert durch die Krankenakte, die sie mitgebracht hat): Ich habe da einen Verdacht. Sie bekommen parallel zu den üblichen Medikamenten eine Vitamin-B-Kur mit Zink. Eines der B-Vitamine, ich glaube das B6, löst verstärkte Traumerinnerung aus.
Frau Carla: Stimmt, davon habe ich schon einmal gelesen.
Frau Cherbourg: Was haben Sie denn genau geträumt? An was erinnern Sie sich?
Frau Carla: Ich wollte über eine Straße und bin gestürzt. Bevor ich aufstehen konnte, sind immer größer werdende Fässer über mich hinweggerollt. Es war schrecklich.
Frau Cherbourg: Stimmt.
Frau Carla: Und dann kamen Wellen mit kaltem Wasser die Straße entlang und sie wurde zum Fluss. Es hat mich mitgerissen und erst an einem Brückenpfeiler konnte ich mich festhalten. Irgendwer hat mir dann ein Seil zugeworfen und mich herausgezogen. Ich friere jetzt noch, wenn ich daran denke.
Frau Cherbourg: Welche Bedeutung geben Sie dem allem?
Frau Carla: Es ist ja zu offensichtlich und es braucht keine Traumdeuterin, das zu verstehen, nicht wahr?
Frau Cherbourg: Wenn Sie das so sagen, stimmt. Ich vergesse manchmal, in welcher Art von Klinik ich arbeite, ob Sie es glauben oder nicht.
Frau Carla: Es ist mir immer noch peinlich, dass ich hier her gekommen bin und ich bin froh, Sie als Krankenschwester zu haben. Der Therapeutin oder dem Arzt könnte ich das nicht erzählen, glaube ich.
Frau Cherbourg: Die sind alles gewöhnt, glauben Sie mir.
Frau Carla: Meinen Sie, der Traum bedeutet etwas Gutes?
Frau Cherbourg: Träume haben keine Bedeutung, wir geben sie ihnen. Habe ich mal in einem schlauen Buch gelesen.
Frau Carla: Dann gebe ich ihm die Bedeutung, dass ich das Schlimmste hinter mir habe und die Klinik mein Rettungsseil war.
Frau Cherbourg: Das klingt fast schon poetisch.
Frau Carla: Darf ich Ihnen etwas anvertrauen?
Frau Cherbourg: Ja, bitte.
Frau Carla: Meine Tochter meint, ich wäre auf einer Reise durch die australische Wüste. Ein Bekannter macht diese Tour und bringt entsprechende Beweisfotos und Geschenke mit. Er will sogar Bilder von mir in die Landschaft einbauen. Es gibt da wohl ein Programm im Computer, das so etwas kann.
Frau Cherbourg: Das ist ja eine außergewöhnliche Idee. Wie sind Sie darauf gekommen?
Frau Carla: Naja, meine Tochter ahnte zwar etwas von meiner Sucht, aber seit mein Mann gestorben ist, habe ich ja alleine gelebt und es so gut verbergen können, wie es um mich steht. Und sie kam nur selten zu Besuch, da habe ich mich immer zusammengerissen und heile Welt gespielt.
Frau Cherbourg: Verstehe.
Frau Carla: Es gibt nur ein Problem mit der Australien-Geschichte.
Frau Cherbourg: Ja?
Frau Carla: Ich kann doch nicht weiß wie ein Korallenriff zurückkommen, verstehen Sie?
Frau Cherbourg: Natürlich. Das würde Fragen aufwerfen.
Frau Carla: Aber aus der Klinik raus darf ich ja auch nicht, sonst ginge ich ins Sonnenstudio in der Stadt. Außerdem habe ich Angst, rückfällig zu werden. So stark fühle ich mich noch nicht.
Frau Cherbourg: Na, wenn es so leicht ist: wir haben im Keller vor Jahren mal eine Sauna für die Patienten eingerichtet. Sie wurde zwar aus Kostengründen nicht lange in Betrieb gehalten – da stehen aber zwei Sonnenbänke drin, die sind wie neu. Man müsste sie nur abstauben und einstecken.
Frau Carla: Ich glaube es nicht. Sie retten mich schon wieder!
Frau Cherbourg: Hm, erst mal muss ich den Hausmeister überzeugen, mir den Schlüssel zu leihen. Ich werde ihm wohl am Besten erzählen, ich selbst bräuchte etwas Vitamin D jetzt im Winter.
Frau Carla: Aber wenn Sie dann bleich bleiben, was sagt er dann?
Frau Cherbourg: Wo denken Sie hin? Wenn ich Ihnen schon ein solches Seil zuwerfe, klettere ich doch selbst auch gleich mit ein Stückchen in Richtung Sonne …
Frau Carla: Wofür so ein Traum nicht alles gut sein kann!

 

Wenn Ihnen etwas Ergänzendes zum Thema einfällt, das Sie gerne auf diesen Seiten sähen, schreiben Sie bitte an wewinkler@t-online.de


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