Das "Gesamtbild"
Modul 056  (Die Modul-Nummern dienen nur der einfacheren Kommunikation. Sie zeigen keine Empfehlung der Reihenfolge an.)


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Das "Gesamtbild"


Ganz grundsätzlich ließen sich drei Vorgehensweisen zur Zuordnung eines Menschen zu einer der Naturellgruppen unterscheiden:
a) ein objektiver Test (eine Art epigenetischer Bluttest etwa – den es aber noch nicht gibt)
b) die im nächsten Kapitel behandelte konsensuelle Naturellanalyse (die recht gut funktioniert, aber ein gewisses Training braucht)
c) eine eher intuitive Vorgehensweise (wie sie Dietmar Friedmann in den Jahren zeigte, als ich bei ihm lernte); auf diese möchte ich hier eingehen.

Wenn wir uns vergegenwärtigen, dass „Intuition“ vor allem ein unbewusster Zugriff auf eine Menge gesammelter Informationen bzw. Erfahrungen darstellt, wird klar, warum die intuitive Vorgehensweise eher nichts für Anfängen im Thema ist. Die Gefahr ist groß, dass man sich von wenigen, hervorstechenden Einzelmerkmalen verleiten lässt (z.B. beim Anblick von parallelen Handbewegungen nur noch an einen Handlungstypen denkt, aber vergisst, dass manche Menschen solch ein Verhalten gewohnheitsmäßig oder als antrainierte rhetorische Geste zeigen, wenn sie Reden halten). Friedmann ließ Teilnehmer seiner Kurse gerne in einem Gang auf und abgehen, um anhand ihrer Bewegungen auf ihren Typus zu schließen. Er konnte aber kaum in Worte fassen, was genau er da beobachtete. Es war wohl schlicht „das Gesamtbild“.

Dieses „Gesamtbild“ eines Menschen - ob nun in Bewegung oder im Gespräch, während der Arbeit, beim Streiten, Lieben oder Briefeschreiben - zu erfassen und die wahrgenommenen Informationen hinsichtlich der Zugehörigkeit zu einer Naturellgruppe auszuwerten, braucht reichlich Erfahrung. Diese kann aber nicht nur aus einer Folge von Verdachtsäußerungen bestehen, sondern braucht eine Kontrollinstanz. So lange noch kein objektiver Test vorliegt, bleibt nur die konsensuelle Analyse als solche übrig. Beide Informationsquellen - intensive Beobachtung und intensiver Austausch im Gespräch während der Analyse - müssen also zusammenkommen, um einen Fundus zu bilden, aus dem sich dann die Intuition bedienen kann.

Praktisch gesprochen: Ein Klient meldet sich für ein Coaching am Telefon. Mein erster Eindruck auf Grund seiner Sprechweise und seiner Fragen lässt mich an ein Handlungstyp-Naturell denken. Im Gespräch dann, während wir seine Themen bearbeiten, wird es immer deutlicher, dass meine Intuition wohl richtig lag. Später dann, beim zweiten Termin und der Gelegenheit zur ausführlichen Analyse, bestätigen sich der erste und zweite Eindruck und meine „Sammlung“ ist um ein Beispiel reicher. Da ich seit 1999 sicher mehrere Hundert Analysen (ich zähle sie nicht) durchgeführt habe, ist meine Intuition inzwischen bei geschätzt 90% Treffergenauigkeit: Dies bedeutet, dass ich in ca. neun von zehn Fällen nach einer kurzen Begegnung von 1-2 Minuten mit meiner Vorhersage „richtig“ liege, was bei einer Naturellanalyse bezüglich des Grundtyps herauskommen wird.

Zusätzlich habe ich noch etwas Interessantes beobachtet und auch schon darüber geschrieben: Wenn mich ein mir noch unbekannter Mensch an jemand erinnert, den ich schon recht gut kenne und auch vom Naturell her analysiert habe – dann zeigt sich sehr oft, dass beide auch in ihrer Naturellgruppenzugehörigkeit übereinstimmen. Oft bis zu den Untertypen. Auch diese „Fähigkeit“, nämlich alleine aus dem vergleichenden Eindruck auf das Stärken-Profil zu schließen, wächst seit Jahren. Trotzdem ist es schwer, genau zu beschreiben, was ich da sehe und beobachte: natürlich der Gang, die Mimik, die Geschwindigkeit. Aber auch die Wortwahl, die Themenauswahl, die Art der Reaktion auf Sätze von mir. Vielleicht auch kleinste Hinweise wie die sich hebenden Augenbrauen, eine bestimmte Art, die Nase zu rümpfen, zu schauen, zu lachen, zu riechen? Ich vergleiche es gerne mit unserer Fähigkeit, ein Tier oder eine Automarke im Bruchteil einer Sekunde zu erkennen: wir machen weder eine Genanalyse noch schauen wir auf das Markensignet am Heck. Unser Gehirn vergleicht einfach das neue Bild mit „allen“ schon gespeicherten und meldet dann (zu unserem Thema) etwa: Das ist jemand, der mich an meine Kollegin Angela Zeugner erinnert, also rechne mal vorsorglich damit, dass du es mit dem gleichen Stärken-Profil oder Naturell wie bei ihr zu tun hast.

Ich vermute, dass alle Menschen etwas Ähnliches machen, nur eben unbewusst und ohne erklären zu können, was da abläuft. Denn das Sich-Einstellen auf einen anderen (auch und gerade auf sein Naturell), scheint für das Überleben einen Vorteil mit ausreichend großer Bedeutung zu sein, dass das Gehirn sich die Mühe macht, Eindrücke zu speichern und zu vergleichen. Es ist ja wahrscheinlich, dass die Naturellunterschiede seit Beginn der Menschwerdung existieren und uns im Zusammenleben beeinflussen. Also waren diejenigen im Vorteil, die rasch das Naturell erkennen und sich auf den Fremden einstellen konnten (etwa in der Entscheidung, ob Flucht, Angriff oder Freundlichkeit angemessen sind).



Autor:
Werner Winkler


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