Untertypen und Enneagramm-Bezüge
Modul 055

 (Die Modul-Nummern dienen nur der einfacheren Kommunikation. Sie zeigen keine Empfehlung der Reihenfolge an.)


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Untertypen und Enneagramm-Bezüge

Vorbemerkung: Was sind die „Untergruppen“ bzw. „Untertypen“?
Wie in Modul 042 nachzulesen, hatte Friedmann schon in seinen ersten Veröffentlichungen Ideen zu Untergruppen vorgestellt, z.B. einen „Beziehungstyp 1“ und „Beziehungstyp 2“. Er unterschied damals, als ich bei ihm sein Modell kennenlernte, zwischen „ich-bezogenen“ und „ich-vergessenden“ Typen. Das kam mir sonderbar und unlogisch vor, da es ja drei Grundtypen waren, also ein triadisches System. Warum also nur zwei Untertypen und nicht drei? Friedmann forderte mich auf diese Frage hin auf, doch nach dem dritten Typ zu suchen, was ich die nächsten Monate dann auch (meist unbewusst) tat. Als mir auffiel, dass man statt „ich-vergessend“ auch „du-bezogen“ sagen könnte, war es nicht mehr weit bis zur Erkenntnis, dass das „dritte Element“ nach Ich und Du das Wir sein könnte.

Und tatsächlich ließ sich die Triade so schließen: Wer das Du bevorzugt, vernachlässigt das Ich; der Ich-Bevorzugende vernachlässigt das Wir und der Wir-Typ vernachlässigt das Du.

Während des Frühjahrs und Sommers 1999 dachte ich viel über die Struktur des Friedmann’schen Modells nach und wurde das Gefühl nicht los, dass da noch etwas nicht optimal war. Denn wenn es im Bereich „Beziehung“ drei Untergruppen gab, warum dann nicht auch bei den Sach- und Handlungstypen? Damals war es noch so, dass den Beziehungstypen das Fühlen und die Gegenwart, den Sachtypen das Denken und die Vergangenheit und den Handlungstypen das Machen und die Zukunft zugeordnet war – also fix, so dass aus der einen Bevorzugung auf die anderen beiden geschlossen werden konnte (und zurück). Hatte man also jemand etwa als „Denker“ identifiziert, schien klar, dass er auch Sachtyp und vergangenheitsorientiert sein musste. Dies traf jedoch augenscheinlich in vielen Fällen nicht zu, was meine Unzufriedenheit und gleichzeitig meinen Forscherdrang stimmulierte.

Irgendwann schrieb ich dann alle zwölf Begriffe auf einzelne Kärtchen, setzte mich auf den Boden meines Arbeitszimmers und spielte wie ein Kind damit herum. Dabei tauchte irgendwann das Muster auf, das ich dann als „Landkarte“ erkannte und durch das klar wurde, dass ich die beiden Triaden „Fühlen/Denken/Machen“ und „Gegenwart/Vergangenheit/Zukunft“ ebenso wie die „Du/Ich/Wir“-Triade ganz von den Grundtypen lösen und als eigenständige Ebenen sehen musste - mit der Konsequenz, dass bei der Analyse auch hier einzeln abgefragt und erforscht werden musste, wo sich die Gewichtung des Gesprächspartners befand. Natürlich fing ich bei mir selbst an und als mir klar war, dass ich zwar ein Beziehungstyp, jedoch auch Denker, zukunftsorientiert und wir-bezogen war, wurde mir auch klar, weshalb mir die Tipps, die in Friedmanns Büchern standen, nur teilweise nützlich schienen: Weder der Rat an die Fühler, mehr zu denken noch an die Gegenwartsorientierteren, die Vergangenheit stärker zu beachten, passten auf mich.

Die erste Zeit nach dieser Entdeckung war extrem spannend, vor allem die Gespräche mit denjenigen Kolleginnen und Kollegen, die das Friedmann’sche Modell schon kannten und für die meine Neuerungen viele Aha-Erlebnisse brachten. Leider ließ sich Friedmann selbst nur auf die Triade „Du/Ich/Wir“ ein, nicht jedoch auf die weitergehenden Änderungen. Er bevorzugte stattdessen, bei neun Typen zu bleiben und die Verbindung zum Enneagramm zu suchen.

Jahre später fiel mir auf (während ich die „Häuschen“ entwickelte), dass man auf dieser Basis ebenfalls neun Gruppen unterscheiden konnte - nämlich die neun unterschiedlichen Belegungsoptionen des größten Raumes im Haus (dem 9er-Raum). Es könnte durchaus sein, dass die Entwickler des Enneagramms eben diese Gesetzmäßigkeit entdeckt hatten, ohne sie logisch begründen zu können.  

Denkbar wäre folgende Gegenüberstellung:
Du-Verbundene mit Beziehungstyp-Naturell (Du 9) = Enneagramm-Typ 2
Ich-Verbundene mit Beziehungstyp-Naturell (Ich 9) = Enneagramm-Typ 3
Wir-Verbundene mit Beziehungstyp-Naturell (Wir 9) = Enneagramm-Typ 4

Gegenwartsorientierte mit Sachtyp-Naturell (Gegenwart 9) = Enneagramm-Typ 5
Vergangenheitsorientierte mit Sachtyp-Naturell (Vergangenheit 9) = Enneagramm-Typ 6
Zukunftsorientierte mit Sachtyp-Naturell (Zukunft 9) = Enneagramm-Typ 7

Denker mit Handlungstyp-Naturell (Denken 9) = Enneagramm-Typ 8
Macher mit Handlungstyp-Naturell (Machen 9) = Enneagramm-Typ 9
Fühler mit Handlungstyp-Naturell (Fühlen 9) = Enneagramm-Typ 1

Interessanterweise tauchen sogar die drei Grundtypen auf, nämlich als „Triaden“, wie im Wikipedia-Artikel zum Enneagramm nachzulesen:

    •    Bauch-Typen (Instinkttriade): 8, 9 und 1,
    •    Herz-Typen (Gefühlstriade): 2, 3 und 4,
    •    Kopf-Typen (Denktriade): 5, 6 und 7.

Die „Bauch-Typen“ wären die Handlungstyp-Naturelle, die „Herz-Typen“ die Beziehungstyp-Naturelle und die „Kopf-Typen“ die Sachtyp-Naturelle. Das Problem beim Enneagramm ist jedoch, dass es keine schriftliche Urquelle gibt und die verschiedenen Autoren die neun Gruppen zum Teil sehr unterschiedliche beschreiben. Zudem bildet die Verkürzung auf neun Gruppen die im Folgenden beschriebenen neun Untergruppen insofern nicht ab, dass es (wenn ich mit meinem Modell der Wirklichkeit einigermaßen gerecht werden), eben nicht neun, sondern 81 Kombinationen der Naturellmerkmale gibt.

Autor:
Werner Winkler


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