Ist der Klimakollaps noch zu verhindern, oder:

Was tust du für 1.99° C?


Vom "Klimawandel" zur "Überhitzung der Atmosphäre"

In den letzten Monaten hat sich zum Thema "Klimawandel" (ein besserer Begriff wäre "Überhitzung der Atmosphäre") womöglich Entscheidendes ereignet. Leider gehen diese Entwicklungen in den vielen Meldungen der Medien unter oder werden nicht ernst genug genommen.

Um es sehr vereinfacht auszudrücken: Das Tempo der Überhitzung hat deutlich zugenommen, ebenso der Gehalt von klimaschädlichen Gasen in der Atmosphäre (was in direktem Zusammenhang steht). Zur Zeit stehen wir bei über 400ppt CO2 in der Atmosphäre und knapp 1,4° C Erwärmung.

Wir haben jetzt beim CO2 Werte erreicht, die seit 5 Millionen Jahren nicht mehr vorkamen und steuern geradewegs auf die immer wieder beschworene 2-Grad-Grenze zu (ebenfalls ein Wert, der seit 5 Millionen Jahren nicht vorkam). Die Folgen wären schon bei diesem Wert dramatisch und viel stärker als das, was wir schon jetzt erleben.

Wenn man den Experten Glauben schenkt, kommt dann über kurz oder lang ein Punkt, ab dem ein Anstieg der Temperaturen um 5° C gegenüber dem Beginn der Industrialisierung erreicht wird, was konkret bedeutet, dass in den allermeisten Gegenden der Welt kein menschliches Leben mehr möglich sein wird – vom Verlust der Lebensräume für unzählige Tier- und Pflanzenarten abgesehen.

Ich habe nun überlegt und recherchiert, was wir ganz konkret an unserem Verhalten noch ändern könnten/müssten, um die magischen 1,99° C Erderwärmung nicht zu überschreiten und so den Klimakollaps zu verhindern – was zugegebenermaßen ziemlich schwer wird (aber theoretisch gerade noch möglich).


Berechnungsgrundlagen

Bis zur Erreichung der 2-Grad-Grenze dürfen (Stand Ende 2016) noch ca. 500.000.000.000 Tonnen (= 500 Gigatonnen oder 500 Milliarden Tonnen) CO2 in die Atmosphäre gelangen (also aus fossilen Quellen, zusätzlich zum natürlich vorhandenen CO2 im Kreislauf).

Das heißt, je Mensch (bei 7,3 Milliarden Bewohnern) noch ca. 70 Tonnen fossiles CO2 (korrekter: CO2-Äquivalent) maximal – für den Rest des Lebens inkl. aller Nachkommen, die noch nicht geboren sind.

Jeder hat also nur noch 70 Tonnen auf dem "fossilen CO2-Konto", die bis zum Lebensende reichen müssen, will man nicht für eine Erhitzung über 2 Grad direkt mit verantwortlich sein.
 

Einsparpotentiale

Im Folgenden einige Beispiele für CO2-Ausgaben, die je nach Motivation eingespart werden können – im Vergleich zu den angegebenen Alternativen, sortiert nach Einsparpotential.

1. Ernährung umstellen von fleischhaltig (6,7 Tonnen/Jahr) auf vegetarisch (1,2 Tonnen/Jahr) oder vegan (0,2 Tonnen/Jahr).

2. Verzicht auf Flüge; Bsp.: Flug nach New York und zurück (von Deutschland): 5,0 Tonnen.

3. Umstieg von normalem Strom auf Ökostrom (bei durchschnittlich 7000 kWh pro Jahr = 3,5 Tonnen pro Jahr).
 
4. Umstieg von Heizöl (3 Tonnen je 1000 Liter) oder Erdgas (2,4 Tonnen je 1000 Kubikmeter) auf Biogas oder Holz aus nachwachsenden Beständen (0 Tonnen).

5. Verzicht auf die Nutzung eines Automobils mit Verbrennungsmotors (2,5 Tonnen je 1000 Liter Treibstoff); dafür Elektrofahrzeug mit Ökostrom.

6. Jeden Mitmenschen (auch Gruppen z.B. in Form von Unternehmen), den Sie überzeugen auf einen Teil des bisherigen fossilen CO2-Ausstoßes zu verzichten, nützt dem globalen Gesamtkonto.  


Extrembeispiel:
Jemand fliegt einmal im Jahr nach New York und zurück, braucht 1000 Liter Heizöl und 2000 Liter Benzin im Jahr, benutzt normalen Strom und ernährt sich fleischhaltig. Dann verbraucht er dadurch ungefähr 23 Tonnen CO2 pro Jahr. Das CO2-Konto reicht noch ca. drei Jahre*.

Gegenbeispiel:
Verzicht auf Flugreisen, Biogas oder nachwachsendes Holz zum Heizen nutzen, ein Elektrofahrzeug mit Ökostrom oder Bahn fahren, Ökostrom verwenden und sich vegan ernähren. Das verbraucht ca. 0,2 Tonnen CO2 pro Jahr, d.h. das 70-Tonnen-Konto reicht noch für 350 Jahre Lebenszeit*.

* jeweils ohne CO2-Emissionen aus der normalen Infrastruktur, die größtenteils außerhalb Ihrer Verantwortung liegt; ebenso ausgeblendet ist hier der Warenkonsum, der je nach Art auch größere Mengen CO2 aus fossilen Quellen freisetzt


Die Konsequenz

aus diesen Zahlen kann eigentlich nur sein, für die nächsten Jahre und vielleicht Jahrzehnte
1. auf fleischhaltige Nahrung zu verzichten,
2. konsequent Ökostrom und Biogas, Solarthermie oder Holz zum Heizen zu verwenden,
3. so weit wie möglich auf Benzin und Kerosin zu verzichten und
4. sich genau zu überlegen, ob es sinnvoll ist, mehr als ein Kind je Familie zu bekommen
5. einen Teil der eigenen CO2-Emissionen durch Ausgleichszahlungen an entsprechende Institutionen zu kompensieren (z.B. für unvermeidliche Langstreckenflüge oder Autofahrten)

– zumindest so lange, bis die politischen Entscheider von sich aus radikale Entscheidungen treffen und die Nutzung fossiler Brennstoffe, die Haltung von Tieren zu Ernährungszwecken und andere Quellen von Klimagasen weitestgehend verbieten oder ausschalten.



Autor:
Werner Winkler, Waiblingen
www.wernerwinkler.de
27.10.2016


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