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Autor des Buches: "O.K. TROTZ K.O.

Vorbereiten auf das Ende der modernen Zivilisation"


Ein anderer Blick auf die Situation

Aus Sicht des Ökosystems könnte die Erderwärmung schlicht als Versuch angesehen werden, die Störung zu beseitigen, die durch die menschliche Massengesellschaft und ihre zerstörerische Lebensweise verursacht wurde. Ähnlich einem Körper, der durch Fieber versucht, einen Angriff von Viren abzuwehren. So gesehen ist das, was oft lapidar als "Klimawandel" bezeichnet wird, kein Problem, sondern eine Lösung bzw. ein Lösungsversuch.

In der Konsequenz bedeutet das dann für jeden einzelnen Menschen, dass er sich überlegen sollte, ob er Teil des Problems, Teil der Lösung oder möglichst neutral sein möchte. Interessanterweise sind die meisten Menschen also derzeit sowohl Teil des Problems als auch Teil der Lösung (weil sie gleichzeitig das Ökosystem und ihre eigene Lebensgrundlage, die moderne Zivilisation, zerstören). Aber wie bei einem Fieber nur so wenige Viren überleben, dass sie den Körper nicht mehr als Ganzes gefährden, werden wohl auch in unserem Fall nur so wenige Menschen die "Lösung" überstehen (falls die Erde überhaupt für Menschen lebenserhaltend bleibt), dass keine großflächigen Zerstörungen des Ökosystems wie in den letzten Jahrhunderten und Jahrtausenden mehr möglich sind. (geschrieben im Oktober 2019)

Worum geht es auf dieser Webseite?

Um ein populäres Metapherbild für die Einschätzung der aktuellen Situation der Menschheit (2019) zu benutzen: Wir sind Passagiere auf der Titanic, dem damals modernsten und vorgeblich sichersten Schiff, das die Meere befuhr. Doch irgendetwas fühlt sich nicht in Ordnung an. Einige sagen, es sei nur der rauhe Wind. Andere sehen die Ursache im stürmischen Meer. Viele sehen die Eisberge und warnen vor dieser Gefahr. Sie versuchen, den Kapitän und die Mannschaft von ihren Befürchtungen zu informieren und deren Gehör zu finden. 

Welches Verhalten ist in so einer Situation praktisch und ethisch angemessen? Gibt es Vorbilder in der Geschichte, die uns hier Hilfestellung geben oder Experten, die Rat wissen? Denn es ist denjenigen, die sich mit Schiffen auskennen und die den Schaden gesehen haben, klar, dass das Schiff selbst nicht mehr zu retten ist. Es wird in Kürze untergehen – zumindest zu großen Teilen. Und denen, die wissen, wie viele Rettungsboote vorhanden sind, ist auch klar, dass nicht alle Menschen damit von Bord kommen – und dass das Meer, die Kälte und der Wind auch denjenigen, die es in die Boote schaffen, hart zusetzen werden. Diese gut informierten Passagiere stellen sich nun die Frage: Was ist zu tun? Was macht noch Sinn und was nicht?  Darum geht es hier. Um Hilfe zur Selbsthilfe in einer extremen Situation, von der die meisten Betroffenen noch gar nicht wissen oder verstanden haben, dass sie da ist.

Und damit Sie mich nicht missverstehen: selbstverständlich ist es von Bedeutung (um im Bild der Titanic-Metapher zu bleiben), wie die Arbeitsbedingungen im Maschinenraum sind, ob die Ernährung der Kinder auf dem Schiff gut ist oder ob Frauen gleichberechtigten Zugang zu leitenden Positionen haben usw. – nur verlieren im Angesicht des drohenden Gesamtverlust des Schiffes, mitsamt den darauf befindlichen Passagieren alle diese Fragen, sofern sie nicht von absolut akuter Art sind (etwa ein entzündeter Blinddarm eines Passagiers, der in die Ambulanz an Bord kommt), ihre Dringlichkeit.

Auf diesem Hintergrund verstehe ich etwa nicht, warum Politiker oder Wirtschaftsführer, die über die hier beschriebenen Gefahren Bescheid wissen, so tun, als wäre etwa die Förderung der Wirtschaft (die ja noch zu einer Verschärfung der Erderwärmung und damit zur weiteren Zerstörung der Biosphäre führt) oder die bessere Anbindung ans Internet für "vordringliche Aufgaben" bezeichnen. Denn selbst wenn jemand weiß, dass die Erderwärmung letztlich das Ende der Zivilisation herbeiführen wird, wäre es doch sinnvoll, sie wenigstens nicht weiter zu verschlimmern und stattdessen z.B. die Abholzung von Wäldern, die hohen Geburtenraten in vielen Ländern und die Massentierhaltung zu stoppen. Die seit Frühjahr 2019 sehr aktiven "Extinction Rebellion"-Aktivisten zielen ja genau in diese Richtung: Der Bevölkerung die Wahrheit über den Zustand des Ökosystems und der Klimaentwicklung zu sagen und nicht so tun, als ob alles im grünen Bereich wäre bzw. große Hoffnung bestünde, dass die Gefahr noch abzuwenden wäre.




Der Zusammenhang zwischen Biosphäre und Zivilisation: Die Biosphäre braucht keine Zivilisation, aber die Zivilisation braucht eine bewohnbare Biosphäre. Sie wird jedoch durch die zunehmende Erderwärmung und andere Umweltschäden immer unbewohnbarer für Menschen und viele andere Lebewesen.



It may sound frightening, but the scientific evidence is that if we have not taken dramatic action within the next decade, we could face irreversible damage to the natural world and the collapse of our societies. (Sir David Attenborough, 2019)



Wodurch ist die Zivilisation bedroht?

Um die Risiken zu verstehen, welche die moderne Zivilisation bedrohen, müssen wir uns zunächst vergegenwärtigen, was deren Grundlagen sind bzw. was die moderne Zivilisation ausmacht. Dazu gehört, dass wir sie im historischen Vergleich mit anderen Zivilisationen betrachten und Unterschiede erkennen. Schon früher gab es Hochkulturen mit weit entwickelter Technik, Wissenschaft und Gesellschaftsordnung – auch mit weltweiter Kommunikation. Bisher sind alle Hochkulturen irgendwann untergegangen, aber es sind auch wieder neue entstanden.



"Die Säulen der Zivilisation" – Schaubild zur Veranschaulichung Fragilität der modernen Zivilisation; viele der "Säulen" sind zudem wie Dominosteine: fällt eine, fallen mehrere oder gar alle.


Aber noch nie zuvor gab es eine Gesellschaft, die so weltweit vernetzt und von wenigen Faktoren essentiell abhängig war wie die heutige globale Zivilisation. Zu diesen lebenswichtigen Faktoren zählen u.a. die permanente Verfügbarkeit von elektrischem Strom und preiswerten Energieträgern (Öl, Gas, Kohle, Atomkraft), ein weltweites Handels- und Finanzsystem, das Internet – und nicht zuletzt die Abhängigkeit von wenigen Nahrungspflanzen bzw. vom Kunstdünger, von tiefliegendem Grundwasser und von Pestiziden, die deren Wachstum überhaupt erst im notwendigen Maß ermöglichen. Auch die Risiken, die durch eine nie zuvor dagewesene Bewaffnung vieler Staaten vorhanden sind, haben in der bisherigen menschlichen Geschichte kein Vorbild.

Und was viele vergessen: Die gegenseitige Abhängigkeit der Wirtschaftsräume voneinander (durch deren z.T. extreme Spezialisierung) führt in Krisensituationen dazu, dass ab einem bestimmten Punkt der Betroffenheit so gut wie alle anderen auch mit betroffen sind. So lange sich Katastrophen wie Stürme, Erdbeben, Tsunamis, Hitzewellen, Dürre, Überschwemmungen oder Vulkanausbrüche auf einen Teil der Welt beschränken, ist die Weltgemeinschaft in der Regel stark genug, hier auszuhelfen. Jedoch haben viele Risiken im Ernstfall so starke Auswirkungen, dass es keine "Hilfe von Außen" mehr gibt. In gewisser Weise besteht die heutige Zivilisation nur noch aus einem "Innen", das heißt, im echten Ernstfall sind alle betroffen und dann ist der Einzelne bzw. jede Gemeinschaft auf sich alleine gestellt.


Das erste Mal, als ich vom Klimawandel hörte, dachte ich: Das kann nicht stimmen, es kann nicht sein, dass es etwas gibt, das ernsthaft unsere Existenz bedroht. Denn wenn es so wäre, würden wir doch über nichts anderes sprechen. Wenn du den Fernseher einschaltest, würde es nur um dieses Thema gehen. In Schlagzeilen, dem Radio, Zeitungen. Du würdest von nichts anderem lesen oder hören. Als würde ein Weltkrieg toben. Aber in Wirklichkeit sagte niemand etwas ... (Greta Thunberg)



Die Erwärmung der Erde

In den letzten Jahren verstärkt ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt sind die Risiken, die durch die Erwärmung der Erde (beschönigend oft "Klimawandel" genannt) hinzugekommen sind. Diese Risiken sind insofern einzigartig bedrohlich, da die Erwärmung 1. höchstwahrscheinlich nicht mehr durch menschliche Aktivitäten gestoppt oder umgekehrt werden kann (auch wenn viele Aktivisten oder Regierungen hier ein anderes, positiveres Bild zeichnen) und 2. sie sich im Laufe der Zeit immer mehr verstärken wird, bis die Welt um ca. 8-10 Grad Celsius wärmer als vor der Industriellen Revolution und damit in weiten Teilen für Menschen unbewohnbar sein wird.

Weitaus früher (etwa ab 2 Grad Erwärmung weltweit, was regional 3-4 Grad Erwärmung bedeutet) wird das Wachstum und der Anbau der wichtigsten Nahrungspflanzen stark eingeschränkt bzw. praktisch unmöglich sein. Spätestens dann wird allgemein klar werden, dass es viel zu viele Menschen (und "Nutztiere") auf der Welt gibt und die Nahrungsmittelsicherheit nur scheinbar bestand. Wie eine Welt ohne Anbaumöglichkeiten für Reis, Weizen, Mais, Soja und Kartoffeln (um nur einige Beispiele zu nennen) aussieht, ist nicht schwer vorherzusehen: nach kurzer Zeit ist die Welt ein einziges Notstandsgebiet und die Lebensmittelvorräte rasch aufgebraucht. Und schon zuvor werden wir wahrscheinlich sehen, wie viele Menschen aus Gegenden fliehen müssen, die schlichtweg im Sommer zu heiß sind, um dort zu überleben. Die Anfänge dieser Entwicklung sind bereits heute in Australien, in Pakistan und in Ländern am Persischen Golf zu sehen.


Und die Erwärmung hört dann ja auch nicht auf, sondern sie wird dann in weiteren 100 Jahren noch auf sieben, acht Grad ansteigen. Ich glaube nicht, dass die menschliche Zivilisation das überleben würde. (Stefan Rahmstorf, forscht am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung PIK)




Was sind angemessene Reaktionen auf diese Gefahrenlage?

Sobald man erkennt und akzeptiert, dass nicht einzelne der oben beschriebenen Risiken (etwa die Erwärmung der Erde, die hohen Bevölkerungszahlen oder die Verschmutzung der Meere) das Kernproblem sind, sondern die Gefahr darin besteht, dass die Zivilisation, wie wir sie kennen, (evtl. an einer scheinbaren Kleinigkeit) zerbricht und untergeht, kann man sich fragen, welche Lösungsansätze für diesen Fall vorhanden sind.

Die Problemlösungsforschung unterscheidet hier zwischen Problemen, die a) mit entsprechenden Mitteln oder Kenntnissen lösbar sind, b) solchen, die nur präventiv, durch entsprechende Vorkehrungen zu lösen bzw. zu vermeiden sind – und c) solchen, die gar nicht lösbar sind und mit denen man sich nur arrangieren kann bzw. sie irgendwie aushalten, ertragen, erdulden.

In welche dieser drei Kategorien gehört nun das Risiko des Endes der Zivilisation? Im Angesicht der vielfältigen, systemisch angelegten Risiken und vor allem durch das Hinzukommen der Klimaveränderungen, die per se zu einer für Menschen weitgehend unbewohnbaren Erde führen werden, ist klar, dass wir es hier mit einer Problematik der Kategorie c) zu tun haben – also einem nicht mehr lösbaren Problem. Vor allem das Phänomen der Selbstverstärkung der Erderwärmung (die Wärme führt zum Schmelzen von Eiskappen und Permafrost, der wiederum CO2 und Methan freisetzt, das dann die Erwärmung verstärkt usw.) ist der Anlass für diese Einsicht. Auch wenn sie oft nur zwischen den Zeilen versteckt oder gar nicht kommuniziert wird: sie ist vorhanden und von Menschen nicht mehr zu stoppen. Höchstens ein größerer Vulkanausbruch könnte noch kurzfristig für Abkühlung sorgen, was aber andere Schäden bewirken würde, die ebenfalls bedrohlich für die Zivilisation wären (starke Abkühlung, Ernteausfälle, Ascheregen etc.).

Dass die moderne Zivilisation also früher oder später an der Erderwärmung oder schon vorher an ihren eigenen Schwachstellen (z.B. dem Finanzsystem, der Abhängigkeit vom Internet oder von preiswerter Energie bzw. der starken Vermehrung der Menschheit bei gleichzeitigem Rückgang der Nahrungsmittelproduktion) scheitern muss, ist offenkundig (nicht erst, seit der Club of Rome auf die "Grenzen des Wachstums" hingewiesen hat).



So bitter und enttäuschend das für viele klingen mag: Auch die Regierungen der Welt, die damit befassten Wissenschaftler und die Wirtschaftsführer haben auf diese Entwicklung keine lösungsrelevante Antwort. Das haben Greta Thunberg ("Ich will, dass ihr in Panik geratet") und mit ihr viele Jugendlichen inzwischen erkannt. Nur leider täuschen sie sich (noch) dahingehend, dass sie doch hoffen, irgendwie könnten "Maßnahmen" die Erderwärmung stoppen. Dies ist leider aus praktischer und physikalischer Sicht höchstwahrscheinlich unmöglich.

Aus praktischer Sicht deshalb, weil Menschen in großen Massen so gut wie nicht durch vernünftige Argumente in ihrem Verhalten zu beeinflussen sind. Wäre dies möglich, hätte es genügt, vor 50 Jahren zu sagen: Bitte habt nur noch maximal zwei Kinder je Familie, verbraucht so wenig fossile Energie wie möglich und esst keine Lebensmittel mehr, für die Tiere gehalten werden mussten. Dann hätten wir heute aus ökologischer Sicht eine völlig andere Welt und wahrscheinlich auch nur eine leichte Erderwärmung.

Und aus physikalischer Sicht ist eine Umkehr zum Beispiel deshalb nicht mehr möglich, weil schon so viel Treibhausgase in der Atmosphäre sind, dass sie alleine (selbst wenn man sofort oder in zehn Jahren den CO2-Ausstoß auf Null fahren könnte) für eine weitere Erwärmung sorgen – für mindesten 100 Jahre. Dazu kommt, dass die schon jetzt vorhandene Erwärmung Methan aus dem Meeresboden und den Permafrostböden entlässt, das wesentlich stärker zur Erwärmung beiträgt als CO2. So ergibt sich ein sich selbst verstärkender Kreislauf: mehr Wärme – mehr freigesetztes Methan – noch mehr Wärme.


Ich dachte nicht etwa: Oh, das Schiff sinkt. Ich dachte überhaupt nicht in einem größeren Rahmen (...) Ich nahm nur meine eigene kleine Welt wahr ... (ein Überlebender des Untergangs der "Estonia")



Was kann der Einzelne noch tun?

Bleibt also die Frage übrig, ob es für den Einzelnen Problemlösungsansätze gibt – also Verhaltensweisen, die es ihm ermöglichen, trotz des absehbaren Endes der Zivilisation am Leben zu bleiben (sofern er bis dahin noch lebt)? Dazu ist wichtig, sich konkret und ohne Scheuklappen mit denjenigen Problemen zu befassen, die im Ernstfall jeden Einzelnen von uns betreffen werden. Im obigen Beispiel der Titanic wären das nicht etwa das Loch im Schiffsrumpf oder der Ausfall der Elektrizität – sondern die Frage, wie man unbeschadet von Bord kommt und wie man dann lange genug lebt, um von einem Rettungsschiff aufgenommen zu werden oder gar an Land zu kommen?

Gleichzeitig ist es (bitter zwar, aber hilfreich) nötig, sich nicht von falschen Hoffnungen in Sicherheit wiegen zu lassen – etwa von der Idee, es werde schon noch eine technische Erfindung geben, die auf wundersame Weise das viele CO2 und das Methan aus der Atmosphäre saugt. Oder dass genügend Bäume gepflanzt würden, um diesen Job zu erledigen. Es lässt sich recht einfach berechnen, dass dies ein Ding der Unmöglichkeit ist. Die Hoffnungen auf eine Rettung der Zivilisation in ihrem derzeitigen Zustand aufzugeben ist also ein großer Schritt in Richtung der Frage, was man denn stattdessen tun sollte.

Im Fall des Endes der Zivilisation bestehen die größten Risiken für den Einzelnen ja nicht in der Erwärmung der Erde, sondern darin, genügend Sicherheit, Wasser, Nahrung und (falls es kalt ist) Wärme zur Verfügung zu haben. Das klingt zunächst einfach und man könnte auf die Idee kommen, dass bei ein wenig Vorbereitung und ein paar Dosen zusätzlicher Lebensmittel genug getan wäre. Hier übersieht man jedoch zweierlei: Erstens, dass alle anderen Menschen dann genau die gleichen Probleme haben werden und zweitens, dass die Krisensituation so lange nicht aufhören wird, bis nur noch so wenige Menschen in einer Region leben, wie die dortigen natürlichen Ressourcen es erlauben. In einer modernen Großstadt können von den dortigen natürlichen Ressourcen sicher nur sehr wenige Menschen dauerhaft leben, in manchen Gegenden, die aktuell völlig auf die Versorgung von Außen angewiesen sind, gar keine.

Entscheidend ist also nicht nur, dass man sich vorbereitet, sondern dass man sich möglichst gut und angemessen vorbereitet. Es geht hier weder um ein hektisches "Preppen" noch um "Survival", sondern um Verhaltensweisen, die das eigene Leben (auch das soziale) in allen drei unterscheidbaren Phasen des Endes der Zivilisation ermöglichen, so gut es eben geht: In Phase 1, bis zum Untergang (so lange die bekannten Spielregeln noch gelten und noch viele Ressourcen verfügbar sind), in Phase 2, wenn der Zusammenbruch akut das eigene Leben erreicht und schließlich in Phase 3, wenn der Kollaps vorüber ist, aber noch für längere Zeit viele Menschen und viele Überbleibsel der dann früheren Zivilisation da sind. Im Buch "O.K. TROTZ K.O." werden diese Phasen und das darin passende Verhalten ausführlich beschrieben (s. Leseprobe unten).


Je mehr Zeit wir haben, um auf eine Bedrohung zu reagieren, desto mehr können wir die anspruchsvolleren Fähigkeiten unseres Gehirns benutzen. Wir können die Bedrohung in einen Zusammenhang setzen, unsere Handlungsmöglichkeiten überdenken und intelligent handeln. (Amanda Ripley, Survive)



Literatur zum Thema
Bendell, Jem: Deep Adaption
Diamond, Jared: Kollaps. Warum Gesellschaften überleben oder untergehen.
Ehrlich, Paul: Die Bevölkerungsbombe
Fuller, Gregory: Das Ende. Von der heiteren Hoffnungslosigkeit im Angesicht der ökologischen Katastrophe.
Gore, Al: Eine unbequeme Wahrheit
Henighan, Stephen: Unsere Welt in Gefahr
Latour, Bruno: Das terrestrische Manifest
Löbsack, Theo: Die letzten Jahre der Menschheit
McPherson, Guy: Climate-Change Summary
Meadows, Dennis: Die Grenzen des Wachstums
Popper, Karl: Alles Leben ist Problemlösen
Ripley, Amanda: Survive. Katastrophen – wer sie überlebt und warum
Weisman, Alan: Countdown. Hat die Erde eine Zukunft?
Winkler, Werner: Was sind die Konsequenzen der Klimakatastrophe?



Leseproben aus "O.K. TROTZ K.O."



Für Leseproben aus dem Buch (PDF-Datei) klicken Sie bitte hier. Das Buch selbst ist bei Amazon als gedrucktes Buch und als E-Book erhältlich.

Hinweis für kritische Zeitgenossen: Die Erlöse aus dem Verkauf meines Buches werden dafür verwendet, Exemplare an Interessierte abzugeben, die kein Geld für den Kauf haben. Das Ziel dieser Webseite und der Veröffentlichung meines Buches ist tatsächlich die "Hilfe zur Selbsthilfe", nicht etwa, ein paar Euros zusätzlich zu verdienen.



Fragen und Antworten zum Thema


Warum nicht einfach für alle Menschen große Mengen Lebensmittel speichern, um den drohenden Kollaps der Zivilisation zu überstehen?
Das wäre eine sinnvolle Aktivität und Vorsorge, wenn die vorhersehbare Versorgungskrise nur eine Region betreffen würde oder zeitlich begrenzt. Wenn jedoch das geschieht, was ich das Ende der Zivilisation nenne, sind im Prinzip alle Länder betroffen und auch dauerhaft. Zudem gibt es gar nicht so viel Getreide (das als Vorrat ideal ist), um davon so große Vorräte anzulegen, wie es für eine größere Krise notwendig wäre – vom Transport und der Verarbeitung ganz abgesehen.

Macht es Sinn, sich einen großen Garten anzulegen und Selbstversorger zu werden?
Wenn man dafür Zeit, die Möglichkeiten und Freude daran hat, spricht in normalen Zeiten nichts dagegen, einen Garten anzulegen und Selbstversorger zu werden. Nur wird so ein Garten nach einem Kollaps der Versorgungssysteme und einem Zusammenbruch der öffentlichen Ordnung rasch das Ziel derjenigen, die bereit sind, zur Stillung ihres Hungers Eigentumsrechte außer acht zu lassen. Wenn der Garten also nicht weit abseits oder sehr gut eingezäunt ist, würde ich eher davon abraten.

Wie lange wird die Zivilisation noch halten?
Das ist eine naheliegende Frage. Doch obwohl die Basis unserer derzeitigen Zivilisation recht fragil und angreifbar ist, hat sie sich für lange Zeit trotzdem als widerstandsfähig und in gewissem Sinne stabil erwiesen – zumindest global gesehen. Lokal kann also ein Teil der gewohnten Sicherheiten relativ rasch abhanden kommen und auch durch eines der im Buch beschriebenen Auslöseereignisse, z.B. den Ausbruch eines Supervulkans oder einen Meteoriteneinschlag, besteht jederzeit die Möglichkeit eine schlagartigen Kollapses. Ohne außergewöhnliche Ereignisse würde ich intuitiv jedoch eher mit einer Resthaltbarkeit der aktuellen Ordnung von 10-30 als mit 50-100 Jahren rechnen.



Wenn der Mensch glaubt, dass er Einfluss auf sein Überleben hat, kann er erstaunlich kreativ sein. Er braucht dazu nichts weiter als die Kühnheit, sich vorzustellen, dass sein Verhalten einen Unterschied machen kann. Das kann von einem Moment zum anderen passieren, durch einen Anruf oder eine geäußerte Idee. (Amanda Ripley, Survive)



Sollte man nicht alles stehen und liegen lassen und sich nur noch auf die Vorbereitungen konzentrieren?
Wenn man keinerlei sonstige Verpflichtungen und ausreichend Geld zur Verfügung hat, kann es durchaus Sinn machen, sich zuerst um die Vorsorge zu kümmern und sie zu optimieren, bevor man zum normalen Alltag übergeht. Da jedoch die meisten von uns auch weiterhin ihren Lebensunterhalt verdienen müssen oder andere Verpflichtungen haben, macht es eher Sinn, die Vorsorgetätigkeit als Hobby parallel zum gewohnten Leben zu sehen. Je nachdem, wie weit man damit schon gekommen ist, kann es durchaus nützlich sein, z.B. einmal auf einen Urlaub zu verzichten und die dadurch freien Geld- und Zeitressourcen auf die Optimierung der Vorsorge zu verwenden. Zudem ist es aus schon besprochenen Gründen eher sinnvoll, dieses „Hobby“ nicht öffentlich auszuüben und vielleicht auch zu „tarnen“, z.B. als Gartenarbeit oder durch eine kunsthandwerkliche Tätigkeit, für die man zusätzliche Räume benötigt (die in Wirklichkeit aber als Rückzugsort hergerichtet werden). Vor allem, wenn man sich vor Fragen von Nachbarn und Freunden schützen will, macht so eine „Legende“ durchaus Sinn – ganz abgesehen vom Sicherheitsaspekt der Geheimhaltung. Dies betrifft auch die Einkäufe von vorratsfähigen Lebensmitteln; wenn man Hühner hält, ist es z.B. normal, größere Getreidemengen einzukaufen. Oder wenn man nebenher für einen Freund mit einem Restaurant die Einkäufe tätigt, sind 50 oder 100 Kilo Spaghetti ein gewöhnlicher Einkauf im Supermarkt (bzw. in verschiedenen davon).

Welche Lebensmittel sind für die Vorratshaltung besonders geeignet?
Neben denjenigen Lebensmitteln, die man permanent verbraucht und von denen man so viel bevorraten kann, wie die Haltbarkeitszeiten hergeben, gibt es einige wenige Lebensmittel, die man auch in größeren Mengen bevorraten kann, da sie länger oder sehr lange haltbar und verzehrfähig sind. Dazu zählen etwa Weizen und daraus hergestellte Produkte wie Nudeln. Aber auch Lebensmittel in Dosen halten oft lange (und länger als der Aufdruck sagt), geschälter Reis eignet sich für die Lagerhaltung, wenn er luftdicht verpackt ist ebenso wie trockene Linsen, Erbsen und Bohnen. Die Frage ist hier jedoch, ob im Ernstfall die Möglichkeit besteht, auch zu kochen, sonst sitzt man mit reichlich ungenießbaren Lebensmitteln in seinem Versteck. Gut lagerbar und auch ohne Kochen essbar sind Haferflocken und Schokolade. Nicht vergessen sollte man Mineralstoff- und Vitaminpräparate (z.B. die in Drogeriemärkten preiswert erhältlichen A-Z-Präparate, die zumindest die Versorgung mit Vitamin C, den B-Vitaminen und Jod sicherstellen). Hier sollte man auch aus den Erfahrungen der frühen Seefahrer lernen, die noch nichts von Vitaminen wussten und dadurch häufig krank wurden oder starben. Getreide kann man im Ernstfall mit etwas Wasser zum Keimen bringen, ebenso viele andere Samen – und so den Speiseplan mit etwas Frischem bereichern. Nicht zu vergessen bei der Planung der Vorräte sind Trockenfrüchte (ebenfalls luftdicht zu verschließen!), Nüsse, Mandeln, Sonnenblumenkerne (die jedoch alle nicht allzu lange lagerfähig sind). Um eine größere Menge Kalorien preiswert und auf kleinem Raum zu lagern bietet sich auch Speiseöl an (das dann z.B. mit den Haferflocken oder dem gekochten Reis die Mahlzeiten kalorienreicher machen kann). Salz darf man nicht vergessen, nicht nur aus Geschmacksgründen. Und natürlich Trinkwasser – das ebenfalls entgegen der Aufdrucke auf den Flaschen (wie Honig und Essig) fast unbegrenzt haltbar ist. Informieren Sie sich hier im Internet oder in entsprechender Literatur möglichst gut über Lagermethoden, die notwendigen Mengen (die natürlich von der Anzahl der Personen abhängen, für die Sie Vorräte anlegen möchten) und wie man die Vorräte durch ein Umwälzverfahren möglichst frisch hält.
Was Sie auch nicht vergessen dürfen bei Ihrer Vorratsplanung sind Heizmaterialien, Hygiene- und Körperpflegeartikel und von den eingeplanten Personen benötigte Medikamente. Alle drei Produktgruppen dürften im Fall einer Versorgungskrise sehr früh stark begehrt und rasch ausverkauft sein. In diesen Fragen lohnt sich durchaus ein Blick in Communitys der so genannten „Prepper“, auch wenn vieles dort unrealistisch oder überzogen ist.

Gibt es etwas Positives daran, dass die moderne Zivilisation zu Ende geht?
Wie schon in meinem Buch kurz angesprochen enden mit der Zivilisation nach und nach auch viele ihrer Schattenseiten, etwa die Versklavung und Tötung von Milliarden von intelligenten Lebewesen, die als „Nutztiere“ abgestempelt wurden. Zudem dürfte es ohne eine arbeitsteilige Gesellschaft mit sehr vielen spezialisierten Menschen wohl kaum noch möglich sein, komplexere Waffensysteme (wie Atom- oder Chemiewaffen) herzustellen, auch wenn die vorhandenen Waffen sicher noch längere Zeit ein enormes Risikopotential darstellen.     

Macht es Sinn, Survival- oder Prepper-Bücher zu lesen, YouTube-Filme zu schauen bzw. entsprechende Kurse zu besuchen?
Wenn man genau weiß, was man lernen möchte, findet man den benötigten Lernstoff an den ungewöhnlichsten Orten, z.B. bei religiösen Gruppen, die an ein baldiges Ende der Welt glauben (und damit in gewissem Sinne richtig liegen könnten, jedoch werden diese „Gläubigen“ wohl überrascht sein, dass keine Engel das Ende der Zivilisation einleiten oder sie dann retten werden, sondern eher ihre vorsorglich angelegten Lebensmittelvorräte. Aber das ist ein anderes Thema, ebenso wie die starke Fixierung vieler US-Webseiten auf Waffen (verständlich für dieses Land, aber für europäische Verhältnisse weniger passend). Und wenn jemand meint, der schlichte Gang in den Wald würde, mit entsprechenden Kenntnissen aus einem Wochenendkurs, im Kollapsfall längerfristig das eigene Überleben sichern, bedenkt nicht, dass die Wälder in diesem Fall nicht mehr leer und einsam, sondern voller anderer Hungriger und Frierender sein werden – zumindest diejenigen Waldstücke, die von den Ballungszentren aus gut erreichbar sind. Der Wald mag einige Jahre nach dem Kollaps wieder wichtig werden, nicht jedoch kurz danach. Da könnte eine kleine Hochhauswohnung mit entsprechender Vorbereitung versehen wesentlich überlebenstauglicher sein als ein nasser, kalter und von allerlei Getier bevölkerter Monokultur-Wald.
Was sich jedoch in entsprechenden Kursen sicher gut lernen lässt, sind Selbstverteidigungstechniken oder Erste-Hilfe-Kenntnisse. Auch ein Kurs über altes Handwerk kann später, in Phase C und D, durchaus nützlich sein, ebenso wie die schon angeführten Studien von heimischen Wildpflanzen und deren Verwendungsmöglichkeiten. Ob man dazu einen Kurs besuchen soll („Kräuterwanderung“) erscheint mir jedoch fraglich, aber nicht jeder ist autodidaktisch veranlagt, so dass es besser ist, hier mit einem Kurs ein bisschen etwas zu lernen als überhaupt nichts.
Letztlich wird man aber nie „alles“ selbst lernen können, sondern auch weiterhin auf das Wissen und Können (und auch die Werkzeuge) anderer angewiesen sein. Auch die Buschleute, die Hadza oder die Amazonas-Indianer teilen sich die täglichen Aufgaben untereinander.

Wem soll ich von meinem Rückzugsort oder von meinen Vorräten bzw. überhaupt von meiner Vorsorge erzählen?
Eine sehr berechtigte Frage. Meine Haltung hier ist, es möglichst niemand außerhalb der Gruppe zu sagen, für die man die Vorsorgearbeit betreibt (in der Regel also die eigene Familie, den Partner oder falls man sich zu einer kleinen Vorsorgegruppe zusammenfindet, nur diesen). Jede zusätzliche Person, die davon weiß, kann im Ernstfall mit weiteren auftauchen und so den Erfolg des Vorsorgeprojekts in Gefahr bringen. Das mag in normalen Zeiten unmenschlich oder egoistisch klingen – aber im Ernstfall kann eine Verdoppelung der Personenzahl in einem Rückzugsort über Leben und Tod entscheiden.

Was ist von einem „Fluchtrucksack“ zu halten, wie er oft empfohlen wird?
Im Fall eines Kollapses, von dem die ganze Zivilisation betroffen ist (bzw. das gesamte erreichbare Umland) ist eine Flucht weg vom gewohnten Umfeld eher schädlich als nützlich – es sei denn, man hat ein Fluchtziel, z.B. einen Rückzugsort, an dem man seine Vorräte gelagert hat und sich gut für längere Zeit aufhalten kann. Es macht ja wenig Sinn, dass die Leute aus A nach B fliehen und umgekehrt. Etwas anderes wäre es, wenn man in einer Gegend lebt, in der ein Vulkan ausbricht, ein Kernkraftwerk havariert oder ein Meteorit einschlägt. Dann kann es lebensrettend sein, möglichst rasch möglichst weit weg vom Gefahrenort zu kommen. Und in so einem Fall kann auch ein Flucht- oder Notfallrucksack mit entsprechender Befüllung lebensrettend und sinnvoll sein. Schaden wird er also nicht, es sei denn, jemand glaubt, damit genug für das Ende der Zivilisation vorgesorgt zu haben.

Wie lange sollte man sich zurückziehen können?
Um die eigenen Überlebenschancen durch einen Rückzug in ein „Versteck“ zu erhöhen, sollte man auch einen längeren Verbleib dort einplanen. Und mit „länger“ ist schlicht gemeint „länger als es dauert, bis in der Umgebung noch viele gewaltbereite, hungrige Menschen und verwilderte Haustiere umherstreifen“. Das kann aber durchaus zwei bis drei Jahre bzw. kalte Winter dauern. Insofern halte ich es für ratsam, lieber für drei Jahre als für eines Vorräte anzulegen, wenn möglich sogar für fünf bis zehn, da ja durchaus zusätzliche Personen aufgenommen werden müssen, die man nicht abweisen kann oder will. Wobei hier immer ein gewisses Restrisiko bleibt. Der Rückzugsort kann unbewohnbar oder ausgeraubt werden, die Lebensmittel können durch Feuer oder Schädlinge unbrauchbar werden usw. – eine absolute Sicherheit ist, wie schon angesprochen, nie zu erreichen. Nur eine potentielle Erhöhung der eigenen Überlebenschancen. Und darum geht es, nicht um Unverwundbarkeit oder ewiges Leben.

Wie kann ich vorsorgen, wenn ich nur eine kleine Wohnung oder gar ein WG-Zimmer zur Verfügung habe?
Wie schon gesagt ist jeder zusätzliche Vorrat im Ernstfall hilfreich, wobei man die Reihenfolge der Bedürfnisse beachten sollte (also etwa, dass man zuerst trinken und dann essen muss, oder dass man schneller erfriert als verdurstet). Es gibt Heizgeräte, die ohne Strom auskommen, aber für längere Zeit sind sie eher ungeeignet. In vielen Gegenden gibt es günstig Gartenlauben, die mit einem kleinen Ofen beheizbar sind und wo man vielleicht in einem Geräteschuppen eine doppelte Wand oder einen doppelten Boden einrichten kann, um Vorräte zu lagern. Auch ein als Zisterne getarntes Erdlager ist denkbar und manche „Prepper“ empfehlen gleich, die Vorräte in dichten Plastiktonnen irgendwo im Wald zu vergraben und sich dort im Ernstfall zu bedienen. Grundsätzlich dürfte Vorsorge „auf dem Land“ einfacher sein als in der Stadt.



                                                                                             
Was hat es mit Tikopia, dem Namen der Webseite, auf sich?
Tikopia ist der Name einer tatsächlich existierenden kleinen Insel im Pazifischen Ozean. Sie wird von ca. 1000 Menschen bewohnt. Deren Gesellschaft hat sich im Laufe der Jahrhunderte als beispielhaft im Umgang mit den dort sehr begrenzten Ressourcen erwiesen (nachzulesen in "Kollaps" von Jared Diamond). Sie wäre ein Paradebeispiel für den Umgang mit der Natur und mit dem menschlichen Wachstumsdrang gewesen. Vermutlich werden die Menschen auf Tikopia zu den wenigen gehören, die einen Untergang der Zivilisation, wie wir sie kennen, als geschlossene Gruppe überleben – zumindest so lange, bis auch dort die Erderwärmung die Nahrungspflanzen schädigt.


Die Insel Tikopia, aus dem Weltall fotografiert von der ISS. Bild gemeinfrei (Wikipedia)




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