Die Triaden im 123-Modell
Modul 035 (Die Modul-Nummern dienen nur der einfacheren Kommunikation. Sie zeigen keine Empfehlung der Reihenfolge an.)


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Modul 035: Die Triaden im 123-Modell

Begriffserklärung

Eine Triade im hier verwendeten fachlichen Sinn ist eine Kombination von drei durch Pfeile verbundenen Begriffen, die drei Kriterien erfüllen müssen:

1. Die Begriffe müssen in einem logischen Zusammenhang im Sinne von drei extremen Unterteilungen eines gemeinsamen Oberbegriffs stehen, z.B. "Ja, Vielleicht und Nein" als drei Möglichkeiten, auf eine Frage zu reagieren.

2. In Pfeilrichtung muss sich jeweils ein Prozessfortschritt oder ein Ausgleich ergeben; d.h. eine Überbetonung des einen Phänomens muss durch Nutzung des in Pfeilrichtung folgenden ausgeglichen werden; Bsp.: "Fliehen, Standhalten, Angreifen" - setzt also jemand zu sehr auf "Fliehen", wird ihm das "Standhalten" eine echte Alternative anbieten.

3. Sie müssen sich einigermaßen sinnvoll den drei "Grundfarben" oder "Charakteren" des 123-Modells zuordnen lassen (also zu Gelb, Blau oder Rot). Dies geschieht durch logische Zuordnung, durch die Beobachtung, z.B. von Lösungsprozessen und den fachlichen Austausch.


Beispiele für Triaden




In diesen Triaden steht jeweils der "gelbe" Begriff oben, der "blaue" rechts und der "rote" links. 


Geschichte

Die erste fast komplette Triade tauchte 1993 im Buch von Dietmar Friedmann "Laß dir nichts vormachen!" auf und war den drei Grundtypen fest zugeordnet; hier für den Handlungstyp (Aktioniker) - wobei sie nicht "geschlossen" war, also die Verbindung zwischen "Erkennen" und "Handeln" fehlt.



Die oben gezeigten (vollständigen) Triaden finden sich so erstmals 1999 im Lehrheft "Kurze Einführung in die Psychographie nach Dietmar Friedmann" (von Werner Winkler). Friedmann selbst hat augenscheinlich nicht gemerkt, dass er neben seinen drei Grundtypen auch das Phänomen dieser Triaden entdeckt hat und diese sich von gewöhnlichen Dreiecken (wie dem "Drama-Dreieck" von Stephen Karpman, das Friedmann überhaupt erst zu seinen Innovationen inspirierte) eben durch die spezielle Zusammenstellung, Anordnung und Verbindung der Begriffe abheben.

Die ausführliche Entwicklungsgeschichte der Triaden von 1990-2009 ist in "Varianten psychographischer Landkarten" dargestellt (kostenlos downloadbar auf www.psychographen.de/downloads)


Philosophischer Hintergrund

Die Grundgedanken des 123-Modells basieren nicht auf Gegensatzpaaren (schwarz-weiß, gut-böse, Mann-Frau usw.), sondern auf Triaden. Schon sehr früh in der Philosophiegeschichte hat der ‘Trialismus’ als Alternative zum ‘Dualismus’ Befürworter gefunden. Dieser Ansatz wurde aber durch Lehren der griechischen, der jüdisch-christlichen  und der chinesischen Philosophie, die zum Teil auf dualistischen Vorannahmen aufbauen, immer wieder in den Hintergrund gedrängt.

Trotzdem hat sich die Idee einer Dreiteilung in vielen Weltanschauungen erhalten: in der christlichen Theologie (‘Dreieinigkeit’), der Bhagavad Gita (drei ‘Gunas’), im indischen Yoga (das ‘Drei-Kreis-Symbol’), im Ayurveda (“drei Doshas: Vata, Kapha, Pita”) im Hinduismus (die drei Gottheiten ‘Brahma, Vishnu und Shiva’) und bei Lao-Tse*. In der Physik unterscheidet man drei Aggregatzustände (flüssig, fest, gasförmig), in der Mathematik drei räumliche Ausdehnungen (Länge, Breite, Höhe) und in der Farbenlehre drei Grundfarben (blau, rot, gelb). Die deutsche Sprache kennt drei Geschlechter (männlich, weiblich, sächlich). Diese Liste ließe sich noch um einiges verlängern; der Künstler und Philosoph Janosch fasste es so: “Im Grunde genommen könnte man alles in drei Kategorien teilen.”** Und der Dichter Erich Fried rät denjenigen, die sich im Zwiespalt (!) zwischen Kopf und Herz gefangen sehen: “geh zwischen beiden den heimlichen Weg”. 
 
Bei der Suche nach den ‘Dritten Alternativen’ geht es darum, eine bestimmte Ebene des Erlebens nach allen Richtungen auszuschöpfen, alle Möglichkeiten wahrzunehmen. Gelingt uns dies nicht, bleibt der ‘blinde Fleck’. 

Längere Zeit war unklar, wie Friedmann auf die Möglichkeit einer Dreiteilung und der darauf aufbauenden Bewegungsrichtung gekommen war. Dann erinnerte er sich jedoch daran, dass ihm während einer Ausbildung in Transaktionsanalyse das damals neue “Dramadreieck” von Stephen Karpman vorgestellt wurde (‘Retter, Opfer, Verfolger’) und er sich fragte, ob seine Ausbildungskollegen wohl eine der drei Möglichkeiten vor den anderen bevorzugten bzw. vermieden (also eine Lieblings- und eine Vermeidungsrolle hätten). Diesen Verdacht fand er bestätigt und so entstand die Idee, auch die später entwickelten Persönlichkeitstypen in dieser Struktur einzubinden.

Friedmann nannte Menschen, die nur zwei von drei Möglichkeiten in Betracht ziehen, “zweidimensionale Persönlichkeiten”, diejenigen, die alle drei Möglichkeiten ausschöpfen hingegen "mehrdimensional" (siehe in der Zeichnung oben zum "mehrdimensionalen Handlungstyp").     

* “Das Eine schafft die Zwei, die Zwei schafft die Drei: Die Drei aber schafft die abertausend Geschöpfe.” Tao-te-king, 42.Spruch; dt. von Jan Ulenbrook (in Tao-tê-king, UB20067) ** Janosch: Wörterbuch der Lebenskunst, zum Stichwort: Menschen (Goldmann 44864)


Anwendung

Die Kenntnis möglichst vieler Triaden und deren Zuordnung zu den drei Hauptgruppen ermöglicht ein rascheres Erkennen der vermuteten Zuordnung (auch durch die sich wiederholenden Sprachmuster, Haltungen und Verhaltensweisen). Sagt also jemand ständig "Ja", liegt der Verdacht nahe, dass er zur "Ja-Gruppe" (also den Relationikern) gehört. Genauso in der Vermeidung einer "Triaden-Ecke": Hört man nur selten ein klares "Nein" von einem Kollegen, besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass er zu den "Vielleicht-Menschen" (also den Temporikern) zu rechnen ist.

Im Coaching und im Persönlichkeitstraining helfen uns die Triaden, blinde Flecken zu vermeiden und Übertreibungen abzumildern - also z.B. dem Aktioniker, sich öfters auf ein "Ja" einzulassen und nicht automatisch in die "Nein-Ecke" zu gehen.

Triaden bieten also Gelegenheit, auf die Ausgewogenheit zwischen den darin zusammengefassten Lebensmöglichkeiten zu achten. Die Beobachtung zeigt, dass es meist nur eine von drei Möglichkeiten ist, die wir zu wenig wahrnehmen. Hat man in einer Triade seine Bevorzugung erkannt, gilt die bekannte Abfolge:

                Bevorzugung (Stärke) >>>  Vernachlässigung (Ressource)  >>>  Ergebnisbereich (Kontrolleur)
                                        

Manchen Nutzern gelingt es leichter, ihre individuellen Bevorzugungen zu erkennen, andere finden schneller ihre Vernachlässigungen heraus. Und ab und zu wird auch am "dritten Bereich", also dem Ergebnisbereich oder Kontrolleur, deutlich, wo der eigene Startpunkt in einer Triade liegt: Angenommen, ein Temporiker vermeidet lange das "Nein" in einer Entscheidungssituation und nutzt stattdessen übertrieben lange seine Fähigkeit, im "Vielleicht" zu verharren - dann wird sein "Ja" (die Ergebnis- oder Kontroll-Ecke in der Triade) eher ein zufälliges sein, z.B. weil andere für ihn entscheiden. Gibt er jedoch ein deutliches "Nein" von sich und zeigt damit, was er nicht möchte, kann sich etwas finden, zu dem er klar und deutlich "Ja" sagen kann.

Mit jeder Triade, in der man die eigene Gewichtung bzw. Abfolge erkennt, wachsen also Selbsterkenntnis und Problemlösungskompetenz; vor allem können so individuelle Schwachstellen vorbeugend und gezielt trainiert werden.


Triadenliste 

Die genaue Wortwahl unterliegt bekanntlich einem individuellen Spielraum (z.B. könnte statt "Start" auch "Anfang" gesagt werden). Daher tauchen manche Begriffe in mehreren Triaden auf oder es sind zwei Worte zur Auswahl angegeben.


             
                                                            
Autor:
Werner Winkler



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