"Prinzipiell unentscheidbare Fragen"
Modul 060  (Die Modul-Nummern dienen nur der einfacheren Kommunikation. Sie zeigen keine Empfehlung der Reihenfolge an.)


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„Prinzipiell unentscheidbaren Fragen“

Über die Entstehung von Wirklichkeitsbildern: die “prinzipiell unentscheidbaren Fragen” des Heinz von Foerster


Eine falsche Antwort ist leicht festzustellen, aber es braucht Originalität, um eine falsche Frage zu entdecken. (Antony Jay)

Was ist das Ziel in der Philosophie? – Der Fliege den Ausweg aus dem Fliegenglas zeigen.
(Ludwig Wittgenstein)


Im Buch “Teil der Welt” (Carl Auer, Heidelberg: 2002) von Heinz von Foerster versucht er - im Gespräch mit Monika Bröcker - das Phänomen der “prinzipiell unentscheidbaren Fragen” zu erklären.

“Zu meiner Haltung gehört, dass der Metaphysik wieder ein guter und klar sichtbarer Boden gegeben wird; und Metaphysik nicht ununterbrochen zum Fenster hinausgeschmissen wird, weil viele Leute sie missbraucht haben, um gewisse Ideen zu verkaufen, die anders nicht verkäuflich sind.” (S. 6)

“Das ist diese Sache mit ‘prinzipiell unentscheidbar’. Ständig entscheiden wir, ohne es zu merken, prinzipiell unentscheidbare Fragen. Deswegen kriegen sich die Leute immer in die Haare; denn jeder behauptet: ‘Ich habe Recht.’ Dass da eine Freiheit existiert, wenn man unbeantwortbare, unentscheidbare Fragen beantwortet, sehen nur sehr wenige Leute; (...) Vielen Leuten fällt gar nicht auf, dass sie eine Entscheidung getroffen haben. Daher glauben sie, sie sind im Besitz der wirklichen Wahrheit. Sie haben nicht gemerkt, dass da eine Freiheit bestand, in der sie das Spiel entschieden haben, welches sie von jetzt an spielen wollen.”

Die Unterscheidung zwischen den “entscheidbaren”, den “womöglich entscheidbaren”  und den “prinzipiell unentscheidbaren” Fragen ist für die Naturellwissenschaft von großer Bedeutung - denn sie bewegt sich zwischen allen dreien hin- und her.

Ein Beispiel, wohin es in der Naturellwissenschaft führen kann, wenn diese Unterscheidungen nicht beachtet werden, findet sich im Forum der Psychographen, wo eine ‘Mitleserin’ in einer Diskussion schreibt (es ging darum, inwieweit Friedmanns und Winklers Modelle zusammengehören oder ob sich das eine aus dem anderen entwickelt hat):

katja/17.03.2005: “Sicher gibt es Naturgesetze, die unumgänglich sind (ob wir das nun wollen oder nicht)  :-) Aber genau das zu erkennen und nicht ständig zu versuchen, es so hinzubiegen, dass es einem paßt und sich vorallem auch noch vom Verstand her erklären lässt, das ist wirkliche menschliche resp. geistige Entwicklung (...) ich erkenne Ihre "Entwicklung" eben nicht als "Weiterentwicklung", sondern als eine Umformung aus mangelndem Verständnis der dahinterliegenden Gesetze. Ich sehe es eher als ein "Zurechtbiegen", in der Weise, die ich in meinem vorherigen statement schon genannt habe.

werner/17.03.2005:    @ Katja: Wir scheinen hier unterschiedlicher Meinung zu sein: Für mich ist jede Typologie in gewisser Weise "willkürlich", also - im philosophischen Sinne - eine "prinzipiell unentscheidbare Frage".
    
In der Folge kann jeder seine Landkarte zeichnen, wie er es für passend hält. So verstehe ich auch Friedmann. Jedoch passen manche Modelle eben "besser" als andere, sind leichter kommunizierbar oder lassen praktische Schlüsse zu, die einen Unterschied hervorrufen. Ich lehre mein Modell seit Ende 1999 und habe (ohne Mitzuzählen) sicher mehrere hundert Seminarteilnehmer vor mir gehabt. Die allermeisten haben es gut verstanden und sich auch gerne in die "Untertypen" einteilen lassen (nur hier entstehen ja die deutlichen Unterschiede zwischen Friedmann und mir).

Im Gegensatz dazu habe ich mit dem alten Modell regelmäßig Widerspruch geerntet, z.B. wenn ich Sachtypen pauschal als "Denker" eingruppierte (vor allem die Sachtyp-Fühler mochten das gar nicht - und Dietmar Friedmann gehört ja wohl selbst zu dieser Gruppe). Hier finde ich es z.B. sehr mutig von ihm, seine eigene, frühere Typeinschätzungen zu korrigieren.

Zu "richtig oder falsch" nochmal: Paul Watzlawick schreibt: "Der einzig gültige Maßstab für den Wert einer Methode liegt in den praktischen Ergebnissen, die sie erzielt." (in 'Lösungen') Aus diesem Blickwinkel erreichen beide Ansätze gute Ergebnisse, nur eben auf anderen Feldern.

Diese Diskussion ist im Original nachzulesen unter www.naturellwissenschaft.org im Forum unter der Rubrik “Dr. Dietmar Friedmann im Radio”.
Autor:
Werner Winkler


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