Alles über das Sachtyp-Naturell im 123-Modell

(auch Sachtyp, Blaues Naturell, Temporiker, typus temporis)



Vorbemerkung: Was verstehen wir unter einem Menschen mit „Sachtyp-Naturell“?




Abb.: Grafische Darstellungen zum Sachtyp-Naturell (STN)

Ein Mensch mit Sachtyp-Naturell zeigt - erkennbar entweder verdachtsweise im Alltag oder fachlich abgesichert durch eine konsensuelle Naturellanalyse - dass bei ihm der „blaue“ Anteil am Naturell (den wir fachlich auch „Sachtyp-Anteil“ nennen) stärker und der „rote“ Anteil (den wir fachlich auch „Handlungstyp-Anteil“ nennen) schwächer ausgeprägt ist. Es ist also eine Gewichtung zu Gunsten des „blauen“ Naturellanteils erkennbar.

Ich habe mich hier häufig für den Begriff „Sachtyp-Naturell“ oder die Kurzform „STN“ als bevorzugten Fachbegriff entschieden, verwende jedoch synonym immer wieder auch
    „Sachtyp“,
    „Temporiker“ oder
    „blaues Naturell“ bzw.
    „Blaue“, oder ab und zu die Metapherbilder
    „Orang-Utans“ und „Blauwale“,
wenn ich von dieser Kategorie spreche. Die Vielzahl der Begriffe ist auch dadurch bedingt, dass seit 1990 verschiedene Verwendung fanden und je nach Leser- oder Zuhörergruppe unterschiedlich gut angenommen wurden. Ich persönlich finde es manchmal einfacher, im geschäftlichen Kontext schlicht von „den Blauen“ zu sprechen, weil solche Farbnamen dort häufig bekannt und akzeptiert sind. Wenn ich mehr Zeit habe, z.B. in Coachinggesprächen, und das Phänomen „Naturell“ erklären kann, bietet sich hingegen „blaues Naturell“ an; in Gesprächen mit Paaren und Familien finde ich wiederum die Metapherbilder hilfreich und spreche dann vom „Orang-Utan-Naturell“; habe ich mit evolutionskritischen Menschen zu tun oder mit solchen, die einen Vergleich mit Tieren als unangemessen finde, weiche ich auf die Meeresbewohner-Metapher aus und spreche vom „Blauwal-Naturell“, was auch gut verstanden wird, wenn die Zusammenhänge einmal geklärt wurden. Im Gespräch mit Kolleginnen und Kollegen jedoch, die bei Friedmann oder aus seinen Büchern das Thema kennen gelernt haben, lässt sich der von ihm geprägte Ausdruck „Sachtyp“ verwenden, auch wenn es da hinsichtlich der genauen Beschreibung dieses „Typs“ immer wieder Unterschiede zum 123-Modell gibt.


Bevorzugter Lebensbereich des STN nach der Landkarte: Zeitorientierung
Vernachlässigter Lebensbereich des STN nach der Landkarte: Aktivität




Auf dieser Webseite habe ich versucht, alle Informationen über das Sachtyp-Naturell (STN) zusammenzutragen. Einige davon können sich in späteren Kapiteln wiederholen. Zum besseren Überblick hier die Inhalte:

a) Die STN-Items des „Langtests“
b) Typenbild STN
c) Die aus den Triaden abgeleiteten Bevorzugungen und Vernachlässigungen des STN
d) „Gebrauchsanweisungen“ zum STN
e) Metapher zum STN
f) Sprichwörter mit Bezug zum STN
g) Typische Berufe für das STN
h) Tipps für den Umgang mit STN-Kindern
i) Prominente mit STN (Vermutungen)
k) Typische STN-Wörter und -Begriffe
l) Textbeispiele zum STN
m) Tipps zur Persönlichkeitsentwicklung und Problemlösung des STN


a) Die STN-Items des „Langtests“
 

(die Nummern sind die der Items, wie sie im „Langtest“, den bislang am intensivsten beratenen und überprüften textlichen Beschreibungen der drei Naturellgruppen verwendet werden):

A. Sehr typische Merkmale für das STN

2. Im Theoretischen bzw. Geistigen stärker als im Praktischen (denkt evtl. praktisch, d.h. ökonomisch bzw. wie sich der Aufwand bei gleicher Erfolgsaussicht reduzieren lässt)

7. Detailkenntnisse in den eigenen Fachgebieten auffallend; kann stundenlang darüber referieren; möchte stets noch mehr dazulernen

8. Vermeidet es, deutlich “Nein” zu sagen bzw. etwas abzubrechen, das schon längere Zeit besteht, zu kündigen, sich zu trennen, Telefongespräche zu beenden etc.

10. Kritik, Missachtung oder Ignoranz gegenüber der eigenen Person und Arbeit sehr belastend; angeforderte, sachlich vorgetragene Kritik ist okay

14. Nimmt sich/braucht mehr Zeit als die anderen; kultiviert die Ruhe, die Pausen, das Nichtstun


B. Alltagsbeobachtungen zum STN

17. ‘Small talk’ (z.B. auf Partys) fällt schwer; bevorzugt eher Fachgespräche oder sparsame Sätze; kann in Diskussionen ‘missionarisch’ wirken, wenn Fachkenntnisse zu einem Thema vorhanden

19. Stapelt regelmäßig Akten, Papiere, Briefe etc. auf dem Schreibtisch (in zeitlicher Abfolge); sieht sich dem Vorwurf, unordentlich zu sein, ausgesetzt; evtl. zu faul, aufzuräumen - hat andere Prioritäten, z.B. eine Pause einzulegen

20. Sammelleidenschaft, vermeidet es, Dinge wegzuwerfen, die noch einen Wert haben könnten

24. Wechselt ohne Ankündigung das Thema, wenn ein Gespräch unangenehm wird


C. Beobachtungen im geschäftlichen/beruflichen Umfeld beim STN

27. Wägt genau ab, wofür Geld ausgegeben wird, braucht ein gutes Argument dafür oder muss überzeugt sein, dass sich die Investition lohnt

29. Fehlervermeidung bzw. -erkennung an oberster Stelle (unnötige Nacharbeit und Kritik vermeiden)

34. Risikovermeidung, vorsichtig, zaghaft; jedoch manchmal Freude am Risiko, wenn es kalkulierbar ist (guter Taktiker)

37. Starke Motivation durch Existenzbedrohung oder Verlustangst

42. Kann sich jahrelang um etwas bemühen, bis der Erfolg eintritt; guten Riecher für Gelegenheiten, bequem Geld zu verdienen


D. Beobachtungen aus psychologischer Sicht zum STN

47. Ändert lange nichts, trotz Jammern, vor allem im Berufsleben (wenn die Existenz durch eine Änderung gefährdet wäre)

49. Erlebt vieles, das selbst mit in die Wege geleitet/beeinflusst wurde als Glück/Zufall oder Pech/Schicksal

55. Bevorzugt die Verteidigungshaltung, greift selten aktiv an (wenn doch, dann zielgenau als letztes Mittel der Verteidigung)

57. Leidet an Unentschlossenheit, an unter Zeitdruck getroffenen Entscheidungen oder wenn die Verantwortung für Entscheidungen abgegeben wurde

59. Mitleid mit Schwachen und Leidenden sehr ausgeprägt; durch eigene Leidenserfahrung entsteht eine Verbindung mit dem Leidenden

62. Inaktive, abwartende Rolle bevorzugt; Ärger wird eher "hinuntergeschluckt"


E. Lebensstil-Beobachtungen zum STN

63. Hält an den wenigen Freundschaften langandauernd fest und pflegt diese auch, wenn Wertschätzung da ist

67. Umgang mit Seinsfragen, Philosophie oder Religion gewissenhaft und ernst

69. Ökonomischer Umgang mit Zeit- und Geldressourcen (sparsam bis geizig)

70. Geduldiger Zuhörer, besonders wenn das Gegenüber Schwierigkeiten hat (auch wenn die innere Beteiligung unter Umständen nicht maximal ist)

71. Besonders geduldig, rücksichtsvoll und ausdauernd, auch in sexueller Hinsicht; ungeduldig, wenn Zeit mit sinnlosem Warten vergeudet wird (z.B. an einer Kasse)

75. Mag es, massiert, angefasst fest gedrückt etc. zu werden
80. Verständnis für sachliche Themen - scheut sich nicht, nachzufragen und sich in die Schülerrolle zu begeben; meidet die Lehrerrolle eher (ist jedoch ein sehr guter Lehrer, wenn Versuch gewagt wird)


F. Erst auf den zweiten Blick (in den Spiegel) beim STN zu beobachten

82. Guten Argumenten aufgeschlossen, zugänglich oder sogar ausgeliefert; hat Respekt vor guten Argumenten; versucht, über Argumente zu beeinflussen; sammelt Argumente, um zu überzeugen

83. Kann längere Zeit zwei- oder mehrspurig vorgehen, sich Alternativen offenhalten (z.B. bei der Berufs- oder Stellenwahl); entscheidet am liebsten erst nach gründlicher Prüfung, besonders, wenn es um viel Geld oder existenzielle Themen (z.B. eine Heirat, einen Umzug) geht

86. Selbstverständliche zeitliche Strukturierung der Wahrnehmung bzw. in Erzählungen; räumliche Wahrnehmung (auch für Körperformen) stark ausgeprägt

89. Überlässt anderen Entscheidungen, ist dankbar, wenn sei abgenommen wird

94. Durch Konkurrenz und fairen Wettbewerb anzutreiben; fühlt sich schnell bedroht

99. Bleibt beim Thema, solange Interesse gezeigt wird; kann auch springen und später wieder zum Thema zurückkehren

An der Formulierung und Überprüfung dieser Items (Januar-April 2004) haben dankenswerterweise mitgewirkt: Ritva Abao, Michael Antrack, Martin Blankenhorn, Bärbel Diemer, Silke Dinter, Dr. Dietmar Friedmann, Dijana und Peter Gerber, Holger Hägele, Olaf Hartke, Andreas Horsch, Susanne Huber, Silvia Johannes, Ute Kunzmann, Sonja Maahs, Kerstin Mantey, Eckart Morat, Karin Rudolph, Gerd Rückert, Martina Schmidt, Tanja Schmitt, Dr. Wolfgang Schwarz, Marion Thaiss, Petra Vogel, Gaby Vogelsang, Claudia Padma Wagner-O'Mara, Ines Weber, Simeon Winkler, Gerhard Wisst, Jutta Woller.


b) Typenbild STN

Menschen mit blauem Naturell bevorzugen den Lebensbereich “Zeitorientierung” in der „Landkarte“. Dafür vernachlässigen oder unterschätzen sie den Bereich “Aktivität”. Anstatt mit “Zeit” ließe sich dieser Bereich auch mit “zeitliche Existenz”, „Zeitraum“ oder “Erkenntnis des zeitlich begrenzten Daseins” bezeichnen.

„Blaue“ erleben sich also eher als geistig lebendig, als ‘Seinswesen’ - und weniger als körperlich aktive, tätige Menschen. Für sie ist die Zeit etwas besonders Reales, dagegen sind sie sich häufig nicht bewusst, was sie durch ihr Tun (oder Nicht-Tun) bewirken. Dies kann dazu führen, dass sie sich als ‘Opfer’ erleben und keine Möglichkeit sehen, auch ‘Täter’ zu sein. Wenn sie infolgedessen die Verantwortung für die aktiven Gestaltungsmöglichkeiten des Lebens abgeben, entgeht ihnen auch das Erleben des Erfolgs.

Da Menschen mit blauem Naturell sozusagen mit der Zeit ‘verheiratet’ sind, sind sie wesentlich genauer, konzentrierter und mehr ‘bei der Sache’ als die ablenkbaren „Gelben“. Nicht zufällig finden sich in Berufen, bei denen Geduld und Ausdauer verlangt wird (wie bei der Erstellung von Computerprogrammen) überdurchschnittlich viele von ihnen. Das Gleiche dürfte für die Mathematik, die Statistik oder für analytische Tätigkeiten gelten. “Auf die Schnelle kann ich dazu nichts sagen” oder “Da muss ich erst einmal genau nachforschen” sind für dieses Naturell typische Antworten. Bevor sie Mühe (oder Geld) aufwenden und sich motivieren lassen, wägen sie die Erfolgsaussichten genau ab.

Die meisten Menschen mit blauem Naturell zeigen in ihrem Verhalten eine Tendenz zur Unentschiedenheit. Was oft eine Stärke ist, nämlich ihre Fähigkeit, den Dingen auf den Grund zu gehen und alle Aspekte eines Themas genau zu kennen, wird ihnen (und manchmal ihren Mitmenschen) ebenso häufig zur Last.

Sie bleiben dadurch lange in der ‘Vielleicht’-Haltung oder sie sagen zwar “Ja”, tun gleichzeitig aber alles, um noch nicht die Konsequenzen ziehen zu müssen. Der Grund für solches Verhalten ist die Schwierigkeit, deutlich “Nein” sagen zu können. „Blaue“ sind eben besonders vorsichtig und behutsam - was sie auch zu angenehmen Zeitgenossen macht. Wenn sie sich für ein Thema interessieren und sie sich außerdem einen praktischen (oder finanziellen) Nutzen davon versprechen, lernen sie leicht und gründlich. Sie können sich hervorragend auf den Stoff konzentrieren und selbst Details speichern. Dafür tun sie sich bei praktischen Aufgaben schwerer. Dieses Manko machen sie jedoch oft durch Ausdauer wett.

Typisch für Menschen mit blauem Naturell ist auch, dass sie mit Kritik nicht so gut umgehen können wie andere. Man sollte sie deshalb nur dann kritisieren oder korrigieren, wenn sie dies wünschen. Und selbst dann ist es besser, möglichst objektiv und sachlich zu bleiben und die Anstrengung und Mühe anzuerkennen, die sie sich gemacht haben; denn Anerkennung und Beachtung sind für „Blaue“ so etwas wie ihr Lebenselixier. Erleben sie sich von ihrer Umgebung ignoriert oder missachtet, können sie mutlos und passiv werden. Besonders ihre Erfolge sollten Anerkennung finden; Menschen mit blauem Naturell mögen es meist auch, wenn man sie körperlich wahrnimmt – z.B. einen festen Händedruck, eine Berührung am Arm/an der Schulter oder eine kurze, deutliche Umarmung je nach Anlass (und Kultur); entsprechend leiden sie unter dem Entzug körperlicher Wahrnehmung.

Durch sportliche Aktivitäten erleben sich diese Menschen als lebendig - dann spüren sie ihren Körper, was für sie eine Steigerung ihrer Lebensqualität bewirkt. Im äußersten Fall können sie sich körperliche Zuwendung sogar durch Krankheiten ‘erkaufen’. Dies tun sie in der Regel nicht bewusst, es ist manchmal aber eine Möglichkeit, die als lebensnotwendig empfundene Aufmerksamkeit zu bekommen. Auch können sie ihre körperlichen Grundbedürfnisse über lange Zeit ignorieren. Da ihre Leidensfähigkeit sehr ausgeprägt ist, macht ihnen das weniger aus, als überhaupt nicht wahrgenommen zu werden.

Mitleid hilft den „Blauen“ in der Regel nicht. Es nützt ihnen auch nicht, viel über ihre Probleme zu reden. Dagegen kann das Zutrauen in ihre eigene Lösungskompetenz oder die Frage nach ihren Zielen wahre Wunder bewirken. Nach Friedmann ist es entscheidend, dass man ‘dahinter bleibt’, d. h., sie ihre Fortschritte und Lösungen selbst in die Wege leiten lässt. Auch die Aufforderung, sich an frühere Erfolge und Kompetenzen zu erinnern, motiviert sie für die aktuellen Aufgaben.

Weitere typisch „blaue“ Möglichkeiten, Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, sind rebellisches Verhalten, Verweigerung, Unordentlichkeit, Geheimniskrämerei oder ein sehr individuelles Äußeres. Wenn Menschen mit blauem Naturell jedoch erkennen, dass man sie auch ohne diese Auffälligkeiten bemerkt und ihre Fähigkeiten anerkennt, werden sie vermutlich bald darauf verzichten. Man tut - etwa, wenn man es beruflich oder in der Familie mit ihnen zu tun hat - gut daran, deren Stärken und Können zu beachten und eher destruktive Aufmerksamkeitsbemühungen nach Möglichkeit zu ignorieren.

„Blaue“ erleben sich oft als verletzliche, zarte Wesen. Sie finden schwer einen festen Halt im Leben oder bei anderen Menschen. Daher ist verständlich, dass sie sich an jeden Strohhalm klammern. Sie halten lange an einer Beziehung oder am Arbeitsplatz fest, auch wenn sie darunter leiden; bevor sie sich verabschieden, machen sie sich schon vorsorglich auf die Suche nach geeignetem Ersatz. Hier kommt ihnen ihre Fähigkeit zur Zweigleisigkeit zu Hilfe. Was auf den ersten Blick nach Treue aussieht, könnte also durchaus auf einen Mangel an Alternativen zurückzuführen sein. Findet sich eine solche, kann der Wechsel relativ plötzlich stattfinden.


c) Die aus den Triaden abgeleiteten Bevorzugungen und —> Vernachlässigungen des STN

Zeitorientierung —> Aktivität
Vielleicht —> Nein
Sein/Dasein —> Können
weniger —> mehr
minimal —> maximal
Weg —> Ziel
lernen/studieren —> anwenden/lehren
Geist/Verstand —> Körper/Materie
verteidigen —> angreifen/kämpfen
sachlich —> praktisch
Selbstorganisation —> gewollte Ordnung
pflegen —> ernten
ignorieren —> agieren
kritisch —> ablehnend
Problemdefinition —> Zielformulierung
anfordern —> nehmen
Frequenz —> Intensität
vorsichtig —> zielstrebig
Sinnhaftigkeit —> praktischer Nutzen


d) „Gebrauchsanweisungen“ zum STN

Womit Sie bei “Blauen” öfters rechnen sollten:
- höherer Zeitbedarf als erwartet
- wenig Entscheidungsfreudigkeit
- extreme Vorsicht, Zögerlichkeit
- sehr ökonomisches Verhalten
- Bedürfnis nach Aufmerksamkeit
- fehlende Zielorientierung
- Hang zum “Perfekt-Sein-Wollen”

Was “Blaue” eher nicht mögen:
- ungefragt öffentlich kritisiert werden
- übersehen und ignoriert werden
- Entzug von Aufmerksamkeit; Missachtung
- Überrumpelung, Überredung
- große Risiken, viel Verantwortung
- zu Entscheidungen drängeln

Was “Blauen” meist gefällt:
- gutes Essen, Ausdauersportarten
- Wandern, Sauna, massiert werden
- Achtung vor Titeln und Erfolgen
- Geld verdienen mit Fachwissen
- kein Zeit- u. Entscheidungsdruck
- ein Thema nach dem anderen angehen
- ihr „Nein“ ernst nehmen; ein „Nein“ erlauben

 
e) Metapher zum STN

Blauwal
Orang-Utan
Wasserdampf

Manche sehen im Verhalten einer Schnecke oder gar eines Faultiers eine passende Metapher für das Sachtyp-Naturell und seine Fähigkeit, ökonomisch mit der vorhandenen Energie umzugehen. Jedoch ist bei der Verwendung solcher Bilder insofern Vorsicht angebracht, dass nicht der Eindruck entsteht, ein Mensch an sich sei von Natur aus „faul“ oder „bequem“. Die Realität zeigt ja sehr deutlich, dass auch Menschen mit STN sehr fleißig und aktiv sein können (wenn die Motivation stark genug ist). Das positive Gegenstück zum eher ruhigen und zurückhaltenden Wesen des STN kann seiner angeborenen Klugheit, Genauigkeit und Ausdauer gesehen werden - weshalb manche mit diesem Naturell auch gerne eine „weise Eule“ oder einen „zerstreuten Professor“ assoziieren.


f) Sprichwörter mit Bezug zum STN

Warte nicht auf Wind, nimm selbst das Ruder in die Hand. (Charles A. Lindbergh)

Effizienz ist nur die Faulheit der Intelligenten. (Graffiti*)

Es gibt viel zu tun - pack es nicht an! (Graffiti*)

Lieber fünf Minuten feige als ein Leben lang tot. (Graffiti*)

Was lange gärt, wird endlich Wut. (Graffiti*)

Was ist Apathie? - Weiß ich nicht und interessiert mich nicht. (Graffiti*)

Spart Energie - liebt euch langsamer! (Graffiti*)

Für die Apathischen wird nicht genug getan. (Graffiti*)

Marx ist tot, Lenin ist tot, und mir geht es auch nicht gut. (Graffiti*)

Nur Idioten halten Ordnung, ein Genie beherrscht das Chaos. (Graffiti*)

Lieber heimlich schlau als unheimlich doof. (Graffiti*)

Spare jeden Pfennig - koste es, was es wolle. (Graffiti*)

Wer sich nicht bewegt, spürt seine Ketten nicht. (Graffiti*)

Wer heute den Kopf in den Sand steckt, knirscht morgen mit den Zähnen. (Graffiti*)

Es gibt viel zu tun - schauen wir's an. (Graffiti*)

Ich wollt ich wär ein Teppich. Dann könnte ich jeden Morgen liegenbleiben. (Graffiti*)

Was ist das bloß für ein Land, in dem morgens um sieben die Sonne schon aufsteht? (Graffiti*)

Müde und satt - wie schön ist datt. (Graffiti*)

Tu, was man dir sagt - und dann rebelliere! (Graffiti*)

Nicht nein sagen zu können, kostet oft viel Zeit, Geld und Mühe. (Peter Ebeling)

Fragwürdig wie alles, was wir treiben, ist auch die Selbstkritik. Ihre Wonne besteht darin, das ich mich scheinbar über meine Mängel erhebe, indem ich sie ausspreche und ihnen dadurch das Entsetzliche nehme, das zur Veränderung zwingen würde. (Max Frisch)

Leben ist das, was passiert, während Du eifrig dabei bist, andere Pläne zu machen. (John Lennon)

Reichtum ist weder gut noch schlecht, so wie das Leben weder gut noch schlecht ist. Alles hängt davon ab, was man damit anfängt. (Buddha)

Ein Jedigliches hat seine Zeit und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde.
(Bibel, Salomon)

Die Aufmerksamkeit anderer Menschen ist die unwiderstehlichste aller Drogen.
(Georg Franck)

Noch betörender als materieller Reichtum ist der Reichtum an Aufmerksamkeit.
(Georg Franck)

Alles hat seine Zeit. (Bibel, Prediger Salomo)

Den Fortschritt verdanken die Menschen den Unzufriedenen. (Aldous Huxley)

Den größten Luxus, den ich mir leiste, ist es, keinen Luxus zu haben, sondern Zeit. (Alain Perrier, Chef der Uhrenfirma Cartier)

Die Dinge reifen mit der Zeit. (Rosario Castellanos)

Die Lösung des Rätsels des Lebens in Raum und Zeit liegt außerhalb von Raum und Zeit. (Wittgenstein)

Die Zeit ist ein kostbares Geschenk. (Thomas Mann)

Ein Buch. Ein Freund. Ein Acker. Das genügt. (T.Y. Ming)

Ein Spezialist ist jemand, der von immer weniger immer mehr weiß. (Unbekannt)

Fürchte dich nicht, langsamer zu werden. Fürchte dich nur, stehenzubleiben. (chin.)

Getane Arbeiten sind angenehm (lat. Spruch)

Je mehr man schon weiß, je mehr hat man noch zu lernen. (Schleiermacher)

Kommt Zeit, kommt Rat. (Sprichwort)

Mein Acker ist die Zeit. (Goethe)

Nimm dir Zeit. (Sprichwort)

Nothing is ours but time. (Sprichwort)

Öffne dir ein Hinterpförtchen durch 'vielleicht', das nette Wörtchen. (Wilhelm Busch)

Reserve hat Ruh'. (Sprichwort)

Schritt für Schritt kommt auch ans Ziel. (Sprichwort)

Sein oder Nichtsein, das ist hier die Frage. (Shakespeare, Hamlet)

Take your time, don't hurry. (Lennon & Mc Cartney, Nowhere Man)

Unsere Zeit wird uns teils geraubt, teils abgeluchst, und was übrigbleibt, verliert sich unbemerkt. (Seneca)

Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste. (Sprichwort)

Weniger. Einfacher. Langsamer. (Motto einer Umweltkonferenz in den 1990er-Jahren)

Wenn man zwei Stunden lang mit einem netten Mädchen zusammensitzt, meint man, es wäre eine Minute. Sitzt man jedoch eine Minute auf einem heißen Ofen, meint man, es wären zwei Stunden. Das ist Relativität." (Albert Einstein)

Von einem guten Kompliment kann ich zwei Monate leben. (Mark Twain)

 
g) Typische Berufe für das STN

Antiquitätenhändler, Apothekerin, Archäologe, Bauzeichner, Bestatter, Buchhändler, Buchhalter, Dentalhygienikerin, Druckvorbereiterin, Einkäuferin, Fahrlehrer, Fluglotse, Glaser, Kartograf, Korrektor, Notar, Optiker, Psychoanalytiker, Sportlehrer, Tanzlehrerin, Uhrmacher, Versicherungsfachmann


h) Tipps für den Umgang mit STN-Kindern

Geben Sie ihm genügend Zeit, z.B. für seine Aufgaben, und drängeln Sie es nicht unnötig.
Vermeiden Sie nach Möglichkeit, das Kind einfach so zu kritisieren.
Fragen Sie zunächst, ob es etwas (z.B. zu einer Schularbeit) hören möchte; geben Sie dann Ihren Kommentar gelassen, sachlich-objektiv, evtl. mit einigen Alternativvorschlägen dazu ab; anerkennen Sie die Mühe.
Berühren Sie dabei Ihr Kind (z.B. an der Schulter); wenn es von sich aus Körperkontakt sucht, lassen Sie es zu und weisen Sie es nicht zurück.
Respektieren Sie die Geheimnisse und die Privatsphäre Ihres Kindes.
Üben Sie frühzeitig mit ihm, wie man Verantwortung ohne übertriebene Angst vor Fehlern übernimmt bzw. ausübt (es lernt aus Fehlern).
Kontrollieren Sie Ihr Kind nur in Ausnahmefällen - zeigen Sie ihm stattdessen, wie es sich selbst kontrollieren kann, um seine Erfolge und seine Entwicklung zu ermöglichen.
Wenn es Unentschiedenheit zeigt, helfen Sie ihm, erst "Nein" zu den Alternativen zu sagen, die es nicht möchte - und erst danach, sich für ein "Ja" zu entscheiden; legen Sie mit ihm einen Zeitpunkt fest, bis wann es sich entscheidet.
Lassen Sie Ihrem Kind Raum für körperliche Aktivitäten und geben Sie ihm Gelegenheit, diese auf seine eigene Art (und in der eigenen Geschwindigkeit) zu erledigen.
Ignorieren Sie Ihr Kind nicht, wenn es still ist.
Missachten Sie es nicht, egal, wie es sich äußert.
Schenken Sie ihm ausreichend Aufmerksamkeit, besonders, wenn es durch seine eigenen Aktivitäten (kleine) Erfolge/Fortschritte er-zielt hat.
Weisen Sie es beständig auf seinen eigenen Einfluss (auf sein Glück, aber auch auf sein Pech) hin; es lernt dann frühzeitig, dass es nicht immer nur Opfer, sondern genauso oft Täter (Verursacher) ist.
Bringen Sie ihm bei, wie man Geld (nützlich) ausgibt; Kinder mit blauem Naturell neigen dazu, ihr Geld zu horten - auch an unterschiedlichen Orten.
Wenn Sie Ihr Kind zu etwas bewegen möchten, geben Sie ihm gute Argumente dafür an die Hand, statt es zu zwingen (Druck erzeugt gerade beim „Blauen“ inneren Gegendruck, der zu Passivität führt).

(nach einem Text von Christa Roller, Susanne Freier und Werner Winkler - aus "Warum Kinder so verschieden sind", VAK-Verlag 2006)
 

i) Prominente mit STN (Vermutungen)

Woody Allen
Jamie Lee Curtis
Ottfried Fischer
Jodie Foster
Hugh Grant
Nastassia Kinski
Ingolf Lück
Nathalie Portman
George Bush sen.
Roman Herzog
Johannes Paul II
Helmut Kohl
Angela Merkel
Wolfgang Schäuble
Wolfgang Thierse
Jürgen Trittin
Boris Becker
Steffi Graf
Ludwig van Beethoven
Joe Cocker
Bob Dylan
John Lennon
Luciano Pavarotti
Charlie Brown
Hägar der Schreckliche
Mark Aurel
Eugen Drewermann
Albert Einstein
Sigmund Freud
Robert Gernhardt
Günter Grass
Rüdiger Hoffmann
Carl Gustav Jung
Immanuel Kant
Lao-Tse
Marcel Reich-Ranicki
Seneca
Paul Watzlawick
Prince Charles
Galileo Galilei
Bill Gates
Stephen Hawking
Günther Jauch
Robert Lembke
Harald Schmidt
Sokrates
Vincent van Gogh

mehr in der Prominentenliste auf www.psychographie.de/prominente.htm


k) Textbeispiele zum STN

"Nicht verantwortlich zu sein, fürs Glück ebenso wenig wie fürs Unglück, vielleicht ist es das, was vielen das Kindsein nachträglichso schön vorkommen lässt und eine Verlockung bleibt ein Leben lang. Ein Kind kann leiden, es kann sich schuldig fühlen, aber es kann noch nicht scheitern." (S. 48)
(Barbara Dobrick: Aber sprich nur ein Wort, Orlanda, 2006)

"Jede Hast, jedes Drängen, jede Voreiligkeit kann der Liebe nur schaden, denn gerade die scheuesten und sensibelsten unter den Liebenden, die am meisten Sehnsüchtigsten, die am meisten Schamhaftigen, die Leidenschaftlichsten unter ihnen bedürfen der langsamen Bewegungen der Nähe, die ihnen die Angst (...) nimmt und sie allmählich an die Gegenwart des anderen, des täglich vertrauter werdenden, gewöhnt."
(Eugen Drewermann: Das Eigentliche ist unsichtbar, S. 48)

"Noch vor einem halben Jahr hatte ich Eltern gehabt. Doch jetzt bestand meine ganze Existenz nur noch aus dem, was gerade vor meinen Augen vorbeizog. Ich stahl mir ein paar Minuten und setzte mich an den Bach. Mein voriges Leben erschien mir von hier aus so weit entfernt, als sei es nie gewesen. Nur nachts, wenn ich schlief, war ich bei Mutter und Vater, im Hof unseres Hauses oder auf der Straße. Das morgendliche Erwachen war ein Schlag ins Gesicht."
(Aahron Appelfeld: Geschichte eines Lebens)

"Wir haben keine knappe Zeitspanne, wohl aber viel davon vergeudet. Unser Leben ist lang genug und zur Vollendung der größten Taten reichlich bemessen, wenn es im ganzen gut verwendet würde: aber sobald es in Genußsucht und Nachlässigkeit zerrinnt, sobald es für nichts Gutes aufgewendet wird, merken wir erst unter dem Druck der letzten Notwendigkeit, daß es vergangen ist, während wir gar nicht erkannten, daß es dahinging."
(Seneca: Von der Kürze des Lebens)



l) Typische STN-Wörter und Begriffe

A
Absicherung, Abstinenz, Abschnitte, Abwarten, abwägen, ah, aha, allein, also, Alternative, andererseits, Andeutung, Anlage, Anhäufung, Anmut, Annahme, Ansammlung, Anstrengung, Anteilnahme, Antriebslosigkeit, Anstrengung, Antworten, Atlas, Aufbewahrung, auf den Grund gehen, Aufgaben, Aufmerksamkeit, Aufrichtigkeit, Aufwand, Aufwendung, Ausdauer, Ausführlichkeit, ausgeliefert sein, Ausforschung, aushalten, ausruhen, Ausschnitte, aussitzen, ausweichen, Ängstlichkeit
B
Background, Basis, Beachtung, Bedacht, Bedächtigkeit, Bedenken, Befürchtung, bedrückt sein, begreifen, Behauptung, Behutsamkeit, behüten, beklagen, Belastung, Bemühung, Bequemlichkeit, Bescheidenheit, Besonnenheit, Besorgnis, Beständigkeit, Bestimmtheit, bewahren, Bewusstsein, Bildung, Bürde
C
Chaos, Computer
D
Dankbarkeit, Dasein, Dauer, dauerhaft, Dauerhaftigkeit, dazwischen, Deckung, denkbar, Denken, Detail, Detektive, Dilemma, Diskretion, Drangsal, Duldsamkeit, Durcheinander
E
Ehrlichkeit, eigensinnig, einerseits, Einrede, Einsamkeit, Einsparung, Einsparpotential, Einsicht, Einteilung, Einzelheit, Einzigartigkeit, Engelsgeduld, Erkenntlichkeit, Erkenntnisgewinn, Ernsthaftigkeit, Erklärung, Entspannung, erdulden, Erfindungen, ergründen, Erhalten, Erholung, Erinnerung, Erkennen, Erkenntnis, Erkundung, Erkundigung, Erleben, Ernsthaftigkeit, Erscheinung, Erwerbsstreben, Ertragen, erwachsen, Erwartung, Essen, Eule, eventuell, Exaktheit, Existenz
F
Faulenzen, Fehlerfreiheit, festhalten, Festigkeit, finden, flüstern, Formen, Forschung, Futterneid
G
Gedächtnis, Geduld, Gefühl der Verpflichtung, Gegebenheit, Gegenwart, Geheimnis, Geheimniskrämerei, geheimnisvoll, Gelassenheit, Geld, Geld verleihen, Gemächlichkeit, genau, Genauigkeit, Genuss, Genügsamkeit, Geschäftsgeist, Gewinn, Gewinnsucht, Gewohnheit, Globus, Glaubhaftigkeit, Glück, Grundlage, Grundsatz, grübeln, Gunst des Augenblicks, Gutmütigkeit, Güte, guter Haushalter
H
Hängend, hätte, Hemmung, Heimlichkeit, hin und her, hinauszögern, hinterfragen, Hintergrund, hmm, Hypothese
I
Inaktivität, Individuum, Information, indirekt, inne halten, innig, in sich gekehrt, Intensität, Interesse, Interessenkampf, Intermezzo, Investition, ist
J
Jahre, Jammern
K
Klagen, klammern, Klarheit, Kritik, kritisch, Konflikt, Konkurrenz, Konkurrenzdenken, konstant, Konsolidierung, Kontroverse, Konzentration, Korrektheit, Kosmos, Kosten, könnte, Kraftlosigkeit, Kreation
L
Lamentieren, Langsamkeit, Langmut, Last, lasch, Leerlauf, Leiden, leidensfähig, Leidenschaft, leise, Lernen, Lexikon, locker, Logik, lohnen, Lösung
M
Manier, Melancholie, Minimalismus, Mikroskop, Milde, Mitleid, Missmut, Monotonie, möglich, Möglichkeiten, möglicherweise, monetäre Vorteile, mutlos, Mühe, müsste
N
Nachdenken, nachforschen, Nachfrage, Nachgiebigkeit, Nachsicht, Nähe, Namensgedächtnis, nuscheln
O
Objektivität, oh, Ökonomie, Ökonomisches Prinzip, Opfer, Orientierungslosigkeit
P
Passivität, Pause, Pech
Q
Quasi
R
Rätsel, Realität, Rebellion, Rechtzeitigkeit, Regelmäßigkeit, relativ, Religion, Richtigkeit, Risikovermeidung, Rivalität, Ruhe, Ruhezeit
S
Sache, Sachlichkeit, sachte, Sammeln, Sammlung, Sanftmut, Scheue, schlaff, schleichen, Schleichweg, schlicht, Schlichtheit, Schicksal, schmunzeln, Schneckentempo, Schonung, Schöpfung, Schutz, schüchtern, Schwanken, Schweigen, Schwierigkeit, Sein, sein lassen, Sicherheit, Sicherheitsdenken, sollte, Sorge, Sparsamkeit, Sprache, Stabilität, Stapeln, Stagnation, Startschwierigkeit, Stille, Stillstand, Stirnrunzeln, stocken, Stockung, stöhnen, Strategie, stutzen, Suche
T
Talent, Tatenlos, Tatenlosigkeit, Tatsache, Teilstücke, Teilnahme, Terminverschiebung, Termintreue, Theorie, Tiefe, Tiefgründigkeit, Toleranz, Traurigkeit, Treue, Trödelei, tüfteln, Tumult, Turnus,
U
Überlegung, übervorsichtig, Uhr, Umweg, Unauffälligkeit, Unbehagen, undeutlich, Undurchsichtigkeit, Ungleichgewicht, Unglück, Unlust, Unkompliziertheit, Unordnung, unscheinbar, Unschlüssigkeit, Unschuld, Unsicherheit, unter Umständen, Untätigkeit, Unterbrechung, Unzufriedenheit, Umstände, umständlich, Ursache, Untersuchung
V
Verarbeiten, Verbundenheit, Vergütung, Verlass, Vermischung, Vermutung, Vernunft, verschmitzt, Verschieben, Verschiebung, verschleiert, Verschwiegenheit, Verständnis, verstecken, Verteidigung, Vertiefung, Vertrauen, Verzögerung, Vielleicht, Volumen, Vorsicht, Vorsprung durch Wissen
W
Wahl, Wahrheit, Wahrheitsliebe, wahrscheinlich, Wahrscheinlichkeit, Wankelmut, Warten, Welt, Weltall, Weltkarte, Weg, Weile, Weisheit, Welt, Wettbewerb, Wettstreit, Wiederkehr, Wichtigkeit, widerstandslos, Wirklichkeit, Wissen, Wissensdurst, Wissbegierde, Wirtschaftlichkeit, Worte, wortkarg, Wurzel, würde
X/Y/Z
Zaghaft, zäh, Zeit, Zeitalter, Zeiteinheiten, Zeitlupe, Zeitraum, (Zeit-)verschwendung, zerstreut, Zinsen, Zögern, Zufall, Zurückgezogenheit, Zuverlässigkeit, Zweifel, Zweigleisigkeit, zwischen, Zurückhaltung, Zyklus
Redaktion: Gerhard Wißt


m) Tipps zur Persönlichkeitsentwicklung und Problemlösung des STN

Für den auf die Zeitorientierung spezialisierten Menschen bedeutet Entwicklung in erster Linie, dass er seinen aktiven Seiten und Möglichkeiten mehr Aufmerksamkeit zuwendet. Dazu gehört zum Beispiel, dass er deutlicher ‘Nein’ sagt, wenn er etwas nicht will und so aus der Haltung ‘mir geschieht etwas’ in eine angreifende, gestaltende, Ziele verfolgende wechselt. Oder auch, dass er sich gestattet, Fehler zu machen, möglicherweise unnötig Geld und Zeit zu investieren und sein Sicherheitsbedürfnis etwas zu reduzieren. Ein Fortschritt für ihn ist es auch, wenn er anfängt, sich praktisch-geschäftlich zu engagieren und nicht nur theoretisch-sachlich an Dinge heran zu gehen. Dabei wird er automatisch auf Kooperationen bauen und sich der Kritik seiner Mitstreiter aussetzen müssen. Im Ergebnis ist er dann am denkbaren Erfolg (oder Misserfolg) als Mitverantwortlicher beteiligt und nicht als Glückspilz oder Pechvogel.

Um von ihrem Hang zum Geistigen etwas Abstand zu bekommen, tut es Menschen mit Sachtyp-Naturell gut, ihren Körper mit seinen Bedürfnissen und Handlungsmöglichkeiten stärker ins Visier zu nehmen: Angemessene Ernährung, ausreichend Schlaf, sportliche Aktivitäten und körperliche Zuwendung werden von diesen Menschen nämlich oft unterschätzt. Auch hierbei muss sich der „Blaue“ den Aufwand etwas kosten lassen; er muss aktiv werden, Erfahrungen sammeln und durch Fehler herausfinden, was ihm in welchen Dosierungen gut tut und was nicht. Generell gilt für ihn: Es darf ruhig etwas mehr sein, da er dazu neigt, mit möglichst wenig zufrieden zu sein.

Die Überbetonung des individuellen ‘Seins’ unter Zurückstellen des ‘Könnens’ oder ‘Zeigens’ reduziert sich ebenfalls dadurch, dass er sich traut, sein Wissen zu vermitteln (STN sind in der Regel gute Lehrer, Ausbilder oder Dozenten) und es praktisch anzuwenden. Und das, obwohl es ihm eigentlich näher liegt, noch weiter und tiefer in sein Fachgebiet einzudringen und darin noch perfekter zu werden bzw. noch eine Weiterbildung oder eine weitere Zertifikat in seiner Lieblingsdisziplin anzustreben. Denn während der Anwendung oder Vermittlung wird dem Sachtyp-Naturell erst klar, wie groß sein Wissensvorsprung zu anderen bereits ist oder viel Aufmerksamkeit und Anerkennung man bekommt, wenn man deutlicher nach außen zeigt, was man kann.


Entwicklungswege bauen die Ressourcen aus

Entwicklung bedeutet aus Sicht des 123-Modells die zunehmende Möglichkeit, seine naturellspezifischen Ressourcen bei Bedarf willentlich zu nutzen. Friedmann spracht statt von “Ressourcen” oder “Vernachlässigungen” von “Schlüsselfähigkeiten” und vom “Entwicklungsbereich”. Umgangssprachlich könnte man auch sagen “den inneren Schweinehund bezwingen”, “über den eigenen Schatten springen” oder mit einem alten Ausdruck “die eigenen Tugenden zum Einsatz bringen”. “Tugenden” sind das, wozu wir uns überwinden müssen. Dass dies durch Training, Gewöhnung und eintretende Erfolge immer leichter gelingt, zeigt die Beobachtung. Für das STN bedeutet Weiterentwicklung in erster Linie, dass er öfters Aktivitäten ergreift, deutlicher “Nein” sagt, wenn er etwas nicht will und aus der Haltung des “mir geschieht etwas” in eine angreifende, gestaltende wechselt. Dazu gehört dann auch, dass er sich gestattet, dabei Fehler zu machen, unnötig Geld und Zeit zu investieren und sein Sicherheitsbedürfnis etwas zu reduzieren.

Fortschritt für den „Blauen“ bedeutet auch, wenn er anfängt, sich praktisch-geschäftlich zu engagieren und nicht nur theoretisch-sachlich an Dinge heranzugehen. Dabei wird er automatisch auf Kooperationen bauen und sich der Kritik seiner Mitstreiter aussetzen müssen. Im Ergebnis darf er sich dann aber auch am eintretenden Erfolg tatsächlich als Beteiligten sehen.

Es geht jedoch nicht darum, die eigene Persönlichkeit inklusive des Typs abzuwerten oder ein ganz neuer Mensch zu werden - jedoch zeigt sich, dass die zunehmende Nutzung aller angelegten Potentiale eine enorme Erweiterung der Spielräume im täglichen Leben bewirkt. Dies entspricht auch der natürlichen Tendenz, welche jedoch häufig durch Erziehung und Erfahrung gebremst oder ganz unterbrochen wird.

Entwicklungsförderer und -hemmnisse
Förderer:
- Mut, Kraftaufwand, Ziele setzen
- sportliche (körperliche) Aktivität
- praktische Erfahrung; Erfolge

Hemmnisse:
- übertriebene Vorsicht, Risikoscheu
- perfekt sein wollen, Fehlersuche
- nicht Nein sagen, nicht loslassen

Eher förderliche Leitsätze:
- Ich will das nicht!
- Ich kann es probieren!
- Fehler sind menschlich!
- Wer nicht kämpft, hat schon verloren!
- Angriff ist die beste Verteidigung!
- Wer wagt, gewinnt!
- Ich kann etwas für meinen Erfolg tun.
- Der Körper hilft dem Geist!
- Mehr hilft oft mehr!

Eher hemmende Leitsätze:
- Ich kann das nicht.
- Man wird mich kritisieren übersehen oder ignorieren.
- Meine Existenz ist ständig gefährdet.
- Ich muss sehr vorsichtig sein, darf keinen Fehler machen.
- Wenn ich mich nicht rühre, geht es von selbst vorbei.
- Andere bestimmen über mich.

Fallen:
1. Ich kann das nicht.
2. Man wird mich kritisieren.
3. Ich bekomme zu wenig Aufmerksamkeit.
4. Niemand nimmt mich richtig wahr.
5. Ich werde ignoriert und übersehen.
6. Meine Existenz ist gefährdet.
7. Ich muss sehr vorsichtig sein.
8. Ich darf keinen Fehler machen.
9. Wenn ich mich gar nicht rühre, geht es von selbst vorbei.
10. Was geschieht ist unabwendbares Schicksal.
11. Ich bin das Opfer der Aktivitäten anderer.
12. Ich muss mich so gut es geht verteidigen.

Ausstiegsleitern und Umgehungsstraßen:
1. Ich will das nicht!
2. Ich kann es durchaus einmal probieren!
3. Fehler sind menschlich und bringen neue Erfahrungen!
4. Wer kämpft, kann verlieren, wer nicht kämpft, hat schon verloren!
5. Angriff ist die beste Verteidigung!
6. Wer wagt, gewinnt!
7. Wenn ich mich zeige, werde ich auch gesehen!
8. Wer das zu schätzen weiß, was ich produziere, wird mich auch wahrnehmen.
9. Ich kann etwas für meinen Erfolg tun.
10. Ohne Körper funktioniert auch mein Geist nicht optimal.
11. Mehr hilft oft mehr!
12. Mein Schicksal liegt zu mindestens 50% in meiner Hand!

Beispiele für “Krafttiere”, die Motivation geben können:
1. Löwe
2. Weißer Hai
3. Gorilla
4. Säbelzahntiger
5. Ameise
6. Biene
7. Wespe
8. Jagdfalke
9. Piranhia
10. Wolf
11. Krokodil
12. Dinosaurier (bes. bei STN-Kindern)

Wiederholungsfehler:
- Lethargie                     
- nicht Nein-Sagen können        
- das Chaos übertreiben            
- Unentschlossenheit    
- Verantwortung zu oft abgeben        
- sich in der Opferrolle sehen

Was Menschen mit blauem Naturell gut tut:
Erfolg, Anerkennung, Aufmerksamkeit, körperliche Zuwendung, sportliche Aktivität, praktische Erfahrungen, Bedürfnisse erfüllen, Verantwortung, Mut, mehr Risikobereitschaft, Krafttraining, deutlich "Nein" sagen; etwas beenden, das nicht gut tut (auch ohne Ersatz)

Schlüssel zur Problemlösung:
"Ich bin mal neugierig, wie sich dieses Problem lösen lässt ..."; klare Ziele formulieren und kraftvoll angehen, ausschließen, was man nicht will; Unangenehmes nicht hinausschieben/aussitzen sondern lösen (mit Hilfe).

Typische Beschwerden und Lösungsmuster
Menschen mit Sachtyp-Naturell haben den Ruf, leidensfähiger zu sein als andere. Trotzdem (oder deswegen) mögen sie es, über ihre kleinen und großen Zipperlein hin und wieder etwas zu ‘jammern’. Das sollte noch kein Grund zur Beunruhigung für den Zuhörer darstellen – mit solchen ‘Leidensgeschichten’ motivieren sich die „Blauen“ häufig, um in Richtung einer Lösung aktiv zu werden. Für das STN ist das oft kein Jammern, sondern die sachliche Schilderung der Lage. Sie möchten dann in der Regel keine (vor)schnelle Lösung (das Ergebnis könnte womöglich schlimmer sein als zuvor), sondern eher Tipps oder Alternativen, wie sie sich noch verhalten könnten. Letztlich möchten sie es aber selber machen/entscheiden.
 

Nach Friedmann ist es für Menschen mit Sachtyp-Naturell nicht sehr nützlich, lange über ihre Probleme erzählen zu können. Eher hilft es ihnen, über ihre Ziele und den angedachten Weg dorthin zu berichten. Die „Blauen“ wirken häufig inaktiv oder unentschlossen - meistens handelt es sich jedoch um eine Zeit des ‘Anlaufs’, während der es noch darum geht, Informationen, Fachkenntnisse oder Detailwissen zu sammeln. Erst wenn sich Sachtypen des Erfolgs einer Aktivität einigermaßen sicher sind, setzen sie ihre Energie (sparsam) ein.

Neben dem bereits erwähnten “Nein”-Sagen zählt auch das kraftvolle, aktive Anstreben von klar definierten Zielen zu den so genannten ‘Universallösungen’ für das STN. Dazu gehört dann oft mehr Mut, als sie sich gewöhnlich zutrauen, und die Bereitschaft, auch Fehler oder Kritik wegzustecken. Viele Menschen mit STN erzählen, dass sie ohne regelmäßige körperliche Zuwendung und Aktivitäten (vor allem sportlicher Art) ihre Leistungsfähigkeit und Ausgeglichenheit rasch verlieren. Nicht selten hilft ihnen auch ihr (manchmal besonders schwarzer bzw. trockener) Humor über die Schwierigkeiten des Lebens hinweg.

Zum STN passende Haltung für Coaches, Seelsorger, Therapeuten und Berater:
“Ich bin mal neugierig, wie er/sie dieses Problem lösen wird …“ (energetisch hinter dem Klienten bleiben, evtl. auf Anforderung dezent unterstützen, aber keinesfalls die Aktivitäten übernehmen, die er/sie selbst ausführen kann).

Grundleiden des STN, die in der Beratung ernst genommen werden sollten:
Nach Friedmann sind die Grundleiden des Sachtyp-Naturells:    
- missachtet, ignoriert, kritisiert werden

Man könnte auch ergänzen (vom jeweils vernachlässigten Bereich her gesehen)
- keinen Erfolg haben, keine Kraft haben, körperlich nicht wahrgenommen werden, nicht “Nein” sagen dürfen

Grundhaltung, in denen man den STN in der Beratung begegnen sollte:
-  (energetisch dahinterbleibend) “Ich bin mal neugierig, wie er dieses Problem lösen wird ...” (nach Friedmann)

Typgerechtes Pacing (zum Abholen) gegenüber dem STN in der Beratung:
- langsam und ausführlich reden, Pausen einlegen
- Details wissen wollen, Dinge verstehen wollen
- selten “Nein” sagen, eher schweigen
- unklare, vieldeutige, alternative Aussagen machen
- wenn der Gesprächspartner eher abstrakt und wenig praktisch spricht, darauf einsteigen und versuchen, auf die praktische Ebene zu kommen (STN starten gerne auf der abstrakt-sachlichen Ebene, weshalb ihnen auch gut alternative Abstraktionen und Modelle angeboten werden können):




Die praktische Erfahrung und Beobachtung zeigt, dass es von Gesprächspartnern als angenehm erlebt wird, sie zunächst auf „ihrer Ebene“ abzuholen und erst wenn sich dort keine Lösungsansätze oder Ideen finden (sofern gewünscht), auf eine andere, bisher vernachlässigte Ebene zu wechseln. Häufig ist es so, dass der bevorzugten Gesprächsebene eine eher vernachlässigte gegenübersteht - und dass eben diese vernachlässigte Ebene dann entscheidende Unterschiede bewirkt.


Startpunkt und Ablauf im „Leitdreieck“ für STN
Bei der Problemlösung hilfreich kann es zudem sein, einem Muster zu folgen, das als ‘Leitdreieck’ seit vielen Jahren erfolgreich eingesetzt wird: Hier lassen sich Interventionen aus verschiedenen Methoden einfügen und so das Gespräch gemäß der jeweiligen Bevorzugung führen, z.B. mit lösungsorientierten Interventionen im Sinne von Steve de Shazer wie der Zielfrage, die weg vom Problem und hin zur Lösung führt: Angenommen, die Problemlösung verläuft erfolgreich, woran werden Sie das erkennen? Welchem Ziel sind Sie dann näher gekommen? Oder einfach: Was ist ein attraktives Ziel in dieser Sache? Auch denkbar: Was möchten Sie nicht (mehr) und was stattdessen? (danach eine Bestandsaufnahme machen, was funktioniert und was nicht)




Beispiel für STN-Beschwerden und -Lösungsansätze:
Sandor war 35, als er während einer Studienreise in München hängen blieb. Seine ungarischen Mitreisenden sagten, es sei das Schicksal gewesen, das ihn zum richtigen Zeitpunkt an den richtigen Platz verschlagen habe. Er stimmte ihnen zu, denn genau so erging es ihm von Kindheit an – als ob eine geheimnisvolle Macht seine Wege bestimme. Wie sonst sollte er es erklären, dass die Bedienung im Biergarten ihn auf ungarisch ansprach, obwohl er kein Wort gesagt hatte? Dass sie aus dem Nachbardorf seiner Kindheit stammte? Dass sie ihn fragte, warum er nicht in München bliebe und der Wirt ihn noch am gleichen Tag per Handschlag als Aushilfskellner einstellte? Seine Probleme begannen nicht damit, dass ihn eines Abends eine Frau im Lokal fragte, ob er sie nicht heiraten wolle. Die Bekanntschaft war ihm angenehm, hatte er doch bis vor kurzem noch bei seinen Eltern in der Dachstube gewohnt und seit Jahren keine Freundin mehr gehabt. Er konnte nicht “Nein” sagen - also heirateten sie, bald war seine Frau schwanger. Und obwohl er sich nach Kräften bemühte, etwas zu sparen, reichte das Geld gerade so hin. Während seine Frau durch die Schwangerschaft zunahm, verlor er ständig Gewicht. Er litt unter Schlaflosigkeit und depressiven Verstimmungen. Dem Arzt schenkte er großes Vertrauen, weil der sich Zeit nahm und ihn ausführlich untersuchte. Eigentlich hatte er Medikamente erwartet, stattdessen wurde ihm aufgetragen, mindestens zweimal die Woche eine Stunde Sport zu treiben und er bekam Massagen verschrieben, weil sein Rücken hart wie ein Brett war. Er hielt sich gewissenhaft an die Verschreibung, sein Appetit kehrte zurück und die  Schlafprobleme verschwanden. Sein Ziel war jetzt, eine Abendschule für Physiotherapeuten zu besuchen, denn die Arbeit des Masseurs hatte ihn tief beeindruckt. Seine Motivation war so stark, dass er sogar seine bisher unangreifbaren Reserven bei der ungarischen Nationalbank lockermachte, um die Schulgebühr zu bezahlen. Es erschien ihm wieder einmal wie ein Wunder, dass er gerade diesen Arzt und diesen Masseur kennen gelernt hatte ...  

Zuordnung von Lösungswerkzeugen zum BTN
Aus den im Buch „99 Lösungswerkzeuge“ vorgestellten Interventionen bzw. Universalschlüsseln könnten folgende als für Sachtyp-Naturelle besonders erfolgversprechend angesehen werden (Details bitte dort unter den angegebenen Kapitel-Nummern nachlesen; eine PDF-Version des Buches ist kostenlos im Downloadbereich auf www.naturellwissenschaft.org erhältlich, ein E-Book bei Amazon-Kindle).

3. Belohnungen in Aussicht stellen
4. Bewegung
7. Dritte Alternativen aus Triaden
12. Etwas weglassen
20. Gemeinsame Ziele suchen
23. Grundbedürfnisse erfüllen
27. Ignorieren von Problemen
30. Irgendetwas lösen
37. Lösung fokussieren (Ziellinie setzen)
43. Münzwurf zur Entscheidung
52. ‘Ordeals’ – heilsame Torturen
57. Putzen (Aufräumen)
59. Rituale entwickeln
60. Rückschläge/Rückfälle nutzen
67. Sprache ändern
72. Tätig werden
75. Tit for Tat
80. Überholen
82. Umdeuten, umetikettieren
87. Vorbilder
89. Wasser, Luft, Sonne
90. “Wie?” oder “Was?” statt “Warum?”
95. Ziele erreichbar formulieren


Gesprächsprotokoll zur Illustration des „blauen“ Interaktionsverhaltens (aus dem Buch „99 Lösungsgespräche“)

11. Darius muss sich entscheiden
Gesprächskoordinaten:
Name: Darius
Gesprächspartner: sein Vater
Gesprächsebene (zu Beginn): abstrakt
Gesprächseinstieg: Problembeschreibung
Naturell Darius: „gelb“ (Sachtyp-Naturell), Untertyp Fühler
Verwendete Lösungswerkzeuge: Ausnahmen suchen (2), Dahinterbleiben (6), Gegenüber (17), hypothetische Lösungen (26), nützliche Fragen (50), Probieren (54), Problem/Thema eingrenzen (55), typgerechte Lösungen (78), Vorbilder (87)

Ausgangslage:
Darius muss sich an der Schule entscheiden, welche Fächer er die nächsten drei Jahre belegt, bevor er das Abitur ablegen und studieren kann. Er ist wie so oft unentschlossen, was seinen Vater dazu bewegt, ihn auf dem Rückweg von einem Fußballspiel darauf anzusprechen.

Vater: Wie sieht es denn so aus wegen der Entscheidung in der Schule?
Darius: Keinen Plan. Das Problem verfolgt mich inzwischen schon im Schlaf. Wenn ich nur ein berufliches Ziel vor Augen hätte. Ich hab’ aber keins und bräuchte viel mehr Zeit für so eine weitreichende Entscheidung.
Vater: Verstehe. Kannst du denn irgend etwas ausschließen, was deine berufliche Zukunft betrifft?
Darius: Jede Menge sogar, wenn du so fragst. Alles bei dem ich weniger als du verdiene zum Beispiel. Und nichts, bei dem ich körperlich schwer arbeiten muss. Außerdem möchte ich nichts machen müssen, bei dem ich das Gefühl habe, gehetzt zu werden. Vielleicht was, bei dem ich in Ruhe arbeiten kann und auch mit Menschen zu tun habe.
Vater: Das ist doch schon ziemlich viel an Ausschlusskriterien und da ist sogar eine Richtung zu erkennen, scheint mir.
Darius: Ich möchte jedenfalls nichts machen, bei dem ich nach ein paar Jahren merke, dass es nicht zu mir passt. Lieber einmal länger lernen und dann bis zum Ruhestand wissen, woher die Brötchen kommen.
Vater: Klingt vernünftig und zu dir passend.
Darius: Haha. Ich bin halt einfach ehrlich und kenne mich ja schon ein bisschen.
Vater: Ich hatte dir ja schon mal angeboten, später in meine Kanzlei einzusteigen, aber du hast immer abgewehrt und gesagt, dass du lieber Pfarrer werden würdest als Rechtsanwalt.
Darius: Na ja, als Pfarrer sind die Fehler, die man machen kann, nicht so teuer wie in deinem Job.
Vater: Es gibt ja Versicherungen – auch dafür.
Darius: Das wusste ich nicht. Aber das Risiko scheint mir doch enorm, gerade für einen Anfänger. Und wenn dann deine Klienten mich Jungspund sehen würden, die nähmen mich doch gar nicht richtig ernst.
Vater: Wir könnten ja eine Zeit lang die Kanzlei zusammen führen. Dann hättest du Gelegenheit, von mir zu lernen und ich würde die heiklen Fälle und die alten Kunden betreuen.
Darius: Und die ganze Kohle einstreichen, was?
Vater: Nein, natürlich nicht. Du wärst gleichberechtigter Partner.
Darius: Wow. Das würdest du echt machen?
Vater: Ich weiß, wozu du fähig bist, Sohn. Wenn du erst mal Feuer gefangen hast und dich in was reinkniest, bist du kaum von deinem Ziel abzubringen.
Darius: Danke für die Blumen. Ich muss dir aber ausnahmsweise mal recht geben. Was müsste ich denn für Fächer belegen, um später Jura studieren zu können?
Vater: Gute Frage, lass’ mich überlegen. Nein, besser noch, wir machen einen Termin bei deinem Klassenlehrer und schauen uns zusammen die Möglichkeiten an. Zu meiner Zeit lief das ja noch anders, nicht so flexibel wie heute.
Darius: Super Idee! Gemeinsam entscheidet es sich leichter. Ich werde aber trotzdem noch zwei oder drei Nächte darüber schlafen, bevor ich mich festlege.
Vater: Das ist doch selbstverständlich. Außerdem kannst du in den nächsten Ferien ein Praktikum in der Kanzlei eines Kollegen machen und noch mal genau hinschauen, wie es dir in dieser Atmosphäre so geht.
Darius: Gerne. Vielleicht schaue ich die nächsten Tage auch mal bei dir im Büro vorbei und du zeigst mir ein bisschen, woran du gerade so arbeitest.
Vater: So machen wir das. Und du sollst wissen, dass ich nicht enttäuscht bin, falls du dich dann doch gegen das Jurastudium oder später gegen einen Eintritt in die Kanzlei entscheidest. Du sollst völlig frei wählen, und nicht um mir einen Gefallen zu tun.
Darius: Gut, dass du das sagst, Vater. Aber in dieser Sache würde ich lieber deine Enttäuschung riskieren, als dass ich mein Leben lang unzufrieden bin.



Wenn Ihnen etwas Ergänzendes zum Thema einfällt, das Sie gerne auf diesen Seiten sähen, schreiben Sie bitte an wewinkler@t-online.de


 

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