Alles über das Handlungstyp-Naturell im 123-Modell

(auch Rotes Naturell, Aktioniker, typus aktionis)



Vorbemerkung: Was verstehen wir unter einem Menschen mit „Handlungstyp-Naturell“?




Abb.: Grafische Darstellungen zum Handlungstyp-Naturell (HTN)


Ein Mensch mit Handlungstyp-Naturell zeigt - erkennbar entweder verdachtsweise im Alltag oder fachlich abgesichert durch eine konsensuelle Naturellanalyse - dass bei ihm der „rote“ Anteil am Naturell (den wir fachlich auch „Handlungstyp-Anteil“ nennen) stärker und der „gelbe“ Anteil (den wir fachlich auch „Beziehungstyp-Anteil“ nennen) schwächer ausgeprägt ist. Es ist also eine Gewichtung zu Gunsten des „roten“ Naturellanteils erkennbar.


Ich habe mich hier häufig für den Begriff „Handlungstyp-Naturell“ oder die Kurzform „HTN“ als bevorzugten Fachbegriff entschieden, verwende jedoch synonym immer wieder auch
    „Handlungstyp“,
    „Aktioniker“ oder
    „rotes Naturell“ bzw.
    „Rote“, oder ab und zu die Metapherbilder
    „Gorillas“ und „Haifische“,
wenn ich von dieser Kategorie spreche.

Die Vielzahl der Begriffe ist auch dadurch bedingt, dass seit 1990 verschiedene Verwendung fanden und je nach Leser- oder Zuhörergruppe unterschiedlich gut angenommen wurden. Ich persönlich finde es manchmal einfacher, im geschäftlichen Kontext schlicht von „den Roten“ zu sprechen, weil solche Farbnamen dort häufig bekannt und akzeptiert sind. Wenn ich mehr Zeit habe, z.B. in Coachinggesprächen, und das Phänomen „Naturell“ erklären kann, bietet sich hingegen „rotes Naturell“ an; in Gesprächen mit Paaren und Familien finde ich wiederum die Metapherbilder hilfreich und spreche dann vom „Gorilla-Naturell“; habe ich mit evolutionskritischen Menschen zu tun oder mit solchen, die einen Vergleich mit Tieren als unangemessen finde, weiche ich auf die Meeresbewohner-Metapher aus und spreche vom „Haifisch-Naturell“, was auch gut verstanden wird, wenn die Zusammenhänge einmal geklärt wurden. Im Gespräch mit Kolleginnen und Kollegen jedoch, die bei Friedmann oder aus seinen Büchern das Thema kennen gelernt haben, lässt sich der von ihm geprägte Ausdruck „Handlungstyp“ verwenden, auch wenn es da hinsichtlich der genauen Beschreibung dieses „Typs“ immer wieder Unterschiede zum 123-Modell gibt. 



Bevorzugter Lebensbereich des HTN nach der Landkarte: Aktivität
Vernachlässigter Lebensbereich des HTN nach der Landkarte: Verbundenheit



Auf dieser Webseite habe ich versucht, alle Informationen über das Handlungstyp-Naturell (HTN) zusammenzutragen. Einige davon können sich in späteren Kapiteln wiederholen. Zum besseren Überblick hier die Inhalte:

a) Die HTN-Items des „Langtests“
b) Typenbild HTN
c) Die aus den Triaden abgeleiteten Bevorzugungen und Vernachlässigungen des HTN
d) „Gebrauchsanweisungen“ zum HTN
e) Metapher zum HTN
f) Sprichwörter mit Bezug zum HTN
g) Typische Berufe für das HTN
h) Tipps für den Umgang mit HTN-Kindern
i) Prominente mit HTN (Vermutungen)
k) Typische HTN-Wörter und -Begriffe
l) Textbeispiele zum HTN
m) Tipps zur Persönlichkeitsentwicklung und Problemlösung des HTN


a) Die HTN-Items des „Langtests“

(die Nummern sind die der Items, wie sie im „Langtest“, den bislang am intensivsten beratenen und überprüften textlichen Beschreibungen der drei Naturellgruppen verwendet werden):

A. Sehr typische Merkmale des HTN

3. Besonders praktisch veranlagt; starke Vorliebe für alles Praktische, für Arbeit und Aktivitäten jeglicher Art; kann gut bis perfekt etwas Vorgegebenes nachmachen

5. Weiß recht genau, was er/sie nicht will, jedoch erst auf intensive Nachfrage, was stattdessen

9. Deutliche Kommunikation in Worten und Gesten; direkte Konfrontation mit Unangenehmem; Angriffshaltung wird bevorzugt, auch präventiv

11. Liebhabereien, Hobbys oder der Umgang mit Pflanzen und Tieren werden zur Entspannung dem Umgang mit Menschen (vor allem in jüngeren Jahren) häufig vorgezogen; die Ausübung des Hobbys kann zwanghafte Züge annehmen und Beziehungen belasten

15. durch hohen Einsatz von Kraft und Energie gewohnheitsmäßig erfolgreich; ausbleibender Erfolg führt zu noch stärkeren Anstrengungen bis hin zum ‘Burnout’; Motto “viel hilft viel” taucht immer wieder auf


B. Alltagsbeobachtungen beim HTN

18. Trinkfester als die Mehrzahl der Mittrinker (starke Selbstkontrolle), vor allem, wenn bereits in der Jugend mit dem Alkoholkonsum begonnen wurde; unter Alkohol oder im Urlaub lustig und gelöst (wenn die Gesellschaft stimmt)

22. Fehlt die regelmäßige ungestörte (Nacht-) Ruhe als Ausgleich zu anstrengender Tagesarbeit ist das Wohlbefinden rasch gestört

23. Tendenz zu ordentlichem Garten, sauberem Bad, aufgeräumter Küche, perfekt organisiertem Büro, geputztem Auto etc. (im Sinne von “Kontrolle von Raum und Dingen”, es muss alles praktisch, funktionsfähig, ordentlich sein)

25. Bevorzugt hochwertige, strapazierfähige und praktische Kleidung, wenn entsprechende Mittel vorhanden


C. Beobachtungen im geschäftlichen/beruflichen Umfeld beim HTN

26. Tatkräftige, aktive Grundhaltung – seltener reaktiv und äußerst selten passiv (höchstens bei Überarbeitung/Erschöpfung, aus Loyalität/Solidarität oder wenn durch Krankheiten ausgebremst)

31. Fordert die Einhaltung von Regeln, die für gültig erachtet werden (auch wenn diese sich nicht im gesellschaftlich-mehrheitlich anerkannten Rahmen bewegen)

33. Zielgerichtet, ergebnis- und erfolgsorientiert

38. Bemerkt rasch, was nicht in Ordnung ist und mahnt Verbesserungen an bzw. bringt es baldmöglichst selbst in Ordnung

40. Stellt selten neugierige Fragen (eher Kontrollfragen – z.B. ob Anordnungen ausgeführt wurden oder nach der Arbeitswelt des Gegenübers)

44. Baut nur schwer Vertrauen zu anderen Menschen auf; schätzt die wenigen, zu denen es ihm möglich wird; gibt einen Vertrauensvorschuss bei Sympathie


D. Beobachtungen aus psychologischer Sicht beim HTN

48. Pflicht- und Verantwortungsübernahme selbstverständlich, auch bei Überlastung; Schwäche wird nicht öffentlich gezeigt, wenn, dann nur bei sehr vertrauten Personen

51. Rechtfertigung für eigenes (Fehl-) Verhalten wird voraus- oder hinterhergeschickt, wenn es nicht den hohen selbstgesetzten Maßstäben angemessen war ("Entschuldigung, dass .../tut mir leid, dass ...")

52. Kontrollierend, angespannt, kann nur schwer lockerlassen

53. Krankheiten werden als Zumutung erlebt, die möglichst effektiv bekämpft werden müssen (es sei denn, sie sind nicht lebensbedrohlich und ermöglichen eine Auszeit)

56. Wird er/sie durch Umstände, andere Menschen, äußere Zwänge in ihrem Handlungsspielraum blockiert, behindert oder in die Ecke gedrängt, zeigt er/sie sich eher unflexibel und reagiert äußerst gereizt (bis hin zur Verbitterungsdepression)

58. Tendenz zur negativen Weltsicht, das Leben wird als Anstrengung/Kampf erlebt, weniger als Spaß/Vergnügen

60. Die Einhaltung von Gesetzen und gesellschaftlichen Regeln hat einen hohen Stellenwert, vor allem, wenn selbst eine gehobene gesellschaftliche oder berufliche Stellung erreicht wurde

61. Skeptisch gegenüber psychologischen oder zwischenmenschlich-heiklen Themen, Beziehungsdingen (zumindest anfänglich bzw. wenn sie vom Wissenschaftlichen ins Persönliche übergehen oder Nähe voraussetzen)

E. Lebensstil-Beobachtungen beim HTN

64. Gang zum Arzt wird (vor allem in jüngeren Jahren) vermieden/hinausgezögert, da es ein Zeichen von Schwäche ist und unnötig Zeit kostet

74. Im Verhalten sehr berechenbar/voraussehbar, da nur selten variierend; Überraschungen sind die Ausnahme; (selbst auferlegte) Regeln werden in der Regel eingehalten

78. Kameradschaftlicher Umgang mit Geschäftskollegen oder im Verein; wirkliche persönliche Nähe (evtl. auch das "Du"), wird lange vermieden

81. Wenig Neugier auf unbekannte Menschen oder Fremdes; in Zweifelsfällen wird das Bekannte vorgezogen ("gewohnte Speisen im Urlaub"); evtl. aus Angst vor Kontrollverlust


F. Erst auf den zweiten Blick (in den Spiegel) beim HTN zu beobachten

84. Parallele Handbewegungen, z.B. während des Sprechens, recht häufig

85. Verschuldet sich ohne große Bedenken, wenn ein Gegenwert/eine Sicherheit da ist, z.B. für ein eigenes Haus oder Geschäft; bezahlt Kredite gewissenhaft ab, arbeitet dafür noch mehr; stellt das Privatleben notfalls zurück; spart gezielt auf größere Anschaffungen, gibt sich dafür auch absichtlich geizig

88. Private Harmonie hat einen besonders hohen Stellenwert (kämpft für Harmonie; verschweigt Dinge, die zu Streit führen könnten; hält evtl. lange an belastenden oder tot gelaufenen Beziehungen aus Prinzip fest, arrangiert sich um den Schein zu wahren)

92. Familiengründung und Ehe sind häufig erst in zweiter Linie eine Beziehungs- oder Herzensangelegenheit; gesellschaftlicher, moralischer Druck oder das Erreichen von Lebenszielen stehen im Vordergrund (Kinder, Hausbau); auch, um sich nach 'Erledigung' wieder ungestört der Arbeit widmen zu können

96. Besonders enger Bezug zur Mutter (im Vergleich zu Vater oder Geschwistern)

98. Zusammenhänge oder der Einfluss von Beziehungen werden eher spät/gar nicht erkannt oder abgestritten

An der Formulierung und Überprüfung dieser Items (Januar-April 2004) haben dankenswerterweise mitgewirkt: Ritva Abao, Michael Antrack, Martin Blankenhorn, Bärbel Diemer, Silke Dinter, Dr. Dietmar Friedmann, Dijana und Peter Gerber, Holger Hägele, Olaf Hartke, Andreas Horsch, Susanne Huber, Silvia Johannes, Ute Kunzmann, Sonja Maahs, Kerstin Mantey, Eckart Morat, Karin Rudolph, Gerd Rückert, Martina Schmidt, Tanja Schmitt, Dr. Wolfgang Schwarz, Marion Thaiss, Petra Vogel, Gaby Vogelsang, Claudia Padma Wagner-O'Mara, Ines Weber, Simeon Winkler, Gerhard Wisst, Jutta Woller.


 
b) Typenbild HTN

Von der theoretischen Seite des 123-Modells gesehen wird das Handlungstyp-Naturell dadurch gekennzeichnet, dass es den Lebensbereich „körperliche Aktivität“ bevorzugt und dafür den Lebensbereich “emotionale Verbundenheit” vernachlässigt. Dieser vernachlässigte Bereich bildet somit seine Ressource, d.h. Lösungsansätze werden für dieses Naturell häufig im emotionalen, kommunikativen, zwischenmenschlichen Bereich zu finden sein. Umgekehrt lässt sich schlussfolgern, dass Menschen mit HTN im „gelben Bereich“ auch die meisten Schwierigkeiten haben.

Aus der Beobachtung von Menschen mit rotem Naturell ergibt sich folgendes Bild:

Weil der bevorzugte Lebensbereich des HTN die körperliche Aktivität ist, sieht man hier praktisch veranlagte, kraftvolle Menschen, die deutlich zeigen, was sie können. Ihre Fähigkeiten werden deshalb von Kollegen, Kunden und Vorgesetzten besonders geschätzt; ihre Zuverlässigkeit macht sie für Führungsaufgaben hervorragend geeignet. Auch im privaten Bereich machen sie Tatkraft und Berechenbarkeit zu wertvollen Freunden. Dabei ist es nicht einfach, „Rote“ als nahe Freunde zu gewinnen, denn persönliche, emotionale Beziehungen handhaben sie eher zurückhaltend. Für einen kollegialen Austausch über berufliche Angelegenheiten jedoch sind sie in der Regel aufgeschlossen.

Handlungstyp-Naturelle können streitlustig bis kampfbereit auftreten, vor allem, wenn es darum geht, einmal gesetzte Ziele zu erreichen. Dies führt manchmal zu perfektionistischen bis zwanghaften Tendenzen. Sie sind regelmäßig bereit, Beziehungsaspekte (auch die Beziehung zum eigenen Körper und dessen Belastungsgrenzen) für ihre Karriere oder den Erfolg zurückzustellen. Für diese Menschen ist ihre Arbeit (auch die Haushalts-, Garten- oder Erziehungsarbeit), ihr Schaffen und Können meist der Mittelpunkt oder Schwerpunkt ihres Lebens.

Handlungstyp-Naturelle sind durch die Tendenz zur ‘Nein-Haltung’ gekennzeichnet. Diese kann sich bis zu einer grundlegend negativen Weltsicht verfestigen, die ihnen jegliche Lebensfreude raubt. Verstärkend dafür kann auch das reflexartige Streben nach ‘immer mehr’ sein. Sie verpassen somit leicht den Genug-Punkt, der meist deutlich unterhalb ihrer Perfektionsbestrebungen liegt. Am Ende dieser Entwicklung steht nicht selten ein Zusammenbruch oder ein Herzinfarkt. Bei nicht erreichter Perfektion fühlen sich Menschen mit HTN verantwortlich bzw. schuldig, was den bereits aufgebauten Druck weiter verstärkt. Dies zeigt sich etwa in wiederholten Rechtfertigungen, auch vorbeugender Art (“Entschuldigen Sie bitte, dass ich nicht mehr Zeit für Sie einplanen konnte ...”).
 
Im Umgang mit Macht sind Menschen mit rotem Naturell fair, gerecht und diplomatisch (solange es nach ihren Regeln läuft). Auch in der Elternrolle, die ihnen wie auf den Leib geschrieben ist, gehen sie voll auf (‘Übermutter’/Patriarch). Dies bedeutet für sie aber eher das Tätigsein zum Wohle der Familie als den Ausbau von persönlichen, auf gegenseitigem Wunsch nach Nähe basierenden Beziehungen. So ist für sie eine Partnerschaft manchmal eher eine Arbeit oder ein ‘Arrangement’ und weniger eine Herzensangelegenheit. Das könnte ein Grund für die zeitlich relativ stabilen Verbindungen sein, die bei ihnen zu beobachten sind. Auch wenn die Beziehungsebene nicht sehr beglückend erlebt wird, funktioniert doch die praktische Seite des Zusammenlebens, also existiert kein Anlass für eine Änderung.

Weniger Beziehung wirkt so paradoxerweise stabilitätsfördernd für die Verbindung. Des-halb erproben Menschen mit HTN ihre Beziehungsfähigkeit statt mit dem Partner auffallend oft lieber mit ihren Kindern, Enkeln, engen Freunden/Freundinnen, Haustieren, Pflanzen oder bei der Beschäftigung mit einem Steckenpferd (zu diesen Hobbys haben sie dann einen ganz besonderen Bezug).

Die Kombination von Handlungstyp-Naturell und übertriebenem Machtstreben kann ganze Gruppen in ein Korsett aus Regeln, Ordnungswut und Betriebsamkeit zwängen. Dabei schützen sich Menschen mit HTN vor zu nahen Beziehungen durch Abstand wahrendes, aber korrektes Verhalten. Dies ist nicht nur in Familien, sondern oft auch in Firmen oder Organisationen zu beobachten.

Auffallend bei ihnen ist auch die gezielte Auswahl von Kleidung oder Schuhen, bei der gerne qualitativ hochwertige Markenware bevorzugt wird. Genauso typisch ist die Eigenart, den Küchenbereich und das Bad besonders sauber zu halten – oft wird sofort nach (oder bereits während) dem Kochen damit begonnen, die benutzten Utensilien sauber zu machen und wieder ordentlich an ihren Platz zu räumen. Schreibtische und Gärten von Handlungstyp-Naturellen bestechen gewöhnlich durch vorbildliches, ordentliches Aussehen.

Ebenfalls kennzeichnend für diese Menschen ist das Bedürfnis nach ungestörtem Schlaf. Auf Unterbrechungen der nächtlichen Ruhe (z.B. durch Lärm) reagieren sie besonders verärgert. Die „Roten“ schlafen gerne vor dem Fernseher bzw. auf dem Beifahrersitz ein oder profitieren von einem kurzen Nickerchen in Pausen. Der Gang zum Arzt wird dagegen nach Möglichkeit vermieden. Krankheiten werden als Zumutung erlebt; erst wenn es ‘nicht mehr anders geht’ (wenn die Beschwerden die Leistungsfähigkeit reduzieren), suchen sie fachliche Hilfe. Mediziner sollten also dramatische Äußerungen von Menschen mit HTN über ihr Befinden besonders ernst nehmen und rasch reagieren.  
 
Weitere typische Eigenschaften von Handlungstypen sind hohe Verantwortungsbereitschaft, ausgeprägtes Pflichtbewusstsein, Trinkfestigkeit und Mangel an Fantasie.

Beispielhafte Beschreibung eines HTN:

Hristos kam als kleines Kind mit seinen Eltern aus Griechenland nach Deutschland. Obwohl er keine Sprachprobleme hatte, tat er sich stets schwer damit, Kontakt zu anderen Kindern aufzunehmen. Eine Ausbildung als Einzelhandelskaufmann brach er ab, weil sich auch hier die Schwäche im Umgang mit fremden Menschen bemerkbar machte. Zwar war er überaus korrekt im Auftreten und fleißiger als die meisten Azubis, aber die Arbeit machte ihm keinen Spaß.

Nach intensiver Suche (und mehreren ‘Schnuppertagen’ in verschiedenen Betrieben) begann er als Auszubildender in einem Modellbaubetrieb. Die Ausbilder waren sofort auf sein handwerkliches Geschick und seine Genauigkeit aufmerksam geworden. Sobald Hristos den Arbeitskittel angelegt hatte und an seiner (stets aufgeräumten) Werkbank stand, war er der glücklichste Mensch auf Erden.

Nach einiger Zeit fand er auch Kontakt zu seinen Kollegen - sie mochten nicht nur sein handwerkliches Geschick, sondern auch den Mut, mit dem er Vorgesetzten entgegentrat und Ungerechtigkeiten zur Sprache brachte.

Während der Vorbereitung auf die Abschlussprüfungen, für die er sich vier Wochen Urlaub genommen hatte, war er zuhause kaum ansprechbar. Er saß von frühmorgens bis spät in die Nacht über seinen Lehrbüchern und optimierte seine Arbeitsproben. Nach zwei Wochen begann er, unter Schlafstörungen zu leiden, was ihm unerträglich war. Zum ersten Mal in seinem Leben ging er von sich aus zum Arzt und bat um Hilfe.

Vor dem Prüfungstermin stieg seine Anspannung ins Unerträgliche - obwohl er wusste, dass er perfekt vorbereitet war. Es war die Angst vor den ihm fremden Prüfern - als er aber einen seiner Berufsschullehrer darunter entdeckte, wurde er bald ruhiger. Er bestand mit Auszeichnung und wurde im Lehrbetrieb als Gruppenleiter eingestellt. Trotzdem fing er schon nach zwei Jahren einen Meisterkurs an und jobbte dafür an den Wochenenden. Als die Schlafstörungen wieder auftraten, empfahl ihm der Arzt psychologische Unterstützung, die er ablehnte.

Beispielhafte Selbstbeschreibung eines HTN:

(Hannes, 46 Jahre alt): Nein, einfach ist es sicher nicht, mit mir zu leben. Ich bin oft sehr dogmatisch, beharre auf meinem Standpunkt, lasse andere Meinungen nicht gelten. Wenn man mir widerspricht, kann ich sehr streitbar sein. Genauso streitbar bin ich aber auch, wenn es um Ungerechtigkeit und Unpünktlichkeit geht. Beides kann ich auf den Tod nicht ausstehen. Bei Ungerechtigkeiten sind in der Vergangenheit schon mal die Fäuste geflogen, an Unpünktlichkeit Freundschaften zerbrochen.

Ein wichtiger Bestandteil meines Lebens war immer meine Arbeit. Obwohl ich nur den Realschulabschluss besitze, habe ich es durch zähes Arbeiten geschafft, vom „kleinen“ Bankkaufmann zum Kundenberater im Private Banking einer großen deutschen Bank aufzusteigen. Daran ist jedoch sicherlich meine erste Ehe gescheitert. Zu dieser Zeit kannte ich nur Arbeit, selbst an den Wochenenden bildete ich mich weiter. Der Ehrgeiz, der Beste zu sein, zerfraß mich. Das Ergebnis war, dass ich zwar beruflich der absolute Bringer war, mein Privatleben und meine Gesundheit dagegen ein Desaster. Die Folgen waren Scheidung und ein schwerer Hörsturz. Ich war 38 und dachte zum ersten Mal über mein Leben nach.

Glücklicherweise lernte ich zu dieser Zeit meine zweite Frau Beate kennen. Die ließ sich nicht von meinen cholerischen Ausbrüchen und meiner manchmal kühlen Art, die nur Selbstschutz ist, ab-schrecken und zeigte mir geduldig, dass zum Leben auch Spaß und Relaxen gehören. Bei ihr habe ich gelernt, Vertrauen zu haben und über meine Gefühle zu reden. Das fällt mir genauso schwer wie Loslassen, Kontrolle aufgeben und um etwas Bitten. Beate weiß das, deshalb fragt sie mich oft, ob ich etwas möchte, z.B. eine Massage oder ein gemeinsames Bad. Durch sie habe ich auch gelernt, wie schön es ist, beim Sex nicht immer dominant zu sein, sondern mich in der passiven Rolle einfach fallen zu lassen und die Kontrolle an sie abzugeben. Ich bin viel ausgeglichener geworden. Ohne Arbeit könnte ich auch jetzt nicht sein, aber sie geht nicht mehr auf Kosten des Privatlebens.

(Text: Padma O’Mara in “Psychographie für Frauen”, 2004)


c) Die aus den Triaden abgeleiteten Bevorzugungen und —> Vernachlässigungen des HTN

Aktivität --> Verbundenheit
Nein --> Ja
wirken* --> haben  (* auch können, zeigen, wollen)
Verben (Tunwörter!) --> Adjektive
mehr --> anders
maximal--> genug
Richtung —> Start
Ziel --> Situation/Ist-Zustand
Ergebnis --> Kompetenz
Aktivität --> Reaktion
aktiv --> reaktiv
agieren --> reagieren
lehren/nutzen/anwenden --> fragen
angreifen/kämpfen --> fliehen
nützlich --> schön
Kraftaufwand —> Zuwendung
jagen --> retten/helfen
Ernte --> Saat
verlässlich --> kreativ
praktisch --> sensibel
Kontrolle --> Geborgenheit
Diplomatie/Anstand --> Innovation
Gerechtigkeit --> Trauer/Güte
Ordnung --> Vielfalt
mütterlich --> kindlich/geschwisterlich
Erwartung --> Traum
erfolgreich --> sympathisch/freundlich
streitbar/kämpferisch --> friedlich
Krieg/Streit --> Frieden/ Ruhe/Langeweile
unabsichtlich/passierend --> absichtlich/geplant
Verfolger --> Retter
ziel-/ergebnisorientiert --> situationsorientiert
Kenntnisse (praktische) --> Ideen
Kraft --> Liebe
Produktion--> Kommunikation
Verantwortung/Pflicht--> Spiel , Spaß
Respekt --> Angenommensein/Dazugehörigkeit
geschätzt --> geliebt
Wollen --> Relativieren
perfekt machen/können --> perfekt haben
Regeln/Ordnungen --> Neugier/Ausprobieren
Freundschaft/ Kameradschaft --> platonische Liebe
Körper --> Seele/Herz
mutig/risikofreudig --> spielerisch/leicht
Taten --> Emotionen/Ergriffenheit
Menge/ Anzahl --> Art und Weise
sich verschuldend/investitionsfreudig --> wie herein, so heraus
nehmen --> geben
Praxis --> Idee/Versuch
Verhalten --> Haltung/Einstellung
Produktion --> Verkauf/Marketing
 


d) „Gebrauchsanweisungen“ zum HTN

Womit Sie bei “Roten” gehäuft rechnen sollten:
- arbeiten viel mehr als notwendig
- blenden die emotionale Ebene aus
- geben “alles” für ihre Ziele
- Angriffslust, Kampfhaltung
- spontanes “Nein” auf Fragen
- extremes Ordnungsbedürfnis
- Hang zum “Perfekt-Können-Wollen”

Was “Rote” eher nicht mögen:
- Arbeit und Privates vermischen
- ungefragt angefasst werden
- viele Fragen, Neugier
- ausgebremst, behindert werden
- Schlaf- und Ruhestörungen

Was “Roten” meist gefällt:
- verlässliche Absprachen
- klare Ansagen, deutliche Worte
- hohe Qualität (Kleidung, Auto)
- Regeln, Rituale, Regelmäßigkeit
- gute Ideen, ehrliche Emotionen


e) Metapher zum HTN:

Gorilla, Haifisch, gefrorenes Wasser

Welche Metapherbilder man als passend zum HTN sieht, hängt sicher auch mit der konkreten Situation und dem konkreten Menschen bzw. seinem Verhalten zusammen. In manchen Situationen tritt eher das Mütterliche (oder Patriarchalische) dieses Naturells in den Vordergrund, in anderen das „Vulkanartige“. Auch wie ein Orkan mag ein Mensch mit „rotem“ Naturell auf manche wirken - wohingegen andere in ihm eine Art „Akku“ sehen, von dem man scheinbar unbegrenzt Kraft abzapfen kann.
Interessant finde ich, dass Menschen mit HTN auf das Bild eines Haifisches durchaus positiv reagieren (auch auf Krokodile) und es sympathisch finden, dass man ihre Kraft und Stärke sieht. Spannend ist es auch - etwa in Vorträgen und Seminaren - zu sehen, wie gut verständlich Interaktionsbeschreibungen der Art „Lädt ein Blauwal einen Haifisch zum Essen ein …“ ankommen. Es scheint so, als hätten wir auch ohne Wissen um die Naturellunterschiede eine Art intuitives Verständnis dafür, dass Menschen auf einer tiefen Ebene und daraus folgend in ihrem praktischen Verhalten tatsächlich deutliche Unterschiede zeigen.


f) Sprichwörter mit Bezug zum HTN

Hab keine Angst vor Perfektion- Du erreichst sie nie! (Salvador Dali)

Wir wollen alles, und davon möglichst viel! (Graffiti*)

Du hast keine Chance - nutze sie! (Graffiti*)

Oh, bitte rühr mich nicht an!
Oh, bitte rühr mich nicht
Oh, bitte rühr mich
Oh, bitte rühr
Oh, bitte
Oh,
(Graffiti*)

Make love not war! - Ich bin verheiratet. Ich tue beides. (Graffiti*)

Ich habe keine Vorurteile - ich hasse jeden! (Graffiti*)

Die Guten sterben zuerst - man muss sich schämen, dass man noch lebt. (Graffiti*)

Keiner ist unnütz. Er kann immer noch als schlechtes Beispiel dienen. (Graffiti*)

Man steckt immer in der Scheiße - nur die Tiefe ändert sich. (Graffiti*)

Warum soll die Polizei den ganzen Spaß alleine haben? Bewaffnet die Bevölkerung! (Graffiti*)

Stell dir vor, wir machen Krieg und - alle kommen! (Graffiti*)

Trinken für den Frieden - schmiedet Schwerter zu Zapfhähnen. (Graffiti*)

Ein deutscher Mann misstraut allem Fremden, es sei denn, es lässt sich trinken. (Graffiti*)

Frauenpower macht Männer sauer. (Graffiti*)

Ich finde alles Scheiße - wo ist das Fundbüro? (Graffiti*)

Was Krupp in Essen, sind wir im Trinken. (Graffiti*)

Seid furchtbar und wehret euch! (Graffiti*)

Zwischen Leber und Milz passt immer noch ein Pils. (Graffiti*)

Ein Mädchen, das einen Soldaten heiratet, macht nie eine schlechte Partie. Ein Soldat versteht zu kochen, kann nähen, muss gesund sein, und das Wichtigste: Er ist unbedingt daran gewöhnt, zu gehorchen. (Charles de Gaulle)

Das Alibi ist wie der Kredit: wenn man beide nicht braucht, dann hat man sie. (Peter Ustinov)

Wer nicht kann, was er will, muss wollen, was er kann. (Leonardo da Vinci)

Erfahrungen kann man nicht erben, man muss sie alleine machen. (Tucholsky)

Wenn du ein glückliches Leben willst, verbinde es mit einem Ziel. (Albert Einstein)

Wichtig ist, dass man nicht aufhört zu fragen. (Albert Einstein)

Nur wer nicht sucht, ist vor Irrtum sicher. (Albert Einstein)

Trägheit macht traurig. (Thomas von Aquin)

Nicht zu bekommen, was man will, ist manchmal ein großer Glücksfall. (Dalai Lama)

Allzuviel ist ungesund. (Sprichwort)

Das ist nicht richtig, was Sie sagen, es nicht noch nicht einmal falsch. (Wolfgang Pauli, Physiker, zu einem Studenten)

Das Schönste ist Harmonie. (Pytagoras)

Das Ziel muss man früher kennen als die Bahn. (Jean Paul)

Die Herzen derer, die wir brauchen befinden sich stets im Zentrum eines Labyrinths. (Javier Tomeo)

Die ihr euch krank macht, damit ihr etwas habt, was ihr für Zeiten der Krankheit zurücklegen könnt. (H.D. Thoreau)

Dornen ohne Rosen. (Sprichwort)

Durch Rauhes zu den Sternen. (Seneca: Per aspera ad astra.)

Ein Elefant im Porzellanladen. (Redewendung)

Ein Löffel voll Tat ist besser als ein Scheffel voll Rat. (Sprichwort)

Eine Lösung hatte ich, aber die passte nicht zum Problem. (Unbekannt)

Es gibt für Unzählige nur ein Heilmittel - die Katastrophe. (Christian Morgenstern)

Es ist nicht genug, zu wissen, man muss auch anwenden; es ist nicht genug zu wollen, man muss auch tun. (Goethe)

Gewisse Menschen sind dazu bestimmt, einander nur in weit offenen Räumen begegnen und verstehen zu können. (Verdi)

Im Spieltrieb schafft der Wille sich selbst oft Widerstände, die er zu überwinden hat. (Eduard von Hartmann)

Lust und Liebe sind Fittiche zu großen Taten. (Goethe)

My home is my castle. (Sprichwort)

Strebe nach Ruhe, aber durch das Gleichgewicht, nicht durch den Stillstand deiner Tätigkeit. (Schiller)

Trau, schau, wem. (Sprichwort)

Vermögen um den Preis der Gesundheit zu erwerben, heißt, sich die Füße abzuschneiden, um dafür ein paar Stiefel zu kaufen." (Prentice Mulford)

Viel hilft viel. (Sprichwort)

Was nicht umbringt, macht stärker. (Sprichwort)

Wenn wir die Welt von unseren Schultern nehmen, merken wir, dass sie nicht fällt. (John Cage)

Wer kann, hat recht. (Wilhelm Busch)

Wer wagt, gewinnt. (Sprichwort)

Zum Mitleid gehört nur ein Mensch, zur Mitfreude ein Engel. (Jean Paul)

Man muss notfalls auch den Narren spielen, um zu erreichen, was man will. (Hans Calmeyer)

Das Gelingen ist manchmal das Endresultat einer ganzen Reihe missglückter Versuche. (Vincent van Gogh)

Was dich mitnimmt, bringt dich weiter.

To every man is dedicated a work which he alone can do. (Madonna)

Damit das Mgliche entsteht, muss immer wieder das Unmögliche versucht werden. (Hesse)

In jedem Menschen steckt ein Wespennest. (aus Japan)

Es gibt nichts Gutes außer: Man tut es. (Erich Kästner)

Die Welt ändert sich nicht für dich, vielleicht aber durch dich.

Alterius non ist, qui usus esse Podest! Es sei keiner eines anderen Knecht, der sein eigener Herr zu sein vermag. (Wahlspruch des Paracelsus)


g) Typische Berufe für das HTN

Arbeits- und Organisationspsychologin, Architekt, Bauberufe, Berufsschullehrer, Berufssoldat, Betriebspsychologe, Bürgermeister, Diplomat, Fremdenlegionär, Heim-Erzieherin, Heimleiterin, Hochbautechniker, KFZ-Mechaniker, Polizist, Rettungssanitäter, Soldat, Verhaltenstherapeut


h) Tipps für den Umgang mit HTN-Kindern

 - Kooperationsbereitschaft und seine Kompetenzen gezielt heraus (vor allem, wenn es um Beziehungsdinge geht)
- bremsen Sie nach Möglichkeit seinen Drang zur Perfektion - helfen Sie ihm, den
  ‘Genug-Punkt’ zu spüren
- behindern Sie nicht seinen Spieltrieb, auch wenn es ‘dafür’ eigentlich schon zu alt ist
- ermutigen Sie es, auf neue Menschen zuzugehen und Beziehungen aufzubauen
- kaufen Sie Kleidung gemeinsam mit Ihrem Kind; meist wünscht es sich robuste
  Kleidung
- nehmen Sie ihm Verantwortung ab, wenn es sich zuviel davon auflädt; lassen Sie es
  Kind sein
- sprechen Sie möglichst mit deutlichen Worten und wenn nötig auch mit bestimmender Stimme
- erfüllen Sie Ihrem Kind spezielle Wünsche und nehmen Sie an seiner Freude aktiv
  Anteil
- wenn es rasch “Nein” sagt, bohren Sie nach und versuchen doch einmal, ihm ein “Ja”
  abzuringen
- zeigen Sie Ihrem Kind, dass das Leben nicht nur aus Arbeit und Pflicht besteht, z.B.
  indem Sie mit ihm spielen, Witze machen oder albern sind
- denken Sie daran, dass Ihr Handlungstyp-Kind Arbeit oft mit Spiel/Spaß gleichsetzt
- rechnen Sie damit, dass es sich an Regeln sehr genau hält und sie möglicherweise noch zu verschärfen versucht
- wenn Sie etwas von Ihrem Kind wollen, versuchen Sie, dies messbar zu gestalten (es soll merken, wenn es das Ziel erreicht oder die Aufgabe zur Genüge erfüllt hat)
- fördern Sie seine Begabungen; erlauben Sie ihm aber auch, einmal etwas Neues zu
  probieren, das es nicht unbedingt weitermachen muss
- Handlungstyp-Kinder tun sich schwer damit, Fragen zu stellen; wenn es dies doch
einmal tut, nehmen Sie sich ausreichend Zeit, darauf einzugehen; finden Sie auch
  heraus, was es selbst schon zu der gestellten Frage herausgefunden hat; so stärken Sie seine eigene Kompetenz
- kaufen Sie ihm lieber weniger, dafür aber hochwertigere Dinge; es wird sie meist gut
  pflegen

(nach einem Text von Christa Roller, Susanne Freier und Werner Winkler - aus "Warum Kinder so verschieden sind", VAK-Verlag 2006)


i) Prominente mit HTN (Vermutungen)

Alfred Adler                
Anastacia            
Jean-Paul Belmondo        
George W. Bush        
Maria Callas
Leonardo di Caprio            
Adriano Celentano        
Cher
Jacques Chirac            
Wolfgang Clement        
Hillary Clinton
Kevin Costner            
Sheryll Crow            
Simone de Beauvoir
Charles de Gaulle
Gérard Depardieu            
Johnny Depp            
Antoine de St.-Exupéry
Stefan Effenberg            
Hans Eichel            
Elisabeth II
Joschka Fischer            
Lisa Fitz            
Harrison Ford
Claus Theo Gärtner ("Matulla")    
Götz George            
Mel Gibson                
Whoopie Goldberg        
Herbert Grönemeyer
Elke Heidenreich            
Ernest Hemingway        
Regine Hildebrandt
Adolf Hitler                
Ottmar Hitzfeld        
Saddam Hussein
Boris Jelzin                
Hu Jintao            
Tom Jones
Erich Kästner            
Nicole Kidman                        
Renate Künast
Fritz Kuhn                
Astrid Lindgren        
Klaus Löwitsch
Madonna                
Peter Maffay            
Felix Magath
Gerhard Mayer-Vorfelder        
Hartmut Mehdorn        
Inge Meysel
Demi Moore                
Franz Müntefering
Anne-Sophie Mutter        
Martina Navratilova    
Günther Netzer
Jack Nicholson            
Michelle Pfeiffer            
Brad Pitt            
Gerhard Polt
Franka Potente            
Elvis Presley            
Prinz Harry
Jürgen Prochnow            
Wladimir Putin        
Robert Redford

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k) Typische HTN-Wörter und -Begriffe

A
Abweisen, abfertigen, abhandeln, ablehnen, absagen, abschirmen, abspeisen, aggressiv, aktiv, alles, anfangen, anfertigen, anfeuern, anführen, anleiten, animieren, ankurbeln, anpacken, anordnen, anpacken, anrempeln, anstacheln, anstiften, anstrengen, Anstrengungen unternehmen, antreiben, anzetteln, absolut, arbeiten, anstiften, anzetteln, arrangieren, ärgern, aufbauen, auffordern, aufhetzen, aufs Spiel setzen, aufregen, aufgehen in, aufzeigen, ausführen, auseinandersetzen, ausrechnen
B
Balgen, bauen, beeinflussen, beenden, befehlen, beginnen, beglaubigen, begutachten, beharrlich dranbleiben, belehren, bereinigen, beschließen, beschäftigen, beschützen, bekritteln, beschäftigen, besiegen, besitzen, bestimmen, betreiben, betonen, bevormunden, bewältigen, bewegen, beweisen, bewerkstelligen, bewirken, bezwingen, bodenständig, boxen, bruddeln, brüllen
C
catchen, checken, cholerisch, contra, cool
D
Dagegen sein, damit rechnen, darlegen, demonstrieren, deutlich, diagnostizieren, diktieren, dirigieren, dominieren, dozieren, drängeln, durchleuchten, durchsetzen, durchstehen
E
Eifrig, eingreifen, einstehen für, einwirken, entscheiden, Erfolg haben, erfolgreich sein, erfüllen, erledigen, ermutigen, erreichen, erschaffen, erzwingen, examinieren
F
Fabrizieren, fähig sein, familiär, feindlich, fern halten, fertig bringen, festbeißen, fetzen, fleißig, fordern, formen, fortschreiten, Freundschaft, fruchten
G
Garantieren, gängeln, gedeihen, gegen, gelingen, geordnet, gestalten, Gerechtigkeit, gleich tun, gliedern
H
Handeln, handwerklich, haftbar sein, hart sein, hauen, hasten, hau-ruck, herausfordern, herhalten müssen, herstellen, herrschen, hetzen, hervorbringen, hinterher sein, hüten
I/J
Im Auge behalten, imstande sein, in die Wege leiten, instruieren, intervenieren, jagen
K
Kämpfen, klappern, klar, klarlegen, klären, klappen, knuffen, Kontra geben, kontrollieren, kommandieren, korrekt, können, Körper, körperlich, krachen, kraftvoll, kräftig, kriegen, kritisieren, Kumpel
L
Laufen, leiten, leisten, loslegen, lotsen
M
Machen, Macht haben, Malen nach Zahlen, marschieren, maunzen, meistern, moralisch, motivieren, mustern, mutig sein, müssen
N
Nachahmen, nachmachen, nachgehen, nacheifern, nachrechnen, nein sagen, nichts, nie, niemals, nörgeln, nutzen
O
Ordnung schaffen, ordentlich, ordnen, organisieren
P
Packen, perfekt können, pflichtbewusst, pingelig, plädieren für, planen, planmäßig, Pläne schmieden, polieren, poltern, putzen, prächtig, prägen, prahlen, praktisch, praktisch tätig sein, praktizieren, produzieren, provozieren, prüfen, prügeln, putzen
Q
Qualität, Quantität, quengelig
R
Ratschläge geben, rechnen, rechtfertigen, regeln, regelmäßig, regieren, reinigen, reißen, relativierend, rennen, respektieren, reüssieren, ringen, riskieren, robust, rufen, ruppig, rührig sein
S
Sagen, sauber machen, säubern, schaffen, schimpfen, schießen, schön machen, schlagen, schubsen, Schuldigkeit tun, schreien, sich anstrengen, sich abgrenzen, sich auszahlen, sich betätigen, sich dazwischenschalten, sich einsetzen, sich erheben, sich nicht einlassen, sich trauen, sich verbeißen, sich fortbilden, sich fortbewegen, sich qualifizieren, sich verbeißen, sich verschreiben, sich verpflichten, sich weigern, sich widmen, sollen, sputen, stampfen, standhaft, stark sein, strampeln, streiken, streiten, stürmen, Sympathie
T
Tapferkeit, testen, toben, trainieren, trampeln, treten, tun
U
Übermut, überreden, überrollen, überprüfen, umtreiben, ungeduldig, ungut, unnahbar sein, unschön, unsanft, unterdrücken, unternehmen, untersagen, untersuchen, unterweisen, urteilen
V
Verantworten, verbieten, verdienen, verdrücken, vereiteln, verfolgen, verhindern, verlangen, verneinen, verrichten, verschönern, versorgen, versprechen, verursachen, verwahren, verwehren, verwenden, viel, vom Zaun brechen, Vorrat, vorschreiben, vorwärts
W
Wagen, wehren, wetteifern, werten, Wert haben, Wettrennen, Widerrede geben, wirken, wollen, wütend
X/Y/Z
Zack- zack, zanken, zählen, zeigen, Ziele, zielen, zielstrebig, ziehen, zornig, zuverlässig, zuwege bringen

Redaktion: Gerhard Wißt


l) Textbeispiele zum HTN

Literaturzitat zum Handlungstyp-Naturell (Untertyp Denker):
„Mr. Utterson, der Advokat, war ein Mann mit schroffen Gesichtszügen, die niemals von einem Lächeln erhellt wurden; kalt, kurz angebunden und befangen im Gespräch; zurückhaltend in seinen Empfindungen; hager, lang, verstaubt, finster und doch irgendwie liebenswert. Im Kreise seiner Freunde und wenn der Wein ihm mundete, strahlten seine Augen etwas ungemein Menschliches aus; etwas freilich, das nie den Weg über seine Lippen fand, das aber nicht nur aus dem stillen Mienenspiel nach Tisch sprach, sondern häufiger und deutlicher aus den Taten seines Lebens. Er war streng gegen sich selbst: trank Gin, wenn er allein war, um seine Vorliebe für einen guten Tropfen zu kasteien, und obwohl er am Theater Gefallen fand, hatte er seit zwanzig Jahren keinen Fuß mehr in eines gesetzt.“ (Robert Louis Stevenson: Dr. Jekyll & Mr Hyde, 1. Kapitel, Anfang)

Und nochmal eine Handlungstyp-Naturell-Beschreibung:
„Grekow! Was für eine erstaunliche Mischung aus Kraft, Kühnheit, herrischem Wesen und Sinn fürs Praktische!" (Wassili Grossman, Leben und Schicksal, S. 311)

"Am Rand der kleinen, kleinen Stadt lag ein alter verwahrloster Garten. In dem Garten stand ein altes Haus und in dem Haus wohnte Pippi Langstrumpf. Sie war neun Jahre alt und wohnte ganz allein da. Sie hatte keine Mutter und keinen Vater und eigentlich war das sehr schön, denn so war niemand da, der ihr sagen konnte, dass sie zu Bett gehen sollte, gerade wenn sie mitten im schönsten Spiel war, und niemand, der sie zwingen konnte, Lebertran zu nehmen, wenn sie lieber Bonbons essen wollte." (Astrid Lindgren: Pippi Langstrumpf)
"In diesem Augenblick erschien der Fuchs.
"Guten Tag", sagte der Fuchs.
"Guten Tag", antwortete höflich der kleine Prinz, der sich umdrehte, aber nichts sah.
"Ich bin da", sagte die Stimme, "unter dem Apfelbaum ..."
"Wer bist du?" sagte der kleine Prinz. "Du bist sehr hübsch ..."
"Ich bin ein Fuchs", sagte der Fuchs.
"Komm und spiel mit mir", schlug ihm der kleine Prinz vor. "Ich bin so traurig ..."
"Ich kann noch nicht mit dir spielen", sagte der Fuchs.
"Ich bin noch nicht gezähmt!"
(Antoine de Saint-Exupéry: Der kleine Prinz)
"Nachdem ich den Vormittag über gehackt oder auch gelesen und geschrieben hatte, badetet ich gewöhnlich noch einmal im Teiche, schwamm, um mir ein Ziel zu stecken, nach einer der Buchten hinüber, wusch den Arbeitsstaub vom Körper oder die letzte Falte, welche das Nachdenken hineingezeichnet hatte, von der Stirn und hatte nun meinen Nachmittag vollkommen frei. Jeden oder jeden zweiten Tag schlenderte ich ins Dorf, um die Neuigkeiten zu vernehmen .."
(Henry David Thoreau: Walden)


m) Tipps zur Persönlichkeitsentwicklung und Problemlösung des HTN

Entwicklungswege bauen Ressourcen aus

Ausgleichend und harmonisierend wirkt auf Menschen mit Handlungstyp-Naturell besonders die Hinwendung zu ihren kindlichen, leichten und spielerischen Seiten. Dies geschieht zum Beispiel dadurch, dass sie sich ihren Hobbys, ihrem Garten, ihren Tieren oder auch Menschen zuwenden, die ihnen besonders am Herzen liegen.
Den ‘gereiften’ Aktioniker sieht man also mit seinen Kindern oder Enkeln spielen, er hält sich regelmäßig von allem Geschäftlichen und Pflichtgemäßen fern und genießt die schönen Dinge des Lebens. Er verbringt den Samstag nicht mit Putzen, sondern beim Einkaufsbummel, im Stadion, Museum oder Kino, geht mit privaten Freunden (nicht den Geschäftsfreunden oder der Verwandtschaft) in die Kneipe, zum Wandern oder Essen. Mit viel Muße, Genuss und reichlich Herzblut kocht er, was er vorher in Ruhe auf dem Markt oder in seinem Lieblingsgeschäft selbst eingekauft hat.
Erfolgswillen, Ergebnisorientierung und Zielerreichung treten dann zu Gunsten von Lebensqualität zurück. Seine Familie, Menschen, die er liebt, oder kulturelle Höhepunkte gewinnen an Anziehungskraft. Eine Vernissage wird der Buchhaltung vorgezogen, den Sonntagmorgen verbringt er gemütlich im Bett oder auf dem Balkon. Gedanken an die Arbeit schiebt er konsequent beiseite und freut sich an seiner Ruhe. Diese Haltungen springen dann immer häufiger auch auf geschäftliche Dinge über: Man sieht ihn selbst in intensiven Verhandlungen lächeln, er arbeitet mit Liebe an dem, was ihm wichtig ist und nicht nur an dem, was Geld einbringt. Er zeigt mehr und mehr kindliche Freude an dem, was er tut und an den Menschen, die er bei der Arbeit trifft. Gegenüber Kollegen, Kunden und Lieferanten, ja sogar gegenüber dem Finanzamt kann er zunehmend friedlich auftreten und seine Argumente ohne großes Getöse einsetzen. Kaum etwas bringt ihn dann noch aus der Ruhe, er sieht schneller das Positive an einer Situation, auch im vordergründig Ärgerlichen oder in Misserfolgen.

In seinen Beziehungen lässt der ‘fortgeschrittene’ „Rote“ mehr sein Herz sprechen, Pflichtbewusstsein und Verantwortungsgefühl haben nicht länger automatisch die Oberhand. Er kann Nähe und Schwäche zulassen, auf Zuwendung positiv reagieren, verzeihen, gnädig sein, locker lassen. Gelegenheiten, zwischenmenschliche Kompetenzen einzubringen, reizen ihn mehr als früher, er genießt es, Emotionen zunehmend auch im Lieben und nicht nur im Angriff auf vermeintliche Gegner zu erleben. Er geht früher zum Arzt, wenn er Schwachstellen bemerkt, reduziert seine Medikamenteneinnahme und seinen Konsum an Alltagsdrogen.


Eher förderliche Leitsätze
Es ist gut genug.
Sympathie ist manchmal wichtiger als Erfolg.
Höre auf dein Herz und deinen Bauch.
Aus der Ruhe kommt die Kraft.
Weniger Druck könnte auch reichen.
Es geht immer auch anders.
Ich bin in Ordnung, wie ich bin - der andere auch.

Eher hemmende Leitsätze:
Nein, das probiere ich erst gar nicht aus.
Ich will das gar nicht hören.
Viel hilft viel.
Zuviel Rücksicht schadet.
Von Schönheit allein kann niemand leben.
Sentimentalitäten können wir hier nicht gebrauchen.
Hauptsache sauber und ordentlich erledigt.
Es gibt immer was zu tun.

Fallen für HTN
1. Nein, das probiere ich erst gar nicht aus.
2. Ich will das gar nicht hören.
3. Auf Hilfe kann ich verzichten.
4. Viel hilft viel.
5. Das muss jetzt durchgestanden werden.
6. Zuviel Rücksicht schadet nur.
7. Von Schönheit allein kann niemand leben.
8. Was interessieren mich andere Menschen.
9. Sentimentalitäten können wir hier nicht gebrauchen.
10. Hauptsache sauber und ordentlich erledigt.
11. Hier muss nach Recht und Ordnung vorgegangen werden.
12. Es gibt noch viel zu tun, packen wir es an.

Bremsen und Fallschirme für HTN
1. Lass es gut sein. Es ist genug.
2. Sympathie ist manchmal wichtiger als Erfolg.
3. Höre auf dein Herz und deinen Bauch.
4. Leben und leben lassen.
5. Frieden schadet auf keinen Fall.
6. Aus der Ruhe kommt die Kraft.
7. Was würde ein Kind hierzu sagen?
8. Weniger Druck könnte auch reichen.
9. Es geht immer auch anders.
10. Ich bin in Ordnung, wie ich bin - der andere auch.
11. Jedem seine Meinung - mir meine Ruhe.
12. Leben ist mehr als Arbeit.

Bsp. für Sympathietiere des HTN
1. Schmetterling
2. Delfin
3. Äffchen (Schimpanse)
4. Hase, Kaninchen
5. Katze, Kätzchen
6. Verspieltes Hundejunges
7. Papagei
8. Schwalben
9. Bärenjunges
10. Robben, Seehunde
11. Zierfische
12. Singvögel

Wiederholungsfehler des HTN
- zu viel arbeiten                 
- Privates zurückstellen        
- die Lebensfreude verlieren        
- zu wenig schlafen        
- Beziehungen fürs Geschäft opfern       
- Hobbys unterdrücken

Was Menschen mit HTN gut tut
gute Beziehungen aufbauen (auch zu Kindern, Tieren, Pflanzen, Natur), Hobbys pflegen und dafür Zeit nehmen (auch Spaß, Spiel, Leichtigkeit), die Ruhe genießen (Urlaub, Wochenende, Feierabend); ungestörter Schlaf; Erwartungshaltungen niedriger ansetzen

Schlüssel zur Problemlösung:
Nützliche Haltung: “Gleiches mit Gleichem - positive Kooperation”; das Positive sehen und wiederholen/vermehren; vorhandene gute Beziehungs-Ressourcen und Erfahrungen aktivieren; ‘Genug’ sein lassen; statt 100% Perfektion eher 80% anstreben


Typische Beschwerden und Lösungsmuster:
Menschen mit Handlungstyp-Naturell leiden extrem, wenn sie sich blockiert oder in ihrem Handlungsspielraum behindert sehen. Werden sie von ihren körperlichen Kräften oder ihrer seelischen Harmonie verlassen, erleben sie dies als Zumutung, die so rasch wie möglich behoben werden muss - zur Not durch einen Arzt oder Therapeuten; da sie diese jedoch eher spät aufsuchen, ist es dann meistens schon recht ernst.

Schaden fügen sich die „Roten“ häufig dadurch zu, dass sie dem Alkohol überreichlich zusprechen oder sich viel zu viel Arbeit und Verantwortung aufladen. Hier versagt regelmäßig ihre sonst gut entwickelte Fähigkeit zum ‘Nein’. Die Folgen dieser Einseitigkeiten sind nicht selten, dass das soziale Leben leidet und sie ihre kreativen, spielerischen oder genussvollen Seiten vernachlässigen. Insgesamt empfinden diese Menschen das Leben eher als einen Kampf oder eine Anstrengung denn als etwas, das Spaß macht. Sätze wie “Das Leben ist kein Ponyhof” dürften von Menschen mit dieser Bevorzugung geprägt worden sein.
 

Verschärfend kommt hinzu, dass Menschen mit HTN durch ihre Ziel- und Ergebnisorientierung häufig das schon Erreichte und damit ihre Kompetenzen vergessen, vor allem im zwischenmenschlichen Bereich. Sich diese bewusst zu machen (auch wenn sie noch nicht perfekt verfügbar sind) gehört damit zu ihren wirkungsvollsten Problemlösungswerkzeugen. Auch sollten sie ihre Ziele nicht, wie häufig beobachtet, als ‘negative Ziele’ beschreiben (etwas weg haben wollen, nicht mehr dies oder das erleben wollen), sondern sich klar machen, was sie stattdessen - als positiven Ersatz - möchten. Solche positiven Vorgaben, die Vorstellung von etwas, das noch gar nicht da ist, auf das man sich aber freuen kann, fordert und stärkt ihre eher vernachlässigte Fantasie und Vorstellungskraft. Häufig merken sie dabei, dass sie bereits einiges in diese Richtung getan haben und können dann die schon einmal erfolgreichen Rezepte wiederholen. Das Motto heißt dann schlicht ‘mehr von dem, was schon funktioniert hat’. Gelingt es so, neue Zusammenhänge zu erschließen und die Dinge in eine gute Relation zueinander zu setzen, sind die „Roten“ ihrem Ziel bereits ein großes Stück näher gekommen und ihre Lebensfreude wächst wieder.

Ein Beispiel, wie Menschen mit HTN Probleme lösen:

Vor zwölf Jahren hatte Angelika ihre Tätigkeit bei der Baufirma Maurer & Söhne begonnen. Damals war sie heimlich mit dem Geschäftsführer liiert, den sie als Kunden im Steuerbüro kennengelernt hatte. Er wollte sie möglichst oft in seiner Nähe wissen und stellte sie ein. Dass sie nicht nur eine treue Freundin, sondern auch eine tatkräftige Frau war, konnte ihm nicht lange verborgen bleiben. Wenn sie ihn spätabends aus dem Büro auf ein Glas Bier abholte und sah, dass er noch Briefe diktierte, setzte sie sich wie selbstverständlich an ihren PC und schrieb gleich mit, ohne die Stunden aufzuschreiben.

Für beide war ihre Beziehung im Grunde eine Mischung aus gemeinsamer Arbeit, Freundschaft und einer Bettgeschichte, wie sie sich jetzt im Rückblick lachend eingestehen können. Er war ledig und sie hatte ihren griesgrämigen Mann schon lange gründlich satt und nutzte jede Gelegenheit, aus dem Haus zu kommen. Doch dessen langen Krankheiten und ihr Eheversprechen hielten sie davon ab, die letzte Konsequenz zu ziehen. Es schien ihr sogar so, als ob er von ihrer Affäre wüsste und Verständnis dafür hätte. Aus Pflichtgefühl und schlechtem Gewissen erledigte sie neben der Arbeit noch den gesamten Haushalt und verbot ihrem Mann, sich hier einzumischen, was dieser auch respektierte.
Nachdem es einige Jahre in dieser Konstellation funktioniert hatte und sich alle an das Arrangement gewöhnt zu haben glaubten, streikte plötzlich ihr Herz. Zwar hatte sie schon öfters Stiche gespürt, wenn sie nach elf Stunden auf der Arbeit noch alle Fenster im Haus putzte, aber nun wachte sie nachts dadurch auf. Sie fuhr noch selbst in die Notaufnahme und versuchte, dem Arzt das Problem zu erklären, als sie das Bewusstsein verlor.

Auf die Entlassung aus dem Krankenhaus folgte eine Kur und die Ermahnung der dortigen Psychotherapeutin (zu der sie nur widerstrebend in die Sprechstunde gegangen war, weil die Schlafstörungen erneut begannen), mehr auf ihr Wohlbefinden zu achten und es mit der Arbeit auch einmal genug sein zu lassen. Über ihre privaten Geschichten hatte sie nicht zu erzählen gewagt, aber sie wusste selbst, dass ihr hier die echte Harmonie fehlte und ihr Herz sich gegen das Arrangement gewehrt hatte. Gleich nach ihrer Rückkehr ging sie zur Anwältin und leitete die Scheidung in die Wege, ihrem Freund und Chef kündigte sie und suchte sich eine Stelle, bei der sie tatsächlich nur 36 Stunden in der Woche arbeiten durfte. Sie fühlte sich wie auf Wolken, als nach dem ersten Arbeitstag dort ihr ehemaliger Arbeitgeber und künftiger Ehemann sie zu einem Theaterabend abholte. Dass sie ihn heiraten wollte, hatte sie ihm deutlich gesagt, als feststand, dass die Scheidung problemlos durchgehen würde. Soviel Ordnung musste schließlich sein und die langen Jahre an Erfahrung mit ihrem ‘Verhältnis’ waren nun wirklich ausreichend um zu wissen, worauf sie sich einließ.


Zum HTN passende Haltung für Coaches, Seelsorger, Therapeuten und Berater:
“Überholen“, d.h. klare Ansagen, deutliches Feedback, kein Blatt vor den Mund nehmen oder schonen; eher verhaltensorientierte Anregungen geben, auch durchaus eigene Ideen, da es dem HTN an neuen Ideen eher mangelt und er sowieso „Nein“ sagt, falls ihm eine davon nicht passt. Zur Not auch einmal „kämpferisch“ vorgehen, einen Streit aushalten und die eigene Position behaupten. Es kann helfen, dem HTN-Klienten seine „Nein-Haltung“ dadurch zu durchkreuzen, dass man sie selbst belegt, etwa durch einen Satz wie „Ich hätte da eine Idee, aber die werden Sie vermutlich sowieso ablehnen …“. Vermeiden: Zu privat oder zu nett sein, den Gesprächspartner schonen wollen.

Grundleiden des HTN, die in der Beratung ernst genommen werden sollten:
Nach Friedmann ist es das Grundleiden des Handlungstyp-Naturells, in Aktivitäten blockiert zu werden; außerdem rauben ihm Ungerechtigkeiten, Unordnung, körperliche Schwäche und Ohnmacht seinen „Seelenfrieden“.

Man könnte auch ergänzen (vom vernachlässigten Bereich her gesehen)
- keine emotional anspruchsvollen Beziehungen haben; keine Lebensfreude spüren; nichts Positives oder Schönes mehr erleben; das Positive an ihm wird nicht gesehen, kein Kontakt
wird gesucht, er wirkt unsympathisch
 
Typgerechtes Pacing (zum Abholen) des HTN am Beginn eines Beratungsgesprächs:
„Gleiches mit Gleichem - positiv“, das heißt: Wenn der Gesprächspartner zum Beispiel zu Beginn sehr förmlich, negativ eingefärbt oder direkt spricht, diese Haltung ansatzweise übernehmen. Keine künstliche, „therpeutisch-psychologische“ Sprache verwenden oder zu positiv bzw. persönlich werden, solange er sich nicht auf diese Ebene einlässt. Aber trotzdem – und das ist mit dem Begriff „positiv“ gemeint - bereit sein, eine Änderung zum Guten mitzumachen. - klar und deutlich reden, nicht „um den heißen Brei herumreden“.

Also:
- nicht zu psychologisch reden, eher lebenspraktisch
- nicht zu positiv, privat oder emotional werden
- wenn der Gesprächspartner eher praktisch und wenig emotional spricht, darauf einsteigen und offensiv versuchen, ihn auf die emotionale Ebene aufmerksam zu machen (HTN starten gerne auf der praktischen Ebene, weshalb sie gut auf Erfahrungswerte, klare Tipps oder Verhaltensvorschläge ansprechen). Sie sagen auch zu Vorschlägen oder Anregungen, die ihnen nicht gefallen, leicht „Nein“, weshalb man sich entgegen den häufig gehörten therapeutischen Regeln, keine Vorschläge zu machen, durchaus Anregungen unterbreiten darf. Sie nehmen nur das an, was ihnen zusagt und sind eher dankbar für neue Ideen bzw. formen sie dann so um, dass sie zu ihren eigenen Anliegen passen.

Bei Menschen mit HTN kann man auch auf dem Ziel herumreiten, Ergebnisse einfordern, das Übel der Welt ansprechen, sich darüber ärgern, zuerst das Schlechte an einer Sache sehen oder Vorschläge negativ formulieren (“Sie werden diese Idee jetzt bestimmt unpassend finden …”). Das entspricht ihrem Wahrnehmungs- oder Denkschema und hilft, dass sie sich verstanden fühlen.

Die praktische Erfahrung und Beobachtung zeigt, dass es von Gesprächspartnern als angenehm erlebt wird, sie zunächst auf „ihrer Ebene“ abzuholen und erst wenn sich dort keine Lösungsansätze oder Ideen finden (sofern gewünscht), auf eine andere, bisher vernachlässigte Ebene zu wechseln. Häufig ist es so, dass der bevorzugten Gesprächsebene eine eher vernachlässigte gegenübersteht – und dass eben diese vernachlässigte Ebene dann entscheidende Unterschiede bewirkt.



Startpunkt und Ablauf im „Leitdreieck“ für HTN
Bei der Problemlösung hilfreich kann es zudem sein, einem Muster zu folgen, das als ‘Leitdreieck’ seit vielen Jahren erfolgreich eingesetzt wird: Hier lassen sich Interventionen aus verschiedenen Methoden einfügen und so das Gespräch gemäß der jeweiligen Bevorzugung führen, z.B. mit lösungsorientierten Interventionen im Sinne von Steve de Shazer wie Kompetenzfragen, die weg vom angestrebten Ziel und hin zu den vorhandenen Kompetenzen und Ressourcen führen, z.B.: Was haben Sie denn schon herausgefunden, das Sie dem angestrebten Ziel näher bringt oder auch nicht? Gibt es positive Ausnahmen in Ihrem Leben oder im Leben anderer, was in dieser Richtung funktioniert?



Zuordnung von Lösungswerkzeugen zum HTN
 
Aus den im Buch „99 Lösungswerkzeuge“ vorgestellten Interventionen bzw. Universalschlüsseln könnten folgende als für Handlungstyp-Naturelle besonders erfolgversprechend angesehen werden (Details bitte dort unter den angegebenen Kapitel-Nummern nachlesen; eine PDF-Version des Buches ist kostenlos im Downloadbereich auf www.naturellwissenschaft.org erhältlich, ein E-Book bei Amazon-Kindle).

2. Ausnahmen suchen (und zur Lösung nutzen)
5. Beziehungen nutzen
9. Etwas anderes machen
11. Etwas Verrücktes machen
17. Gegenüber (‘Beichte’)
21. Gleiches mit Gleichem – positiv
24. Haltungsänderung
25. Humor
26. Hypothetische Lösungen
32. Kompetenzen nutzen
34. Kooperieren, Nachgeben
40. Mehr von dem, was funktioniert
45. Musterunterbrechung
47. Neugier
48. Neu anfangen
65. Skizzen, Schaubilder (Zusammenhänge)
66. So tun, ‘als ob’
69. Stattdessen
71. Symptomverschreibung
73. Tagträumen (Eigenhypnose)
74. Tierbilder als Anker nützlicher Haltungen
84. Unterschiede wahrnehmen
88. “Was haben Sie vergessen?”
96. Ziele trennen/einzeln angehen
99. Zwingen (sich zwingen)


Gesprächsprotokoll zur Illustration des „roten“ Interaktionsverhaltens (aus dem Buch „99 Lösungsgespräche“)

Kapitel 21.: Panzer oder Anakonda - ein deutlicher Unterschied

Gesprächskoordinaten:
Name: Herr Grabowsky
Gesprächspartner: Herr Gill, sein Trainer
Gesprächsebene (zu Beginn): praktisch
Gesprächseinstieg: Zielformulierung
Naturell Herr Grabowsky: Handlungstyp (Aktioniker), Fühler
Verwendete Lösungswerkzeuge: Ausnahmen suchen (2), Haltungsänderung (24), nützliche Fragen (50), Tierbilder als Anker (74), typgerechte Lösungen (78), Unterschiede wahrnehmen (84)

Ausgangslage:
Herr Grabowsky ist Leistungssportler und im letzten Jahr deutlich hinter den gewohnten Ergebnissen zurück geblieben. Mit seinem Trainer, Herrn Gill, verbindet ihn eine langjährige Zusammenarbeit und eine persönliche Freundschaft. Sie siezen sich trotzdem, aus Respekt vor ihrer beruflichen Zusammenarbeit, wie sie sagen.

Herr Grabowsky: Guten Morgen, Herr Gill. Haben Sie ein paar Minuten für mich, bevor wir mit unserem Training beginnen?
Herr Gill: Aber klar doch, für Sie immer. Was liegt denn an?
Herr Grabowsky: Ich möchte nicht mehr so weiter machen wie bisher. Wir müssen etwas in unserer Arbeit verändern.
Herr Gill: Was genau stellen Sie sich vor?
Herr Grabowsky: Das kann ich noch nicht sagen. Irgendwie fühle ich mich überfordert und unterfordert gleichzeitig.
Herr Gill: Okay. Wann war es denn für Sie zum letzten Mal wenigstens im Ansatz so, dass Sie sagen würden: „Mehr davon!“?
Herr Grabowsky: Gute Frage. Hm. In unserer Arbeit eigentlich gar nie. Aber wenn ich beim Hendrik und seiner Trainerin zuschaue, denke ich manchmal: So müsste ich das auch machen.
Herr Gill: Verstehe. Was genau macht aus Ihrer Sicht denn den Unterschied aus?
Herr Grabowsky: Das ist schwer zu sagen. Auf jeden Fall höre ich die öfters lachen und der Hendrik wirkt viel lockerer als ich, glaube ich.
Herr Gill: Aha. Aber der ist auch fünf Jahre jünger und steht nicht so unter Druck wie Sie. Meinen Sie nicht, dass das einen Unterschied ausmacht?
Herr Grabowsky: Nein, das ist es nicht. Denn wenn ich zuhause mit meinem Kleinen zum Spaß „trainiere“, dann lachen wir auch viel und ich fühle mich überhaupt nicht unter Druck wie hier meistens.
Herr Gill: Das ist interessant.
Herr Grabowsky: Ja, ich glaube, da bin ich dann eher so wie zur Zeit, als ich mit dem Leistungssport anfing und mein Stipendienjahr in Paris absolvierte.
Herr Gill: Also ist es mehr die innere Haltung, die den Unterschied ausmacht?
Herr Grabowsky: Ich denke schon. Weil rein körperlich bin ich eher fitter als damals.
Herr Gill: Können Sie den Unterschied in der Haltung irgendwie in Worte fassen?
Herr Grabowsky: Schwierig. Hier fühle ich mich eher wie ein Panzer – verspannt und zu statisch.
Herr Gill: Und beim Üben mit Ihrem Sohn?
Herr Grabowsky: Da albern wir meistens herum, aber der Trainingseffekt ist am Ende ähnlich. Ein Panzer bin ich da jedenfalls nicht.
Herr Gill: Sondern?
Herr Grabowsky: Lassen Sie mich überlegen (macht einige Übungsbewegungen und spürt in sich hinein). Das fühlt sich eher an wie eine Schlange, glaube ich.
Herr Gill: Oh. Das hätte ich jetzt nicht erwartet.
Herr Grabowsky: Ja, genau; so eine starke, dicke Anakonda. Konzentriert aber beweglich.
Herr Gill: Wie werden Sie denn zum Panzer und wieder zur Anakonda?
Herr Grabowsky: Es könnte sein, dass das meine neuen Spezialschuhe ausmachen. Darin habe ich mich von Anfang an nicht richtig wohl gefühlt. Zuhause üben wir barfuß oder in irgendwelchen Schlappen.
Herr Gill: Dann lassen Sie uns mal heute unsere Übungen ohne das teure Zeug versuchen, okay?
Herr Grabowsky: Ja gut. Und vielleicht verhalten Sie sich ein bisschen so, als würden wir nur zum Spaß üben.
Herr Gill: Das dürfte mir schwer fallen, aber ich werde mir Mühe geben.
Herr Grabowsky: Ein bisschen Humor halt. Sie lachen ja außerhalb vom Training auch ganz gerne.
Herr Gill: Stimmt. Ich habe mich vielleicht von Ihrem Leistungswillen anstecken lassen in letzter Zeit.
Herr Grabowsky: Gut möglich.
Herr Gill: Dann würde ich sagen, wir probieren das mal und vor der Mittagspause reden wir noch einmal, ob es besser war.
Herr Grabowsky: Prima. Dann mal los. Die Arbeit ruft.
Herr Gill: Ich dachte, wir wollten Spaß haben?
Herr Grabowsky: Na ja, Arbeit kann doch auch Spaß machen.
Herr Gill: Okay. Dann raus aus den teuren Tretern und an die Arbeit!
Herr Grabowsky: Sie aber auch. Wenn ich Sie dann barfuß sehe, werde ich gleich viel lockerer.
Herr Gill: Kein Problem. Wenn das den Unterschied macht.



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